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Museum of Tolerance. Da habe ich mal gearbeitet.
Es ist Freitag, und ich will meine ehemaligen Kollegen besuchen gehen, die Vergangenheit hinter mir lassen – ich wurde schliesslich gefeuert (hier die Gruende) – und einfach das Gebaeude geniessen, mit dem ich so viele schoene Erinnerungen verknuepfe.

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Ich fahre mit Lorena zum MOT, es ist etwa 4:45 PM, eine Viertelstunde vor Ladenschluss. Die Parkgarage ist zu der spaeten Stunde schon gesperrt, also parken wir das Auto in einer Seitenstrasse und gehen zum Eingang. In der Lobby finde ich das Lobbymaedchen und den Securityguard Mr. Love. Den Namen des Lobbymaedchens habe ich nie herausgefunden, und sie sieht mich gelangweilt an, waehrend sie telefoniert.
Ich wende mich an Mr. Love.
“Hey, do you remember me? I used to work here!”
“Haha, yes, absolutely, Toby! How are you doing?”, antwortet der erfahrene Sicherheitsmann, der grosse Aehnlichkeit mit Morgan Freeman hat und streckt mir seine Hand entgegen.
Eine tuerkise Tuer oeffnet sich, und der Securitychef Walter kommt heraus. Ich bin aufgeregt, ihn zu treffen, und erklaere Lorena, dass sich hinter der Tuer die Securityhoehle verbirgt. Walter kommt zu mir herueber.
“Can you excuse us for a moment? Just stay here”, meint er zu Lorena und geht nach draussen. Ich wackle ihm nach.
Fuenf Minuten spaeter weiss ich, dass ich lebenslanges Verbot zum Betreten des Museum of Tolerance habe. Weil ich herausgeworfen wurde. Jeder, der aus dem MOT gefeuert wird, darf es nie wieder betreten.

Wenigstens treffe ich noch Alex und Norah, beide sind wohl etwas ueberrascht und geben sich etwas distanziert. “That was sooo scary!”, meint Lorena, nachdem sich Walter verabschiedete.
Ich darf nie wieder ins Museum of Tolerance. Nie. Ziemlich tolerant, wuerde ich sagen.

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Gegenueber vom MOT steht “Owen’s Market”, ein kleiner Supermarkt, in dem wir uns ganze Karotten besorgen, und ich es zu einer Mission mache, jeweils eine komplette Karotte zu essen – inklusive einem abgeschnittenen Stengel. So viel weiss ich jetzt: Ganze Karotten, speziell die Stengel, sind aeusserst ungeniessbar, und trotz ihres unertraeglichen Geschmacks schwerer zu kauen als ein verbranntes, zaehes Steak.
In Lorena’s Auto fahrend, sitze ich am Beifahrersitz und trinke “Full Throttle“. Wir reden ueber Beziehungen, und wie manche Menschen so auf ihren Partner kleben, dass sie nichts mehr mit Freunden unternehmen.

“What are you thinking about?”
“About being in Vienna with you, and sitting at a get-together, and if we are bored, we’ll just disappear at the bathroom and return two hours later! Like, having a sexual relationship.”
“Sexual Intercourse.”
“I could stick my penis into your vagina!”, schreie ich – und dann ist kurz Stille. Das war etwas direkt. Im Deutschen hat man ja mindestens genauso grosse Hemmnisse, diese Koerperteile zu benennen – Penis oder Scheide zu sagen. Besonders Scheide.
“Quote, quote!”, schallt es vom Fahrersitz. Und waehrend in meiner Vorstellung schon Kommentare ueber das dicke Zitat auf facebook hageln, wie der Satz mit meinem Namen darunter prangt, verkutze ich mich. Ein voller Mund Full Throttle spritzt klatschend auf meine Hose und mein Shirt. Ich huste fuer fuenf Minute.

I could stick my penis into your vagina. Darum geht es mir also.

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Wir treffen Lorena’s Freundin Keyci, welche das dringende Beduerfnis nach einem Bauchnabelpiercing hat, und seelischen Support von uns begruesst. Wir betreten das Tattoo- und Piercingstudio zusammen als Trio. Es gibt blaetterbare Taefelchen auf der Wand mit verschiedenen Motiven, zwei taetowierte und ein untatowierter Mitarbeiter sitzen hinter einer Theke.
“We’re here for the Bellybutton Piercing”, sagt Kayci.
Einer der Typen klappt eine grosse, schwarze Liege auf und stellt sie mit einem Scheppern auf den Fliesenboden. Der andere holt eine Schachtel mit Piercings heraus.
“Your tools are clean, right?”, keucht Keyci, im Gesicht rot vor Aufregung und Angst.
“No.” Betretenes Schweign nach nicht verstandenem Sarkasmus.
Keyci gefaellt keines der Piercings. Der Typ raet ihr mehr und mehr ab, das Piercing jetzt zu bekommen, und ueberzeugt sie schliesslich davon, noch einige Wochen zu warten, bis sie bereit ist. Faszinierende Technik – anstatt seine Kunden schleimig davon zu ueberzeugen, das zu tun, was sie geplant haben, empfiehlt er ihnen , es sich zu ueberlegen und erzeugt damit zusaetzliches Langzeitvertrauen.
Gute Taktik.

Dieses Wochenende gibts kein Entertainment.
Wieso? Weil ich Durchfall habe. (das war ein Scherz, Mama)

Montags jedoch werdet ihr von einem Abenteurer und seiner extraordinaeren Weltumrundung lesen – und von dem Kram, den ich dieses Wochenende angestellt habe. Ich werde naemlich wieder einmal einen Roadtrip machen, diesmal jedoch in einem vollgepackten Auto – das Ziel liegt in kanadischen Massstaeben nur unweit von Montreal… na, wer findet heraus, um welche Stadt es geht?

Ich stehe im Staffroom und zeige Eleanor eine Zeichnung, die ich gerade fertig gemacht habe.
“Alex’ Vision: The Museum of sporty Tolerance” heisst sie.
Auf der Zeichnung sieht man eine Version des Museums, die voller Sportgeraete, Laufbahnen, Radfahrern usw. ist. Komisch, verrueckt, abgedreht.

“You’re so creative! I love it!”, sagt sie.
“Yeah, that’s what I noticed too!”, sagt Rina. “And those guiding drawings, be sure to copy them for us!”
“I will.”, antworte ich und ruecke die Zeichnungen zurecht, die ich in den Touren benutzen wollte, bisher aber noch nicht die Gelegenheit dazu hatte.

Das Telefon klingelt.

“Museum of Tolerance, Eleanor speaking, how may I help you?”
Ich sehe sie an.
“Yes, he’s standing right in front of me!”, sagt sie und nickt.
“Shall I send him over? Okay, alright, thank you!”, beendet Eleanor das Gespraech.

Ich soll also zu Liebe, der Direktorin des Simon Wiesenthal Centers, und somit hoechste Vorgesetzte des MOT, gehen. Gut, denke ich mir, packe mein Clipboard, und mache mich auf den Weg.

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Der heutige Tag war wie ein Abschied – das sind viele meiner Tage hier in Los Angeles: Intensiv, voller Emotionen, Menschen, Erlebnissen… erinnerungswuerdige Tage.
Ismael, ein netter Latino aus dem Putzteam, zeichnete mir eine Karte von El Salvador, und zeigte mir, wo er herkam.
Monica verabschiedete sich, sie fliegt einen Monat lang nach Guatemala, um in einem Waisenhaus zu arbeiten.
Lydia war schon im Flugzeug nach Fiji, um dort einen Sozialdienst fuer vier Wochen zu machen.
Und ich? Ich habe dem Tools for Tolerance-Department mein Bestreben mitgeteilt, am Programm teilnehmen zu wollen. Am Montag ist Ende der “Busy Season”, ab da haben alle Schulen Ferien, und im Museum gibt es eine kleine Feier fuer die Tourguides.

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Alex haelt mich auf.
“Toby, what’s going on?”
“Oh, I have to go to Liebe. I don’t know whether it is something good or bad..” Ich oeffne die Glastuere nach draussen. “It’s like walking to the Gilloutine, you never know if it comes down to you or not.”, sage ich spasshalber und quetsche ein Laecheln hervor.
“Yes.”

Ich ueberquere Pico Boulevard, sechs Spuren hat diese enorme Strasse, und eine haltende, brummende Karawane aus Blech fukelt in der tief stehenden Sonne. Wie warm es doch ist, denke ich mir.

Die nette Security-Dame Betty, die ich anfangs nur mit Smalltalk begruesste, in letzter Zeit aber besser kennengelernt hatte, schickt mich in den zweiten Stock. Der Aufzug fuehlt sich traege an, die gefaelschten Holzpaletten spiegeln sich im metallenen Handlauf, der mich umgibt. Ich steige aus, gehe durch das Sicherheitstor im 2. Stock. Hier arbeiten nur wichtige Leute, Leute, die sich Gedanken machen, wie man die Institution weiter vergroessert, den Finanzen, die Filmabteilung – kurz gesagt: The guys from the second floor. So nennen wir sie ehrfuerchtig.

Und da steht sie: Eine sehr modebewusste Dame, in einem creme-lila Anzugkleid, mit geuebt gesetztem Lippenstift, einem freundlichen Flackern in den Augen und einer sehr autoritaeren Ausstrahlung. Die Redefertigkeit wird von diplomatischen Gesten unterstrichen.
Sie beendet ihr Gespraech mit einer anderen Mitarbeiterin.
“Toby, please, come in.”

Ich betrete das Buero. Ausblick auf eine Wand, trotzdem angenehm eingerichtet, viel Holz, und eine Menge Papier – Zettel und Buecher, wohin das Auge blickt. Das ist das Buero einer sehr belesenen Frau, einer starken Repraesentation eines der maechtigsten NGO’s der Welt. Und nichts desto trotz hat sie eine bescheidene Art, mit dir umzugehen.

“I wanted to show you something, Liebe.”
Ich treffe ihren Blick. Kalt.
Mein Herz wird schwer und schlaegt erbarmungslos gegen meine Lungen. Meine Stimme zittert, ich versuche mich zu beherrschen. Ruhig. Es ist alles in Ordnung. es ist alles in Ordnung.

Ich zeige ihr meine Skizzen, die den Gruppen helfen sollen, sich schneller zusammenzufinden und die Gruppenfuehrung zu vereinfachen.
“That is a very good idea, Toby. I like it. But I have bad news for you.”

Ich gebe mich unerwartet, doch sie hat mich bestimmt schon durchschaut. “Really? What is it?!”
Amateurhaft. Sie muss schon tausende Menschen gesehen haben, die sich verstellten, um die Ruhe zu bewahren. Meine knie werden weich, obwohl ich sitze.

“I fear we have to terminate your internship at the Simon Wiesenthal Center.”

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Mein Atem erstarrt. Mein ganzer Koerper scheint sich zu verkrampfen, zu winden. Meine Luftroehre verdreht sich zu einem Strick. “I … I … terminate? What … how …” Ich finde meine Worte nicht. Unter meinem Kinn ziehen Muskeln in Richtung meiner Augen, mein Rachen verengt sich, und ein taubes Gefuehl verbreitet sich in meinem Gesicht.

“The decision was made. We have to terminate your internship.”

Ich stosse Luft aus. Sacke ein. Mein Koerper lehnt sich vorwaerts, mein Daumen streichelt unbarmherzig und quetschend meine andere Hand. Ich fuehle, als muesste ich mich uebergeben.

Alles, alles, aber wirklich auch alles haengt an diesem Job. Ich fuehlte mich, als ob gerade jemand den seidenen Faden, an dem meine Seele hing, gekappt haette.
Flashbacks. Alex’ trauriger Blick, als ich ihm winkte und ueber die Strasse ging. Eleanors Blick, als ich mich auf die andere Strassenseite begab. Meine Vorstellungen. Meine Traeume. Liebe’s Blick, als sie mich heute Mittag im Museum sah. Betty, als sie mich hochsendete. Liebe, als sie mich in der Sicherheitstuere sah.

“Can’t we … talk about it? I mean, there must be a … a way, to, to, to think it over, to..”
“To reconsider it?”
“Yes, that was the word I was .. searching for.” Ich beisse in meine Lippe. Wieder ueberkommt mich ein Schwall Luft aus meinem Inneren.
“I am very sorry that it took this end. The decision was made by the human resources management and by security. It is too dangerous for us, and for you too.”, sagt sie, etwas mitleidig, aber standfest.

“I don’t understand! Too dangerous?”
Eine Traene rinnt meine Wange hinab. Tobias, fasse dich. Es ist nicht fair. Nicht fair fuer Liebe, die dir nur eine Botschaft ueberbringt. Weine nicht, das gibt ihr schlechte Gefuehle, die sie nicht verdient hat.
Ich huste trocken, doch es reisst meinen gesamten Koerper mit sich.

“But they don’t know all the stuff .. they … they always … always .. just .. see.. Liebe … I” – und das war genug fuer mich. Ein letzter Schwall Luft stoesst auf, durchbohrt mich schier. Meine Augen krampfen sich zusammen, ich beuge mich, mein Mund verzieht sich zu einer starren Grimasse, meine Sicht ist verdellt, schwummrig, nebelig. Ich spuere die Feuchtigkeit in meinen Augen, und meine Sicht ist von seifenblasenartigen Wirbeln verzerrt.
Ich will es stoppen, einatmen, diesem Ausbruch einen Einhalt gebieten. Doch es steckt ein Ventil in meinem Hals – alles hinaus, und nichts hinein. Ich japse. Und dann verengt sich alles – meine Lungen, meine Augen, mein Mund, meine Nasen – und ich weine. Ich weine.

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Zum ersten Mal seit fuenf Jahren weine ich. Meine Stimme erstickt, mein Gehirn wird von Emotion zerquetscht.

Ich versuche weiter, mit Liebe zu verhandeln. Aussichtslos, ich kann keinen Satz zu Ende bringen.

Es war eines meiner groessten Probleme: Ich hatte geglaubt, das Weinen verloren zu haben. Ich dchte, ich koennte diese Emotion nicht mehr stark genug fuehlen, dachte, ich haette mich genug verhaertet, um staerker zu sein, aber einen Teil von mir dafuer einzubuessen.

Die Direktorin sieht mich an. Mit einer Geduld, die nur ein Engel haben kann. Ich stammle, sie sieht mir in die Augen und wartet, bis ich meinen Satz zu Ende bringe. Ich keuche Wortfetzen, die von Schluchzen aufgesogen werden.

Ich sah mir immer gerne traurige Filme an, mit dem Hintergedanken, ich koennte endlich bei einem der Filme weinen. Wie es Maedchen immer konnten. Sah ich trauernde, von Weinkraempfen geschuettelte Menschen, spuerte ich Neid. Wollte es ihnen gleichtun. Ich brachte es zustande, einige wenige Traenen hervorzuquetschen. Das kann jeder, dafuer braucht man nur zu gaehnen.

“They … always .. just … they … believe me, I …” – und es erdrueckt mich abermals.

Aber egal, was passierte, ich konnte es nicht. Ich konnte nicht mehr weinen. Das letzte Mal, als ich bitterlich weinte, war, als ich 14 war. Ich hatte zum ersten Mal auf eine Englisch-Schularbeit die Note 4 erhalten – zu der Zeit brach eine Welt fuer mich zusammen. Die Welt, in der ich mich meinen Kindern erzaehlen hoerte “.. und als ich im Gymnasium war, hatte ich NIE eine 4! Nie! Ich war ein guter Schueler.”
Ich hatte geweint. Meine Klassenkollegen, auch die, die mich nicht mochten, waren gekommen, um mir sanfte Klapser auf die Schultern zu geben und mir gut zuzureden.
Doch jetzt? Niemand. Ich war alleine, alleine in einer riesigen Institution, im vielleicht wichtigsten Zimmer des Gebaeudes, und ich fuehlte mich machtlos. Wehrlos.

Ich war mehr als eine halbe Stunde in Liebe’s Buero. Meine Gedanken, meine Gefuehle kreisten um drei Bilder, drei von Grund auf ehrliche Bilder – und doch nur eines dieser Themen sagte ich zu Liebe.

  1. Der Drang, zu handeln, der Machtlosigkeit zu entfliehen. Ich moechte hier bleiben. Der Job ist mir so wichtig geworden, seitdem ich hier bin. Ich bin leidenschaftlich, und auch wenn ich nichts bezahlt bekomme, ist es so ein gutes Gefuehl, diese Kinder lernen und diskutieren zu sehen, zu sehen, wie man etwas in ihnen veraendern und gemeinsam verbessern kann.
  2. Die Bewunderung von Liebe, die an Stellen unseres Gespraechs wortwoertlich minutenlang zuhoerte, waehrend ich vielleicht zwei oder drei Saetze hervorbrachte. Diese Geduld, Ausdauer, und gleichzeitig diese Unverwundbarkeit, nichts, an dem ich mich festhaelten haette koennen.
  3. Die Erleichterung, auf die ich fuenf Jahre meines Lebens gewartet hatte. Die Erleichterung, dass die Welt mich nicht verbittert und hart genug gemacht hatte, um mir meine Emotion der Trauer zu rauben. Die Erleichterung, dass die gesellschaftlichen Ansprueche an einen Mann – Standfestigkeit und Kontrolle der eigenen Emotionen – nicht genug Macht ueber mich ergriffen hatten. Ich war stolz, dass ich weinte.

Waehrend mein Koerper vollkommen unkontrollierbar wurde und in einen Weinkrampf verfiel, blieb mein Gesit relativ klar, und ich konnte mich selbst von aussen betrachten. Es war ein seltsames Gefuehl, wie ein Saeugling zu stottern, und gleichzeitig eine tiefe Einsicht in die eigene Emotionswelt zu haben. Ich versuchte, so viel wei moeglich zu observieren, um spaeter daraus zu lernen, zu wissen, wie es sich anfuehlt und wie es aussieht.

Ich empfand es als unfair gegenueber meiner Chefin, diesen weinenden Teenager leiden zu sehen, obwohl sie ja nichts dafuer konnte – sie war ein Bote, und die Schuld und Verantwortung an der ganzen Miser trug ich allein. Ich bat sie, mir fuenf Minuten Pause zu geben, sie willigte wohlwollend ein, brachte mich in die Lobby, gab mir ein Glas Wasser und wartete in ihrem Buero auf mich.
Das ist eine echt grosse Geste, die ich unglaublich respektabel finde: Sie, die Direktorin, wartet, um mir den Abschied einfacher und fassbarer zu machen, um meiner Seele eine kurze Pause zu geben.

Ich schreibe einen Zettel mit meinen Argumentationspunkten, fuer den Fall, dass ich wieder die Sprache verliere. Als ich das Buero wieder betrete, merke ich, dass es aussichtslos ist: Ich bin Gast in einem Weltbild, das ich noch nicht komplett verstanden habe. Ich verabschiede mich von ihr. Es ist vielleicht das letzte Mal, dass ich die Direktorin des SWC sehen werde. Sie geleitet mich zur Tuer hinaus und schliesst sie leise.

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Im Museum begegne ich Kenny, der mein schmerzverzerres Gesicht sieht. “What happened, Toby?!”
Wir fahren in die Parkgarage hinunter und ich erzaehle ihm alles. Breche wieder ins Weinen aus. Die Abschiedsumarmung tut echt gut – Kenny zieht nach San Diego, und ich werde ihn wohl laenger nicht sehen.

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An dem Punkt, als ich mit dem Auto wieder das schwindende Tageslicht erblicke, werde ich urploetzlich ruhiger. Schreie kurz. Horche in mich. Bruelle. Horche. Ich bin den Kummer schon etwas los geworden – doch meine Gedanken sind nun sehr ungeordnet, verzweifelt:

Was passiert mit mir, was passiert mit meinem Gedenkdienst? Was passiert mit dem Visum? Was passiert mit den Freundschaften, die ich knuepfte, was passiert mit meinen Plaenen? Das Theaterstueck? Meine Roommates? Was passiert mit meinen Arbeitskollegen?
Ich will nicht entschwinden.

Ich will nicht ins Vergessen geraten – so, als ob ich nie da gewesen waere…
Ich fuehle mich, als waere ein Teil von mir gestorben.

Und ich werde eine Woche lang nichts schreiben. Mir geht es gut, aber ich habe keine Energie fuer den Blog.
siehe naechsten SAMSTAG…

Ich weiss, Kinder, ihr liebt die lustigen Posts mit den hirnwindungsgetoasteten Satzbauweisen … aber fuer mich gibt es nicht nur das.
Lustig sein ist eine eindimensionale Strecke, bei der man am Ende gegen eine Wand laeuft.

Dieser Post entstand nach einem langen Gespraech mit Lydia, eines jener Gespraeche, bei denen man nicht daherredet oder herumscherzt, sondern von einer weitaus tiefer liegenden Schicht seiner selbst spricht. Eines jener Gespraeche, bei dem man mit jeder Minute neue Dinge realisiert und sein Weltbild stark beansprucht.
Eines jeder Gespraeche, bei dem man absolut im Moment ist und durch den Dialog hypnotisiert ist.

Und weil ich diese Erfahrung in Englisch gemacht habe, ist dieser Post auch nicht in Deutsch geschrieben. Fuer alle, die mich weiter bloss als eine gewisse coole Figur 9000km weit weg von Europa kennen wollen, oder nur auf Fotos aus sind: Wartet auf den naechsten Post.

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Lydia told me that there was a lot of drama going on this day. I didn’t dig deeper, but once again I saw this enormous difference between men and women, not on a sexist or prejudiced level, but on a very real, observant level: The only drama I perceived today was that we started eating the cake without Robert – he was on a tour -, altough me and him bought it. Lydia in comparison seemed to have a lot more things going on in her head, and told me it was a specially dramatic day.
For my part, I felt ashamed that I didn’t recognize that at all; I thought through training my body language perception, I’d be able to see when women have an issue – and I couldn’t be more wrong. Yes, I can see way more than the average man, concerning body language and subtext – but still, the social perception of women is thousands of miles ahead of me.

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When I was at Alex’ Theater play, I saw Kenny for the first time outside of the museum: In a hoodie, Jeans and casual shoes. This was not the Kenny I knew: My Kenny had a clipboard in his hand, wore a suit and a tie and black business pants. You think, that makes no difference? It does. Clothes do so, so, so much to us. The same with hairstyle; hair and clothing are another channel of communicating who we are. They mark our identity and create our image in other people’s head.
Roundabout one year ago, I had no interest in fashion at all. Fashion was something for upscale, spoiled kids with too much money and too rich parents, for actresses who had no life, for metrosexual guys, but not for me. Eventually, I got interested in it. And now I realize what a big role fashion plays. I don’t mean fashion such as catwalks and 300$-pants, I mean fashion in a sense of personal expression. When you always wear a suit, a tie and a clipboard, you communicate something else than when you come around with a hoodie and some baggy jeans.

One girl during a tour told me: “Wow, you’re acutally cool! You seemed so uptight with this tie and the shirt and …”
That’s exactly what I mean. Due to my black business pants, my tucked-in shirts, the matching tie and a badge, I have an ‘official, ‘professional’ image. I AM a tourguide by my looks, not necessarily by behaviour. I introduce myself with a certain frame: “Hi, I’m Toby, I’ll be your tourguide today!”

When I talk afterwards to the kids, they are totally surprised that I actually have a LIFE. A life beside being a tourguide and working in the Museum of Tolerance. They are surprised that my spectrum of personality goes outside of the tourguide-borders. And why? Because they assume that my outfit is a representation of my personality.

We are what we look like.

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In the museum, there exist seemingly three societies: Docents (tourguides), Security, and the Cleaning Team. And this plays a big part in our daily life: We docents sit in our docent lounge and drink coffee. The security guys sit in their headquarter room full of screens and I’ve been in there yesterday for the very first time in three months. And the cleaning team? I still didn’t find out where THEY usually are.

Of course, we talk to each other, we joke around and hang out, we know partly each other’s name and like each other, but still, we aren’t one society: We are three little societies.
And why? Why?

Because we wear uniforms.

Yes, uniforms. Docents were business attire, the security personell wears a blue suit with buttons and badges, a yellow-red-blue tie, a white shirt, blue pants and thick black leather shoes, and the cleaning people wear a bright-blue, big shirt and dark pants.
And I know all the security guards just as what they are to me: Security guards. I know people in uniforms with names, not REAL people. And that is a shame. That is something that has to change, and that will change.

It is the same with soldiers: You wear a certain uniform, and suddenly your whole perception turns upside down; your duty is to fight for your country. Form the outside, people will always, always see the soldier in you, not the guy who likes to make small model planes and is fascinated by skiing.

It is important to know people outside of their uniform, outside of our “save” environment, outside of our all comfort zone.

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When I did the acting classes in Vienna, they were for ten weeks, two days a week, 5-6 hours a day; that makes in total 100-120 hours. Compared to other things like school, a short time. But at the end, when the acting classes were over and our final stage debut was finished, I had a very hard time to say goodbye. I was honestly sad, sadder than saying goodbye to the highschool I attended for eight years.

In school, people saw my shell, the cool, funny guy. They saw the surface, and just a few were able to get a taste of my deeper self, my deep beliefs and convictions. In the acting classes, I had to open myself to receive that what’s so important in acting: A deeper understanding of yourself, a connection to yourself.

Many people avoid such experiences – they are swimming on the surface of the lake of life, but never dig into the sand below.

I think it is important to have this connection to yourself, because for me it is one of the few things in life where I feel absolutely in the moment and absolutely alive and real – many parts of life are like a game, an illusion, where we just drift with the flow… but as soon as we take a closer look to ourselves; ask ‘Who am I?’ ‘Why am I here’ ‘What is my real sense in life’, we can experience so much more intensity in our existence.

At the same hand, it is important to be aware of the fact that not you yourself alone has got a deeper self; everybody does. When people behave in a wrong manner, seem to be mean or evil to you, seem to be hostile or not reasonable at all, then think of my words:

For every consequence, there is a cause. For every illness, there is a pathogen. For every wrong behaviour, there is a deep personality trait that caused it. This source, this reason, this trait, may lie under thick coats of outer personality and oblivion, and as long as you don’t try to find it there, you’ll be stuck in the imagination of this person being a bad human being.

Wrong, evil behaviour is always a consequence. And our duty is to find the cause.

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When I think of such a moment as talking with Lydia on the corner of the marble lobby desk, after everybody else left, then I’m remembered of lying in bed, having my best friend sleep over on a blowup-matress, and just staring into the darkness while talking about our dreams and wishes. These moments are rare, and for me, one of the most beautiful things life has to offer.