Category: Suddenly, I realized…


In der posteuphorischen Begeisterung habe ich auf CNN.com mir alle moeglichen Daten der Wahl reingezogen – unter anderem die sogenannten Exit Polls. Und zugegebenermassen ist die untenliegende Uebersicht selektiv (gibt schliesslich nicht nur 7, sondern 50 Bundesstaaten), und in manchen Staaten oder Umfragen wurde meine Aussage nicht oder nicht signifikant genug unterstuetzt, aber das ist mir wurst! Die Tabelle war ne echt harte Arbeit aus Screenshot-machen, Farbueberlagern, rumschieben, rumformatieren.. hab Schwielen auf den Haenden davon.

Bewertet selbst, weshalb sich das Wahlverhalten basierend auf dem Alter aendert… oder ob ich euch einfach reingelegt habe.


Geklaut von CNN.com

Part II: Chinatown, CN Tower und ne Menge Beine und Titten
Part III: Nuit Blanche a Toronto

Wroooom-wro-wrooo-wrumm-wrrrroooommm … so ziehen die kanadischen Autos mit ihren typischen Rostflecken um die Radkaesten an uns vorbei. Chris und wuchten unsere winzigen Rucksaecke auf eine Steinbank neben einer stark befahrenen Strasse. Ein kleines Lueftchen macht mich ausgelassen, ich hopse herum und lehne mich gegen den Sturm. Auf geht’s, zumindest bald – fuer ein Wochenende nach Toronto. Als Mann braucht man nur ein paar Schuhe und kein rotes Glitzerkleid, also reicht ein Minirucksack fuer Boxershorts, Socken, Hemd und ne Familienpackung Anti-Durchfall-Pillen (Hinweis an Mama: Das ist ein Scherz, ich habe gar keinen Durchfall)

Die zwei Maedels, Manel und Orianne, bekommen zur Begruessung einen Tadel von Onkel Tobias fuer ihr Zuspaetkommen (Oh, wir haben doch nur in einem Cafe gewartet…), werden dann jedoch trotzdem fuer unseren Carpool zugelassen, und ab geht die Post mit dem Australier Peter (Man erinnert sich an unseren dicken Roadtrip nach Lake Superior) als Steuermann.

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Zu meinen Fuessen liegt eine Menge Essen und Getraenke, praedominierend jedoch eine Familienpackung Cornflakes. Als ich sie gekauft habe, stelle ich mir vor, wie wir alle fuenf verrueckt nach Cornflakes grapschen, die Packung im Auto herumwerfen, lachen und knuspern. In der Realitaet..

“Nope, thanks”
“No!”
“No, merci”
“Mh-mh”

shit.

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Ich verfluche die drei Raucher auf der Rueckbank, die ihren Atem nach vorne stinken lassen und meine Cornflakesneigungen nicht teilen – die zwei Maedels bringen mir jedoch ne Menge perverses Franzoesisch bei, was mich wieder versoehnlich stimmt.
Nach etwa sechs Stunden Fahrt in Toronto angekommen, ist unser Ziel eine Couchsurfing-Party. Eine Hausparty, habe ich mir sagen lassen. Und Hausparties sind super, speziell die Couchsurf-Haussurf-Parties.

Wir betreten den Aufenthaltsraum eines Apartmentkomplexes, und so langweilig ein Aufenthaltsraum auch sein mag, so sieht er auch aus. Zum einen ist er viel zu gross fuer unsere Partymeute, sodass sich die Leute in einem Viertel des Raumes zusammendraengen und der Rest des Saales eine bedrueckende Leere erzeugt. Dann kommen allerdings Spiele wie Schnapp-denSessel-wenn-die-Musik-ausgeht und Limbo aufs Programm, und es wird recht heiter – schlussendlich dekoriere ich wenigstens einen schlaftrunkenen Asiaten auf der Party und gerate in einen Polsterpimmelkampf mit einem duennen japanischen Maedchen.


Rote Tacos und Pferdedurchfall, ein Hochgenuss


“Surf my couch” – Roy ist Couchsurfer aus dem Bilderbuch.


Aufstrebende Polsterpimmelkaempfer

Fuer einen gelungenen Polsterpimmelkampf benoetigt man zwei stubenreine Mistreiter unterschiedlichen Geschlechts, jeweilsbewaffnet mit einem laenglichen, phallus-gefoermten Polster, vorzugsweise aus pflegeleichter Baumwolle. Der maennliche Teilnehmer muss nun versuchen, dem betrunkenen weiblichen Teilnehmer mit dem Polsterpimmel so oft wie moeglich ins Gesicht zu schlagen (dafuer muss er meist ein gutes Timing zwischen Hochspringen und zuschlagen finden), die Dame mit einem gekonnten Schlag in die Huefte zu Boden werfen oder den Polsterpimmel ins Gesicht zu schiessen (woderch das torkelnde Weibchen ebenfalls zu Boden geht).
Ein Spass fuer die ganze Familie, jetzt bei Ravensburger fuer nur 29,99$!
Exklusive Sammelkarten der internationalen Polsterpimmelkaempfer Knut Kloete, Paul Pubic, Friederike Facial uvm. gibt es gratis dazu, so lange der Vorrat reicht.

Dieser Post gibt euch eine Basis fuer viele folgende Posts, die sich alle mit dem selben Thema beschaeftigen: Dem Menschen.

Wer in der Schule aufgepasst hat, weiss, dass die Steinzeit der laengste Abschnitt der Menschheitsgeschichte ist.

Steinzeit mit dem erstmaligen Gebrauch von Werkzeugen aus dem Material Stein durch den Menschen. […] Die ältesten Funde des Altpaläolithikums finden sich in Afrika (Äthiopien) und sind etwa 2,5 Millionen Jahre alt, die ältesten europäischen Funde datieren auf etwa 1,5 Millionen Jahre und stammen aus Georgien. Wahrscheinlich waren frühe Formen des Homo (Homo erectus, Homo habilis) die Erzeuger, eventuell aber auch Australopithecinen. Für viele Jahrtausende änderte sich am Inventar wenig.

So weit von Wikipedia. Nun ist der Leser dieses Blogs ein bereits sehr visuell verwoehnt es Wesen, dass er etwas sehen moechte, etwas knallig-buntes, etwas von der Aussagekraft der Headlines in Kronenzeitung oder Die ganze Woche – etwas, das das geschriebene Wort unterstuetzt.

Well, diese Grafik ist wohl relativ eindeutig. Die Steinzeit beginnt vor etwa 2,5 Mio. Jahren. Es entwickelt sich der Koerper des Menschen weiter, seine Gehirngroesse variiert ueber die Zeit hinweg, doch seine Werkzeuge und Lebensweise bleiben fast durchgaengig gleich. Er benutzt Werkzeuge aus Holz und Stein, und lebt in Gruppen von etwa 50 Mitgliedern, bestehend aus Jaegern und Sammlern, Maennchen, Weibchen und Kindern.

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Vor rund 10.000 Jahren hatte dann einer von ihnen (sagen wir, Fritzi) genug von diesem widerlichen mit-den-Fingern-essen. Fritzi war naemlich ein ganz ein anstaendiger, und deshalb hat er Gabel, Loeffel und Messer gebraucht. Und damit er das alles kriegt, hat er das Metall erfunden.
So in etwa geht die Geschichte von Fritzi und dem Rest der Welt, und mit der “Entdeckung” des Metalls geht es in der technologischen Entwicklung ploetzlich enorm bergauf – Bronzezeit, Eisenzeit und schwupp, sitzt man in der Hochkultur zu Tische.

In nur 10.000 Jahren hat es der Mensch von einem Bronzeklumpen zum Raumschiff, von Erdmalbildern zu 3D-animierten Filmen, von Hoehlen zu Wolkenkratzern, von Grunzlauten zu echtem Wienerisch geschafft (gut, letzteres ist wohl keine besondere Entwicklung). Der menschliche Koerper hingegen sieht immer noch in etwa so aus wie vor 10.000 Jahren.

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Wir haben also 2,5 Millionen Jahre menschliche Spezies hinter uns, der Evolution unterworfen, dem natuerlichen Umfeld angepasst – und nur 10.000 Jahre geistige Entwicklungsgeschichte. Das ist ein Verhaeltnis von 250:1.

Dieses Verhaeltnis trifft auch auf unsere biologische Evolution zu. In der Steinzeit hatte der menschliche Koerper 250 mal mehr Zeit, sich an Aussenbedingungen anzupassen. 250 mal mehr Zeit, den Koerper fuer steinzeitartige Umgebung zu designen. 250 mal mehr Einfluss auf unsere angeborenen Instinkte und unser gegebenes Sozial- und Triebverhalten.

Beinahe unser komplettes Verhalten entstand in einer Zeit, in der wir in Kleingruppen von etwa 50 Menschen lebten – Menschen, die als Transportmittel nur ihre eigenen Fuesse hatten, und deren Beschaeftigungen nicht weit ueber jagen, essen, rammeln und schlafen hinausging. Kam ein feindlicher Stamm des Weges, gab es nur eine einzige Wahl: Leben oder sterben. Das einzige, um was es damals ging, war, die eigenen Nachkommen – die eigene genetische Information – zu beschuetzen, und somit alles und jeden anzugreifen, das das Fortbestehen deiner genetischen Information auch nur im mindesten gefaehrden koennte.
Das ist das Prinzip von Evolution.
Die ueberlebensfaehigere Gen-Information bleibt laenger auf der Erde.

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Die zweite Spur der Evolution ist die gesellschaftliche, intellektuelle Evolution. Sprache zum Beispiel. Kunst. Geschichte. Kultur. All das ist nicht angeboren, sondern wird gelernt, nachdem man das Licht der Welt erblickt hat.

Diese “Evolution” ist moeglich durch Gedaechtnis und Kommunikation.
Unser Gedaechtnis ermoeglicht es uns, Informationen zu speichern und beinahe nach Belieben wieder abrufen zu koennen; und mit Kommunikation koennen wir diese Gedaechtnisinhalte an nachfolgende Generationen weitergeben.

Und diese geistige Evolution ist es auch, die uns an die Spitze der Nahrungskette stellt.

Ein Mensch ist nicht so stark wie ein Elefant. Oder so schnell wie ein Gepard. Oder so schwimmfaehig wie ein Delphin, oder so ein geschickter Kletterer wie ein Affe. Ein Mensch kann nicht fliegen, wie ein Vogel, ein Mensch kann unter Wasser nicht atmen, wie ein Fisch.
Aber, im Gegensatz zu all diesen Tieren, kann ein Mensch Mittel und Wege finden, um eben diese Defizite wettzumachen, und weit darueber hinauszuschiessen.
Das mag begonnen haben mit Stoecken, an deren Spitze scharfkantige Steine gebunden waren – und damit war der Mensch faehig, Mammuts zu erlegen, die um einiges groesser und staerker waren als er.
Das mag heutzutage gipfeln mit Atombomben, die komplette Populationen ausloeschen koennen.

Ihr stellt fest, dass beide Beispiele mit Toeten zu tun haben.
Dieses Toeten wird von einem sehr primitiven Trieb motiviert: Dem Ueberlebentrieb.
In der Steinzeit lebten wir in Kleingruppen. Jetzt, zehn tausende von Jahren spaeter, leben wir in einer globalisierten Welt mit 8 Milliarden Menschen, in der praktisch jeder mit jedem in Verbindung stehen kann.

Unsere geistige Evolution hat diesen Fortschritt bewirkt, und wir bekommen als Kinder jene Regeln eingeblaeut, die eine solche Gesellschaft moeglich machen:

  • Sei ruhig und schrei nicht so viel
  • Sei nett zu Kindern, die ein bisschen anders sind als du
  • Der Kluegere gibt nach
  • Man kann Konflikte auch mit Worten loesen

All diese Regeln sind essentieller Bestandteil unserer heutigen Welt, und ohne sie waere ein solch globalisiertes Leben in einer gigantischen Masse von Menschen nicht moeglich.
Gleichzeitig aber hat diese riesige Veraenderung, komprimiert auf 10.000 Jahre, so gut wie keine Auswirkungen auf unseren Koerper. Wir haben vielleicht etwas weniger Haare, etwas schoenere Fuesse, etwas feinere Gesichtszuege – aber tief in uns drinnen rumort und poltert ein Hoehlenmensch, der nur ueberleben und sich reproduzieren will.

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Dieser starke Kontrast zwischen dem riesigen, roten Wuerfel, der unsere biologische Entwicklung darstellt, und dem winzigen violetten Wuerfel, der unsere geistige Entwicklung darstellt, fuehrt zu – so glaube ich – einem Grossteil der Probleme in unserer modernen Welt.

Verehrte Ladies and Gentlemen, folgen Sie mir auf eine phantastische Reise quer durch den Gemuesegarten und zurueck nach Los Angeles. Damals war es noch warm, roch nach Smog und … Disneyland. Dem Pott der Mikceymausimitatoren, das Fantasia der Zuckerwatteliebhaber und die erste Real-Life-Experience fuer junge Mickeymausheftl-Geeks. Wie ich es einst einer war (und tief, tief drinnen in mir glimmert noch der bebrillte Junge mit der Stufigen Frisur auf seiner Stirn und dem “Ich schau so aus wie Harry Potter”-Emblem auf der Brust prangend).

Los Angeles. Einen Tag vor meinem Abreisetag. Ja, in diesem Verweis steht auch zu lesen, weshalb ich LA ohne Lobgesaenge und rotem Teppich verlassen musste.

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Das Grundprinzip eines Disneylandbesuchs ist, dass man unbeholfen herumspringt, selbst den kleinsten Bloedsinn faszinierend findet, und ueberdimensionierte Stofftiere knuddelt: Man ist wieder ein kleines Kind. Das Paradoxe daran ist, dass ich keinen Unterschied zu meinem sonstigen Zeitvertreib feststellen konnte.

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Zuerst geht es auf Robert’s Campus – Robert ist mein Ex-Arbeitskollege (wir haben uns scheiden lassen) und sehr guter Freund aus dem Museum of Tolerance.
Ziel der Fahrt zum Campus: Wir wollen Karten fuer Disneyland zum Studentenmafia-Tarif haben. Und ich will Geld abheben.
Bald darauf stellen wir fest, dass die Ticketstation erst eine Stunde spaeter aufmacht als erwartet, und dass alle Bankomaten im Umfeld von etwa 20.000 Kilometern (aequivalent zu etwa fuenf Liter Milch und zwei belegten Broten) den Geist aufgegeben haben.
Mit leichter Verspaetung realisieren wir, dass wir
1) eine Stunde laenger den Schlaf der Gerechten schlafen haetten koennen
2) Ich nach beilaeufiger Pruefung meiner Geldboerse doch genug Cash in der Geldboerse hatte, nur eine halbe Stund lang zu faul war, nachzusehen – und wir NICHT den halben Campus abrennen haetten muessen.
Denn wie fast ueberall in den USA, sind die Colleges/Universitaets-Campi gigantisch gross, mit weiten Gruenflaechen, tanzenden Tauben und spielenden Kindern mit singenden Maeusen…

Endlich alle Sachen gepackt, Tickets parat und die Eier links und rechts in der Hose – ab gehts. In suedoestliche Richtung, nach Anaheim, California.


Immer hereinspaziert, auf der eigenen Freewayabfahrt und privaten, vierspurigen Bruecke nach Disneyland.


Das Schloss war etwas kleiner als erwartet. Wir sind doch nicht in Minimundus hier, bitte.


Das ist Robert. Robert mag Rockmusik. Robert kennt sogar die geheimen Handzeichen der Rockmusiker.
Im Hintergrund das Matterhorn, ne richtig geile Achterbahn im Inneren des Fake-Berges. Die Liftwaertinnen trugen laecherlich kitschige schweizer Trachten.


Hier bekommt man eine Disneyland Driver License ueberreicht und braust mit ca. 6km/h durch die Landschaft.


Fliehkraft bei Alice im Wunderland


Minni Maus. Geile Schnecke.

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Um Wartezeiten zu verkuerzen, bringt mir Robert ein Spiel bei: Spoonwar. Man hat zwei Plastikloeffel, biegt das Ende des Stiels um 90 Grad und benutzt es als Hacke. Der Gegenspieler haelt seinen Loeffel mit der Schale voraus, und du biegst deine Hacke, um kurz darauf auf den Loeffel einzudreschen. Wer die Loeffel-Schaufel komplett zerstoert hat, hat gewonnen. Einsatz von Handfeuerwaffen gilt als unerlaubter Wettbewerbsvorteil und ist somit untersagt.
Auch in Amerika.

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Der Tourguide war grossartig, hatte sogar ne Pistole dabei, um ein paar mechanisch zuckelnde Eingeborene aus ihrem Urwald zu verscheuchen..


Der wohl beschissenste Job in Disneyland: Sich den ganzen Tag lang an einem Baum festkrallen.


This is the Tower of Terror. Call 911 if you’re scared.
Tower of Terror ist eine Reiterstellungs-Attraktion: Hoch, runter, hoch, runter.


Wir rasen hoch zur Spitze, bleiben kurz stehen und rasen wieder abwaerts. Ich bemerke etwas weisses in meine Augenwinkel: Mein Spoonwar-Plastikloeffel gleitet aus meiner Hemd-Brusttasche und schwebt rotierend wie in Zeitlupe vor meinem Gesicht, komplett schwerelos. Bevor ich ihn zu fassen kriege, bremsen wir ab und er faellt zu Boden. Ich versuche dieses Phaenomen zu reproduzieren und stipse einen anderen Loeffelteil waehrend der naechsten Fallsequenz in die Luft. Anstatt zu schweben, schiesst dieser zur Decke.
Ich bin Astronaut!


Das Feuerwerk hat absolut apokalyptische Ausmasse.
Sollte man mal Al Gore und Greenpeace zeigen.

Dies ist ein sich erweiternder Post. Das bedeutet, je mehr Runzeln wir bekommen, desto mehr gibt es hier zu lesen.

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  • Sind Sie gerade im siebten Himmel und haben Schmetterlinge im Bauch …
  • Haben Fernweh bekommen und wollen selbst den nordamerikanischen Kontinent besuchen…
  • Finden mich unheimlich attraktiv, wissen aber nicht wie Sie mich rumkriegen koennen …
  • Sind schon seit langem dabei im “U,S, and Toby-XXX SUPERCOOL-Club” und zahlen horrende Mitgliedsgebueren …
  • … aber haben immer noch keine Ahnung, worum es hier geht?

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Dann ist dieser Post genau richtig fuer Sie, werter Leser, Mitfieberer, Groupie, oder gelangweilter 14-jaehriger Vollzeitinternetsurfer.

Hier werden Fragen beantwortet, hier werden Geheimnisse gelueftet, hier werden Kinder gemacht.

Bei weiteren Fragen konsultieren Sie ihren Arzt oder Apotheker .. oder schreiben einfach ein Kommentar, haxx0ren meinen blog oder suchen mich persoenlich auf.

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FRAGE:

Was zum Teufel ist dieser blog?

ANTWORT:
Dieser Blog handelt um das Leben des jungen Tobias Deml – zarte 19 -, der seine Zivildienstpflicht fuer 12 Monate in Los Angeles, USA erfuellt. Da er nach fuenf Monaten gefeuert wurde, zog er nach Montreal, CA. Der blog ist durchaus lebenssatirisch und benutzt laecherliche, gar grammatikalisch inexistente Formulierungen, entspricht aber in seinem Inhalt der Wahrheit (bzw. laesst einige Dinge aus, schmueckt aber nichts aus, sowas nennt man naemlich – ich distanziere mich – notgeil).


Tobias Deml

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FRAGE:

Warum machst du deinen Zivildienst im Ausland?

ANTWORT:
Ich habe diese Moeglichkeit durch den Vereint Auslandsdienst.at bekommen. Und den Zivildienst im Ausland – der genau genommen ein Holocaust-Gedenkdienst ist – mache ich aus verschiedenen Gruenden:

  • Um die Welt und ihre Kulturen besser kennen zu lernen. Speziell die amerikanische Kultur war in meiner Wahrnehmung zugeklebt mit Vorurteilen – nachdem ich hier nun lebe, konnte ich viele Vorurteile zum Teufel schicken, und konnte ein paar neue in meine glaenzende Sammlung hinzufuegen.
  • Um mein grausames Schulenglisch an den Mann zu bringen
  • Um andersartige Menschen zu treffen
  • Um Frauen aus fernen Laendern meine Manieren zu zeigen
  • Da es mir wichtig ist, aus dem Holocaust zu lernen, etwas vergleichbar inhumanes nie wieder geschehen zu lassen – Liste aller Genozide auf Wikipedia; ich fuehle diese Verantwortung als Oesterreicher im Speziellen, und als Mensch im Allgemeinen. Viele Schulkinder in Amerika haben noch nie etwas vom Holocaust gehoert, und ich kann meinen Teil dazu beitragen, dass sich das aendert. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, jeder kann seine Stimme hoerbar machen; sei das nun als Tourguide in einem Museum, sei das als Kuenstler, sei das als Politiker, Aktivist, oder einfach nur als Mensch, der sich bestimmten Dingen bewusst ist und Prioritaeten auf kritisches Denken und Handeln im Leben setzt.
  • Um mich ein Jahr lang in das Fach “Leben” hineinzuschleichen. Bin wohl eher getrampelt.

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FRAGE:

Wieso wurdest du vom Museum of Tolerance gefeuert, und weshalb bist du jetzt in Kanada?

ANTWORT:
Rechts im senkrechten Menue gibt es den Abschnitt Was passierte vom 26. Juni zum 6. Juli?

Darin kann man herausfinden, warum ich gefeuert wurde, was dazwischen passierte, und wie mich der Wind nach Kanada wehte.

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FRAGE:

Wieso schreibst du einen blog?

ANTWORT:
Zuerst, weil es mir zu muehsam war, allen meinen Freunden alle paar Wochen verschiedenes Zeug zu erzaehlen. Bald darauf, weil ich meine Deutschkenntnisse beibehalten wollte, und jetzt eigentlich nur noch aus Sucht, Angst von empoerten Lesern gekreuzigt zu werden falls ich nicht mehr schreiben sollte, und weil es mich unheimlich anturnt, Seelenstriptease in der anonymen Oeffentlichkeit zu betreiben.

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FRAGE von Ivo und Chris:

Schreib mehr ueber die Maedels, ich weiss, dass du uns etwas verheimlichst!

ANTWORT:
Ein schwieriges Thema. Ich gebe es nicht gerne zu, und will jetzt auch nicht um den heissen Brei herumreden, aber … ich bin schuechtern. Die Maedels habe ich alle bezahlt, um so zu tun, als wuerden sie mich moegen. Das Geld habe ich, weil der blog so schoen zum Anschauen ist und mir ein Englischer Adeliger eine Million Pfund als Kompliment gegeben hat, auch wenn er meine deutschsprachige Suelze beim besten Willen nicht verstehen kann.

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FRAGE von Angbor:

Wie kann man in so kurzer Zeit so viel kaltes Blech verformen (dein Auto)?

ANTWORT:
Indem man nie lernt, ein Auto zu parken. Schon gar nicht am Freeway.
Autounfall am Freeway.

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FRAGE von macray:

Wann lernst du endlich dein Auto zu parken?

ANTWORT:
Sobald mir jemand beibringt, welches das Gas- und welches da Bremspedal ist. Und vor allem, wie letzteres funktioniert.
Autounfall beim Parken

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FRAGE von Maurer:

Wie viel arbeitest du bitte eigentlich, dass du nebenbei so viel Bloedsinn erlebst?

ANTWORT:
In Los Angeles 9 Uhr bis 17 Uhr, in Montreal 10 Uhr bis 18 Uhr.

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Das sind 40 Stunden pro Woche, und jetzt ist es Zeit zu rechnen, Kinder!

  1. Eine Woche hat – abghaengig vom Sternzeichen – zwischen 92,7 und 168 Stunden. Da ich Widder bin – im Aszendent zu Wahrsager, im Haus von Handleser und im astrologischen Feld Scharlatan -, was im Klartext heisst, dass ich unverwundbar, wunderschoen und supercool bin, hat meine Woche 168 Stunden.
  2. 168 Stunden minus 40 Stunden macht 128 Stunden ohne Arbeit.
  3. Jeden Tag an die 6 Stunden Schlaf abgezogen, bedeutet 86 wache Stunden ohne Arbeit.
  4. Einkaufen gehen, Waesche waschen, kochen, buegeln, Zaehne putzen, Boden wischen, imagniaere Haustiere fuettern, Kuchen stehlen: etwa 2 Stunden pro Tag. Macht 72 wache Stunden ohne Arbeit und Hausarbeit.
  5. Zur Arbeit fahren, hin und zurueck, fuenf Tage die Woche: gerundete 8 Stunden, macht 64 wache Stunden ohne Arbeit, Hausarbeit und Transportation.
  6. An der Ticketbarriere mit zwei vollen Haenden in der Geldboerse kramen und das kanadische System verfluchen, Busse verpassen oder in falsche einsteigen bzw. an der Tankstelle in Kalifornien Benzin auslaufen lassen, Autounfaelle haben oder zum Auto-Seelendoktor fahren: 1 Stunde pro Tag, locker sieben Mal die Woche – 57 wache Stunden ohne Arbeit, Hausarbeit und Transportation oder Transportationsprobleme.
  7. Sinnlos im Internet surfen oder sinnloses blogschreiben, etwa vier Stunden pro Tag, macht 29 wache Stunden ohne Arbeit, Hausarbeit, Transportation, Transportationsprobleme und blogschreiben.
  8. Masturbieren, etwa 28 Stunden pro Woche, macht 1 wache Stunde ohne Arbeit, Hausarbeit, Transportation, Transportationsprobleme, blogschreiben oder Masturbieren.
  9. Mit circa 20.000 wieder Zeit kaufen: Genug Zeit fuer so viel Bloedsinn.

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FRAGE von Angbor:

Was sagen deine Eltern zu den ganzen Eskapaden, die du treibst?

ANTWORT:
TT. Typisch Toby.

Suddenly I realized that there’s a SouthPark Episode on the Museum of Tolerance.. “The deathcamp of Tolerance”
Dafuer gibt es nur ein Wort: Hilarous! 😀

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(die Folge wurde uebrigens vor 1998 entwickelt, die gezeigten Ausstellungsteile wurden z.B. durch das Point of View-Diner ersetzt)

WICHTIGE ANFUEGUNG ZUM VOR-VORIGEN POST: Dieser war leicht zu missinterpretieren, und ich mag Ernie nichts unterstellen, was nicht wahr ist, nur wiedergeben, was ich an besagtem Abend hoerte: Ernie hat nichts gegen Juden gesagt, lediglich Vorurteile wie zB “Juden arbeiten alle zusammen” “Die Juden beschuetzen ihre Mitarbeiter” sowie “Die Filmindustrie ist voller Juden” benutzt. Respekt vor Simon Wiesenthal hat er mit Nachdruck als einzigen Grund genannt, mich ueberhaupt einziehen zu lassen. SIE, die Boesen, sind irgendein Zusammengestoepsel aus Landlords, Immobilienmaklern, Richtern, der Polizei, NSA, FBI oder was auch immer.

Von “den Juden” haette sich Ernie Schutz vor den Boesen erwartet, aber anscheinend nicht bekommen.

Nach dem Ausflug in Ernies erleuchtete Gehirnwindungen wollte ich Sebastien natuerlich mitteilen, was Ernie ueber ihn dachte. Ich war mir nicht sicher, wie viel er im Halbschlaf mitbekam, aber er sollte definitiv alles wissen, was ich von dieser Reality-Show mitbekam.

Bei der Arbeit erzaehlte ich ein paar Kolleginnen, dass ich rausgeschmissen wurde, samt einer Kurzfassung des Streits. Sie rasteten voellig aus und meinten ich sollte Hals ueber Kopf so schnell wie moeglich aus dem Big-Brother-Apartment verschwinden, bevor mich Ernie lyncht.

Ihre Angst um mich, das “Baby des Museums” (euch versohl ich nochmal den Hintern fuer diese Aeusserung) hat kurz meine Analyse, dass Ernie einfach nur sehr verwirrt und paranoid sein koennte, kurz ueber den Haufen geworfen, und in meinem Kopf das Bild eines paranoiden Verbrechers wachsen lassen, der mich liebend gern im Schlaf mit dem im Mondlicht glitzernden Kuechenmesser massakrieren wuerde.

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Ich rufe Sebastien mit dem Handy an, waehrend ich den Pico Boulevard mit 30mp/h – umgerechnete 4km/h – im Halbschlaf entlangbrause. Wir sind beide nicht zuhause, also koennen wir frei ueber Ernie sprechen.
Als ich erwaehne, dass Ernie ihn ernsthaft beschuldigt, seine Kamera gestohlen zu haben, aendert Sebastien seinen Tonfall.
“Come to my Music School, Toby”. Nichts lieber als das, mein Freund aus dem fernen Quebec.

Ich treffe ihn an der Strassenecke wartend an. Das folgende Gespraech – inmitten von vorbeirauschenden Autos, aus- und eingehenden Punks, Alternativen, Rockern, Surferdudes und jeder anders erdenklichen Gattung von Musikern – war gleichsam eine Darmspiegelung wie auch eine Erweiterung meines Horizonts. Es ist wie ein Adventuregame, bei dem man Stueck fuer Stueck der Story zusammensetzt, indem man mit verschiedenen Leuten redet.

Um das zu verstehen, was unser kanadische Gitarrist sagte, muss ich fuer euch etwas weiter ausholen:

Als ich das erste Mal das Zimmer ansehen kam, war noch ein huebsches Bett drinnen, als ich drei Tage spaeter einzog, war es weg. Dieses Bett gehoerte Michael, einem Schauspieler, der fuer 2 Monate dort wohnte. Nach und nach erzaehlte mir Ernie, dass Michael schwul war und Ernie einmal drum angebettelt hat, ihm eine Umarmung zu geben. Ernie dachte, dass Michael ihn anmachen will, und lehnte entschieden ab, woraufhin Michael wild wurde und ihm boese Dinge androhte, dann seinen Boyfriend anrief, einen muskuloesen, schwulen Kerl, der Ernie weiter drohte. Ernie hatte das ganze auf seiner Kamera gecaptured, hoerte sich alles sehr echt und nicht fein an, als er es mir vor einigen Monden einmal vorspielte.

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Sebastien kommentierte die Akte Michael damit, dass Ernie jenen jungen Herrn aehnlich wie mich raushaute, weil er irgendeinen Diebstahl/Einbruch vermutete – und Michael holte eben seinen Freund zu Hilfe, anstatt wie ich in den Pussy-Diagnose-Modus zu wechseln und nach Gruenden zu suchen. Leider habe ich Michaels Nummer nicht, um mehr ueber die Umstaende zu erfahren, Sebastien hat nur einmal ganz kurz mit ihm geredet. Tobias Holmes wird in diesem Fall jedochnicht weiter nachforschen, da es ausser hohlen Birnen wenig zu holen gibt.

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Mein Roomie erzaehlte mir dann weiter, dass er schon laengst von den Ueberwachungskameras wusste, und von den vermeintlichen Diebstaehlen. Ernie kam eines Morgens heraus und war ausser sich, dass sein Handy gestohlen wurde. Sebastien half ihm suchen, fand beim ersten Durchlauf nichts, und als er sich beim zweiten Durchlauf bueckte, sah er es unter dem Bett liegen…

Ernie wuerde mit mir dasselbe tun wie mit Michael, eine Rauswurfaktion nach knapp zwei Monaten. Fuer ihn ist das wohl so etwas wie Unterhosen wechseln (die er hoffentlich dann doch oefter austauscht..). Weiter fuhr der Kanadier fort, dass es Ernie nicht um mich und meine Unreifheit ginge, sondern um das Geld. Sobald er mich raus hat, kann er den Masterbedroom vermieten und in meinem Zimmer schlafen; und unser Freund aus Quebec denkt ebenfalls, dass er sich viel von der Paranoia und den Diebstahlsvorwuerfen ausdenken wuerde, damit er einen Grund hat, mich rauszuwerfen.

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Mein armer Roommate ist dank eines einseitigen Vertrags ein Jahr an sein Zimmer gebunden, solange Ernie ihn nicht rauswirft, darf er nicht gehen (oder muss n paar tausend Dollar Schadenersatz blechen). Meiner Einschaetzung nach wird Ernie ihn aber auch bald rauswerfen, damit er das Apartment dann an einen besser zahlenden Mieter vermieten kann, der die Wohnung dann weiter untervermietet. 3000$ sollten da schon drin sein, anstatt meinen 675 und Sebastiens rund 750$ (er hat ein groesseres Zimmer).

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Lange Rede, kurzer Sinn:

Gut, dass mich die Juden weiterhin beschuetzen…
(ja, das war Sarkasmus, werte Damen und Herren)

Je aelter man wird, desto mehr realisiert man.

Als ich klein war, realisierte ich, dass wenn ich die Windeln vollschiss, meine Mama kam und sie auswechselte. War bequem.

Als ich nicht mehr so klein war, realisierte ich, dass ich nicht jedes Mal im Supermarkt den Hubba-Bubba bekam. War deprimierend.

Als ich schon recht gross war, realisierte ich, dass Maedchen doch nicht so doof sind wie ich in der Volksschule immer dachte. War eine Aenderung meines Weltbildes.

Als ich sehr gross war, realisierte ich, dass Maedchen doch doof – und zwar um einiges doofer als ich in der Volksschule vermutete – sind. War eine chauvinistisch-wahrheitsgetreue Erleichterung.

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Und seitdem ich hier in LA bin, realisiere ich Dinge im groesseren Masstab. Ich denke Out of the Box – Ausserhalb der Windel. Und wie ihr vielleicht bereits wisst, arbeite ich viel mit aelteren Menschen zusammen; von 21 bis rauf zu 85 und mehr. Und es gibt ein paar Schluesselfiguren unter den aelteren Menschen:

  • Da waere Jon, ein ehemaliger Police Chief, der Arthritis hat – demzufolge mein Handschlag “gentle” ausfaellt – der ein schiefes, sympathisches Grinsen hervorbringt, wenn ich nen guten Witz reisse, und sonst toternst bei der Sache bleibt. Weiss so unheimlich viel ueber das Leben, und scheut sich nicht, das Wissen weiterzugeben.
  • Da waere auch noch Walter, ein unglaublicher Mann, der Schauspieler, Model und Saenger war – als Model ging er fuer XXXXL-Kleidung auf den Laufsteg, die Fettleibigkeitsmode-Industrie buchte ihn oft – und dessen Augenringe oftmals zum kecken Zwinkern verschwimmen. Unglaublich verstaendnisvoll und voller Ueberzeugungskraft, flucht gerne wenn es niemand hoert und steckt voller Anekdoten.
  • Und auf keinen Fall zu vergessen, Alan, den ich so gut wie immer im Staff-Room antreffe, und seitdem ich ihn einmal in einen Lachkrampf verwickelt habe, zanken wir uns zum Spass und er hat ein Faible fuer meinen Hut. Ist wie ein kleiner Junge, der viel weiss und gar nicht alt wirkt.
  • Der letzte Mann der Liste ist Isaac, ein Mann von griechischer Bestimmtheit, der mir immer noch sehr pruefende Blicke gibt und im Minutentakt zweifelnd die Stirn runzelt, wenn wir reden. Streit- und Diskussionspartner Nr. 1 von Alan.

Diese vier gestandenen Maenner haben eines gemeinsam:

Lebenserfahrung.

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#1

Suddenly, I realized … that the most important thing in life is to make experiences and learn from them.

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Das ist der gute Grund, weshalb Praesidenten selten juenger als 50 sind, und der Papst ein altes Maennchen. Schauen wir mal ueber die ganzen Runzeln, Krankheiten und Altersflecken hinweg, steckt hinter jedem alten Mann immer noch der kleine Junge, den er einmal verkoerperte. Dieser kleine Junge lernte ueber Jahrzehnte hinweg, was es bedeutet, zu leben.

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#2

Suddenly, I realized … that age doesn’t equal life experience.

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Weshalb?
Es gibt 30-jaehrige Muttersoehnchen, die sich noch nie selbst was gekocht haben, den Gedanken, aus dem 20qm-Zimmer im Elternhaus auszuziehen, nie umgesetzt haben.
Es gibt 50-jaehrige Kerle, die in einem Elendsloch am Arsch der Welt aufwuchsen, die naechstbeste Liesl geheiratet haben, und ihr ganzes Leben in den selben 10 Quadratkilometern fristeten, in dem es begann.
Es gibt 70-jaehrige Zausel, die allein in einer stinkigen Sozialbauwohnung wohnen, die letzten 50 Jahre ihres Lebens in derselben Firma gearbeitet haben, und einen mehr oder weniger tiefen Trampelpfad in den Gehsteig zwischen ihrer Wohnungstuer und dem Boxoffice in der Firma erschufen.

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Wenn ihr also je die Gelegenheit bekommt, mit Menschen wie Alan, Jon, Isaac oder Walter zusammenzuarbeiten, dann hoert ihnen ganz genau zu. Jeder Ratschlag gruendet sich auf ein Vielfaches meiner Lebenserfahrung, und ist SO viel wert.

Und zum Abschluss..

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#3

Suddenly, I realized … that old people can be cool too, you just have to let them be cool.

Ich sitze gerade im Museum und spreche am Orientation Desk mit zwei blonden, blau-aeugigen Stuttgarterinnen. Sie fragen mich, ob ich schon schlechte Erfahrungen gehabt habe, weil ich Deutsch spreche. Noe, nicht wirklich.
Sie schon. Werden schraeg angeschaut, aber wen wundert es, sehen sie doch wie echte deutsche Maedel ganz nach dem Kinderbilderbuch des Moechtegern-Ariers aus.

Und ich rede deutsch mit ihnen. Verplappere mich alle drei Saetze und weiss nicht mehr weiter. Es ist ein sehr interessanter Effekt, mir fallen nur englische Formulierungen ein und ploetzlich… BATSCH.

Es faellt mir wie Schuppen von den Augen. Interessant genug, um eine komplette, neue Kategorie aufzumachen.

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Suddenly, I realized… if you want to speak a language, you have to think in this language.

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Was heisst das nun fuer den Otto-Normalblogleser?

Folgende Sache: Sprichst du Deutsch in Wien, denkst du selbstverstaendlich in Deutsch. Du formst deine Worte, Phrasen und Saetze in Milisekunden im Gehirn und setzt sie in deutsche Sprache um. Beginnst du Englisch zu lernen, und moechtest beispielsweise auf Englisch sagen, dass du gerne mal eine Wurst abseilen moechtest, sieht der Prozess im Kopf in etwa so aus:

  1. Wow, mich drueckt’s.
  2. Also gut, um mich auszudruecken: “Ich moechte eine Wurst abseilen”.
  3. Mal sehen, auf Englisch… I … want to …
  4. Ich sage laut: “I want to take a shit.”

Was passiert hier? Man formt einen Satz auf Deutsch im Kopf, uebersetzt ihn auf Englisch, und sagt ihn. Und das ist der Knackpunkt. Als ich mit den zwei Maedel sprach, merkte ich, wie weit ich nach zwei Monaten Aufenthalt in LA bereits gekommen war…:

  1. Uhg, I’ve got some pressure man..
  2. Okay, let’s form that … “I want to take a shit”
  3. Hm, in German … Ich moechte eine Wurst abseilen
  4. I say out loud: “Maedels, ich geh jetzt mal ne Wurst abseilen”

Genau der andere Weg rum. Weil ich bereits in Englisch denke. Es ist krass, es ist unglaublich, es ist ein Hochgefuehl und unheimlich.

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Jetzt kann ich den Uebersetzen-Schritt weglassen. Und je mehr ich wieder deutsch rede, desto mehr denke ich wieder in Deutsch. Spreche ich laenger als 5 Minuten Deutsch, switcht mein Gehirn auf Deutsch um, und umgekehrt gehts sogar noch schneller.

Wenn du eine Sprache wirklich beherrschen willst, dann lerne sie, und sobald du den Kurs/Schule abgeschlossen hast, gehe fuer ein oder zwei Monate in dieses Land und erlebe die Sprache, die Menschen und die Kultur, die du bisher nur aus den Buechern kennst. Wer sich sein Gehirn mit Theorie vollpumpt, aber nie praktiziert, der hat seine Zeit vergeudet oder wird Englischlehrer.

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Wollt ihr etwas gruseliges hoeren?

…vor zwei Wochen hatte ich meinen ersten Traum in Englisch.