Category: Photography


Im ewigen Zyklus des Lernen und schwammartigen Absorbieren von Information bin ich auf eine weitere, grossartige Seite gestossen:

Prophotolife.com

Diese Seite bietet um die dreissig Videotutorials, gemacht von einem schuechtern-professionellem, ruckelig-neurotischem Fotografen zum Besten gegeben werden – und diesmal stehen sowohl Indoor- als auch Outdoor-Shootings auf dem Lehrplan.
Sehr einfach verstaendlich, zeigen diese Tutorials, wie man fotografisch korrekt beleuchtet, selbstgemachtes sowie industrielles Equipment einsetzt und im Prinzip das Handwerk der Beleuchtung lernt. Die Videos haben wenig kuenstlerlischen Anspruch (auch wenn der Mann ‘beautiful’ sagt, obwohl es nicht so knusprig aussieht), aber das war wohl auch beabsichtigt.

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wieder ein Buch fertig gelesen…:

Lighting an the Dramatic Portrait” by Michael Grecco

Amazon

Das mit Abstand beste, interessanteste und informativste Buch zu Beleuchtung in Fotografie, das ich bisher gelesen habe. Michael Grecco ist ein international erfolgreicher Portraitfotograf – Fokus auf die Celebrities und Maechtigen der USA -, der als Fotostudent anfing, zum Fotoreporter wurde, mehr kuenstlerischen Freiraum brauchte und somit als freischaffender Portraitfotograf nach Los Angeles zog.

Am Anfang des Buches klaert er die Frage, wieso er seine Geheimnisse preisgibt: Um anderen aus seinen Erfahrungen profitieren zu lassen, ohne Angst vor Stilkopie zu haben. “Jeder hat seinen eigenen Stil, und niemand kann in meinen Kopf schauen”.

Auf mehr als 100 Seiten mit vielen bunten Bildchen gibt es umfangreiche Skizzen zur Anordnung ganz bestimmter Shots, technische Erlaeuterungen sowohl zur Gestaltung, als auch zur Benutzung des Equipments.
Sei nStil ist – wie der Buchtitel beschreibt – dramatisch, andersartig und trotzdem kommerziell exzellent. Jedes einzelne Bild im Buch wird genauestens diskutiert und die Lichtanordnung per Text und/oder Skizze nachvollziehbar gemacht. Ich bin schwer beeindruckt von der Menge an Information, die ich aus diesem Buch gelernt habe.
Der Grossteil des Buches beschaeftigt sich mit der Beleuchtung, nur ein kleiner Teil mit Posen und Umgang mit dem Modell. Dieses glaenzed-schoene Bilderbuch mit seinen eindrucksvollen, grossen Fotos ist definitiv einen Platz im heimischen Buecherregal wert.

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Nebenbei noch eine Anekdote von vergangener Woche: Auf meiner schmerzvollen Suche nach einem Mittel gegen Aphthen (diese entzuendeten Mondkrater im Mund), welche schon seit meinem LA-Besuch im Dreierpack in meinem Zahnfleisch wuchern, lande ich in einem Familien-Drogeriemarkt. Die nordamerikanischen Drogerien haben einen Ottonormalbuerger-Bereich, und einen abgetrennten Vorrat an rezeptpflichtigen Medikamenten, eine offen sichtbare Apotheke sozusagen.

Ich komme zum Tresen dieser Apotheke und moechte einen Mann im Kittel um Rat fragen, dieser hebt jedoch nur resignierend die Schultern, nachdem er die englischen Laute hoert. Ich will mich an die zweite Dame im Arztoutfit wenden, schnappe dadurch die Konversation der jungen, schlanken Apothekerdame mit bruenetten Haaren und einem 50-jaehrigen, molligen und halbglatzigen Konsumenten mit mittelstarkem Akzent auf.

“You arrrre wasting my time, lady! You called my office that you have the medication ready, so I come, and now you tell me that it is not yet ready and I shall come later?! You arrrrre wasting my time!”

“Please, Mister Agragi. A last time: We called you tol confirm that we have to consult a doctor for your medication. You are wasting my time, so please leave now!”

So geht das etwa fuer fuenf Minuten, hin und her. Mir voellig unverstaendlich, droht die Apothekerin ploetzlich damit, die Polizei zu rufen, was Mister Agragi offensichtlich auf der Suche nach seiner Creme unbeeindruck laesst – und die Frau tatsaechlich den Notruf waehlt.
Ich frage sie nach einem Mittel gegen Aphthen. Als sie mich nach kurzem Ueberlegen in einen Gang leitet, erwaehne ich ihr Streitgespraech.
“He comes every day”, meint sie. “He comes every day and asks for the same freaking creme. I don’t know what to do, I mean, he comes since a month, every day, for his stupid creme?! What does he do with it?! Eat it? Sell it?”

Waehrend ich fuer die empfohlene Mhyrre-Tinktur bezahle (welche Aphthen nicht nur betaeubt, sondern auch zum Schliessungsprozess beitraegt, Jubel!), parkt ein Polizeiwagen vor dem Geschaeft. Ein Mann und eine Frau in Polizei-Kadettenuniform naehern sich der automatischen Eingangstuer – und ich stelle mich ganz interessiert zu den Zahnbuersten, um das Geschehen unauffaellig zu verfolgen. Mr. Agragi streckt dem eintretenden Polizisten sofort seine Hand entgegen. “Mister, I called you, I called the Police. Those two women have a curse on me! They have a curse on me!” – und deutet auf die Apothekerin und die komplett unbeteiligte Verkaeuferin.

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Ich gehe nach einigen Minuten wieder an dem Drogeriemarkt vorbei – und sehe die Kadetten in ihrem Auto einen Kaffee trinken, waehrend Mr. Agragi auf der Rueckbank des Polizeiwagens hin- und herwippt.

Guter Mann, guter Mann!

Ken, bloody Englaender aus Ueberzeugung, bietet dem Washington Photo Club und dem fleissigen Youtube-Seher eine Spitzen-Einfuehrung in die Technik und Durchfuehrung von Portraitfotografie.

Auch wenn ich einen Teil der Fotos, die er zeigt, mittelmaessig finde, hat der Kerl einen echt verstehbaren und kurzweiligen Lehrstil.
Mit sogenannten Hot Lights (sprich, kontinuierlich starkem Licht zur Beleuchtung, welches sehr heiss wird) und einer Videokamera zeigt er in Echtzeit, wie sich die Beleuchtung von verschiedenen Winkeln veraendert, den Einsatz von Gels und Hintergrundbeleuchtung usw. – und das kostenlos ins Netz zu stellen, Hut ab!

Wer sich also fuer Studiofotografie interessieren sollte, hole sich jetzt eine Tasse heisse Schokolade und geniesse diese 8 Videos zu je etwa 8 Minuten!

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Video 1:
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Video 2:
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Video 3:
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Video 4:
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Video 5:
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Video 6:
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Video 7:
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Video 8:

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Danke, Ken!

Mein letzter Tag dieser fuenf Wochen in LA. Und diesmal wirklich der letzte Tag, kein Fake-Abschied.

Diesmal heisst “Abschied” so viel wie “Zurueck zu Skype” – aus mit dem regen Boersenhandel der Koerperfluessigkeiten, Ende des Wirtschaftswachstums – es wird Zeit fuer asketische Einkehr. Wir realisieren das, als ich den Ipod an den Shamu (Lorenas walartiger Minivan) anstecke und aus dem Autoradio “Amiga” in voller Staerke droehnt. Der Song hat inzwischen dermassen an emotionalet Gewalt und Soundtrackverdaechtigkeit gewonnen, dass wir beide – mein Supermannherz gibt nach – zu weinen beginnen, in eine Seitenstrasse fahren und uns gegenseitig heulend auslachen.

Wie erbaermlich der Anblick doch sein muss: Zwei Kinder, denen gerade mal die ersten Haare in der Hose wachsen, mit roten Augen, zerronnenem Makeup, nasse Wangen, weinerlich-suizidale Musik (fuer Emos ist diese Sonate fraglos lebensgefaehrlich, kurbelt aber bestimmt in vielen Laendern die Rasierklingenindustrie an), voll des Verlustgefuehls (obwohl ja eigentlich noch alles an Ort und Stelle ist)… – und als ob das noch nicht kitschig genug waere, ruft in dem Momentauch noch Lorenas Mama an. “Cionna, Maaaaaaaaa?”, roehrt mein Maedchen heulend ins Handy und verschluckt sich am eigenen Lachen.
Ach, wie ich diese roehrenden Brunftlaute doch vermissen werde!

Die “Bravo”-, “Maedchen”-, “Wendy”-, und “Pferdeliebhaberinnen“-Erfolgsstory in 19 ruehrenden Bildern (die uebrigens alle am Samstag, dem 15. November aufgenommen wurden, ich war die letzten Tage zeitmaessig leider Gottes sehr mit Handarbeit eingedeckt):

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Auch wenn man es nicht sieht, hier hat Meister Propper auch geputzt. Von meinen Tree-er-Roommates aus unserer Stonerbude konnte ich mich nur mehr teilweise verabschieden. Gut, dass es fuer diese Faelle Facebook gibt.


Beweisvernichtung des verheerenden Alkoholkonsums


Before and after dishwashing: Die Fruechte meiner Arbeit und gleichzeitig meine Couch-Miete fuer zwei Wochen.


Na das ist mal viel sauberer, als ich es vorgefunden habe!


Ich am Steuer. Wie viele Freeways in LA, fuehrt dieser zielgenau in den Sonnenuntergang


Downtown Los Angeles


Freeway 110 South


Downtown aus suedlicher Ansicht.  Man bemerke das Hochhaus links, das aus der Ferne wie ein achstoeckiges Wohnhaus aussieht


Marina del Ray, Yachthafen


Na, zufrieden? Vorne und auf der anderen Seite aehnliche Ergebnisse.


Marina del Ray


Polizist vorm Flughafen. Hat sich von unserem Shamu sicher verfolgt gefuehlt.


Leuchtsaeulen des LAX


Die LAX-Lettern


Parkdach mit Tower und viel tollem Dampf


Knutschflecken am ganzen Hals, oder: America’s got talent..


Ich mit Traenen in den Augen, ein seltener Anblick in freier Wildbahn – und dabei hat es nichtmal Miguel Bose im Flughafenradio gespielt…
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Mein Roommate Geoff hat ein paar Fotos vom Apartment selbst knipsen koennen – mir wurde der Zugang unter “Bitte Nicht!”-Policy sozusagen verwehrt. Verstaendlich, dass die Bewohner nicht anderen eine Unterhaltung durch ihr Leid bescheren wollen…
So sieht das Apartment ueber dem unseren aus, das gestern durch eine Kerze Flammen fing.

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Dann etwas unglaubliches: Das Maedel, das ich am Vortag mit grauem Gesicht und zerschmolzenen Laptop gesehen habe, kommt mit ihrem iBook hereinspaziert – und obwohl das Case kompletter Weichkaese geworden ist, funktioniert der Laptop inklusive Bildschirm immer noch.

Waehrend Lorena mit Rachel zu irgendeinem Feministentheaterstueck geht (und im 1.Akt einschlaeft), statte ich meinen ehemaligen Roommates einen Besuch ab. Aaaber holla, da hat sich einiges veraendert!


Der neue Eingang zu meinem ehemaligen Zimmer: Eine amerikanische Flagge.


Als ich hier noch hauste, war meine Wand ein Haufen schwarzer laken. Jetzt steht hier eine Wand, die bis zur Decke reicht (die Bilder sind uebrigens von entgegengesetzten Richtungen aufgenommen)


Das Innere des Zimmers
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Ein paar weitere Werke von Sharky


Len: Look, Toby didn’t make a face! He just drank the Proof 151 (75% Alc.) without moving!
Da darf ich mich echt als Gewohnheitsalkoholiker bruesten.


Der neue Fernseher macht ganz schoen was her. Sieht am Foto kleiner aus, als er ist.


Das deutsche FHM – habe ich vor drei Monaten zurueckgelassen und am Klo wiedergefunden – stellt sechs verschiedenen Frauen nach der zweitwichtigsten Sache der Welt: Selbstbefriedigung. Diesmal habe ich die Fragen und Antworten uebersetzt, damit die Amis auch mal was versautes zu Gesicht bekommen.


Mein Nachfolger und Zimmernachbesetzer, hat Lorena ein romantisches Gedicht auf einer Party geschrieben, als er sie gerade mal ein paar Stunden kannte. Den Rest der Zeilen erspare ich euch, sonst wuerde ich mich kaum noch aus Telefonnummeranfragen und weiterzuleitenden Heiratsantraegen weiblicher Leser retten koennen.
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Mit Rachels Schlitten und einem Liebesliedern auf Gehoerlosen-Lautstaerke traellernden
Autoradio/Ghettoblaster dann in die Innenstadt.


Der  Grand Central Market ist ein absolutes Must-See und Wanna-Eat.


Zum Trinken gibts ne Menge Orangensaft dort..


Downtown LA mit unverwechselbaren Elementen: luftige Wolkenkratzer und Palmen.


Das Wilshire Grand Hotel Los Angeles – schick, schick. Bietet Platz genug fuer Versautheiten, waehrend im Nebenraum eine Hochzeitsfeier steigt.

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Einkaufswagen eines Obdachlosen, hell erleuchtet durch gewaltige Kranscheinwerfer auf einem Filmset zu einem Nickelback-Musikvideo.

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Wie ich sie schon in “Get Smart” gesehen habe, war ich fasziniert. Heute besuche ich zum ersten Mal die Walt Disney Concert Hall hoechstpersoenlich, und bin umgeworfen von so viel moderner Architektur. Allein die Parkgarage kostete 110 Millionen $. Man kann ueber eine Treppe aussen bis hoch zur Spitze kommen, in der ein idyllischer Garten Eden und ein paar Fensterblicke in die Konzerthalle selbst auf einen warten.


Links der ehemalig-glaenzende Look, rechts der neue, matte. Die starken Reflexionen des spiegelnden Metalls – wie bei einem Parabolspiegel – machten bald nach Fertigstellung der Konzerthalle umliegende Wohnungen und Gehsteige so heiss, dass die Stadtverwaltung mit Beschwerdebriefen ueberschuettet wurde. Per Verordnung mussten die betreffenden Metallflaechen im Jahre 2005 abgeschmirgelt werden. Hier eine Studie dazu.


Waehrend ich am knipsen bin, laufen die Kinder im Kreis.
. . Endstation Yogurtland am Sunset Boulevard. Noch nie gab es so etwas geiles – man laesst sich aus 16 verschiedenen Sorten gefrorenem Joghurt so viel herunter, wie man moechte, dekoriert das ganze dann selbst mit Gummibaerchen, Keksstuecken, Kokosflocken, Schokostreusel usw., und pappt zum Abschluss Erdbeeren, Himbeeren, Mango, Kiwi und andere Fruchstuecke drauf. Spottpreis fuer einen fetten Becher voll: 5$.


Yamo-Yamo!

Das Bild aus dem Solartaxi-Post ist fertig bearbeitet, und jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, es in den blog zu stellen.

Ich sitze am John F. Kennedy International Airport in NYC, starre auf meinen Laptopbildschirm und nicke alle drei Minuten ein, nur um Sekunden spaeter aufzuwachen und mit schlaflos-verzerrter Wahrnehmung den Laptop vor meinen Augen wiederzufinden. Was ich in New York City mache? Finden wir spaeter heraus.

Vorerst, von Montreal nach New York City faehrt man ca. sechs Stunden mitdem Auto. Und elf mit dem Zug. Wieso der Zug so viel laenger braucht, ist simpel: Von Montreal bis Albany faehrt der Zug max. 50 km/h. Die wunderschoene Aussicht, die man nur aus einem Zug haben kann, ist bei dieser Strecke die fuenf Stunden mehr Fahrzeit aber allemal wert. Der Zufall will es, dass ich mit meinem Timing genau in die allerschoenste Herbstblaetterbluete gerate – gruen, gelb, braun und scharlachrot wohin das Auge blickt. In den elf Stunden Zugfahrt lerne ich meine Sitznachbarin und ihren Businesstrip kennen, die mir Tipps gibt, wann ich aus dem Fenster stieren und Fotos machen soll. Ich treffe Jeff, den Schaffner, der fuer einen Raucher, ne Frau und mich im hintersten Waggon beide Seitentueren und die Hecktuer oeffnet, sodass ich fotografieren, der Mann rauchen und die Frau mit dem Schaffner flirten kann. Der Raucher erzaehlt mir, dass er in 16 verschiedenen Staedten ueber die ganze Welt verteilt gewohnt hat – und ihm NYC am Besten gefaellt.
Er kennt Jeff, den Schaffner, schon von der NYC-Montreal-Reise, ebenso die Frau; damals dachte der Schaffner, dass die beiden verheiratet waeren.
“Aber sie hat meine Emailadresse, und wer weiss, vielleicht wird ja was draus. Dann kann Jeff uns verheiraten, meinte er, so wie ein Kapitaen eines Schiffes, der kann das auch.”

Die andere Schaffnerin ist breit, nett, und sagt in jeder Durchsage, dass wir die Klos nicht verstopfen und um Himmels Willen doch die Mistkuebel benutzen sollen. Der Barkeeper im Restaurantwaggon ist nett und schickt einen Jungen weg, der sich eine Zuckerpackung nach der anderen einschiebt.
“I see, you are helping yourself young man? Now its enough?”
“No, no. I’m getting this for me and for my sister

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Neben der Bahnstrecke sieht man kurzgetrimmte Stromleitungen in Bodennaehe, umgeben von Sumpf, vorbeiziehen.

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Hier eine Serie vom Hudson River … eine atemberaubende Atmosphaere, brauchte so gut wie keine Nachbearbeitung.


Dieser Typ hatte 9000$ Cash dabei und war aus Kolumbien nach Kanada geflogen, um dann mit dem Zug in die USA zu kommen. Fluege nach Kanada sind teurer, demnach waere es unlogisch, den Umweg zu nehmen – ausser man mag die strengen Gepaeckkontrollen der US-Flughaefen umgehen. Nachweisen konnten ihm die Grenzbeamten allerdings nichts.

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Am Times Square angekommen, kann ich mir ein debiles Dauergrinsen nicht vergreifen – ich liebe diesen Platz. Er ist in der Nacht halb so hell wie am Tag; hudnerttausende von Neonroehren, LEDs, Scheinwerfern, Autolichtern, Gluehbirnen, Plasmabildschirmen und gigantische Werbeplakate scheinen auf die Strassen, ein Traum fuer einen Fotografen.


This city never sleeps. Public Transport 24/7, Daylight 24/7.

Ich sehe einen Polizisten mit Pferd und einer Gruppe orthodox-juedischer Touristen, einen Kerl, der auf der Strasse sein Buch “Drogendealer Band 1” verhoekert, ich treffe Freddy Krueger und erlebe Times Square genau so, wie er ist: Eine eigene kleine Stadt.


Dass auch ja keiner vergessen wird, gell..


In der hauptzentrale der New York Times. Wunderschoenes Gebaeude mit grossartigen Kunstelementen. Dieses hier sind etwa 500+ Minibildschirme, die mit lautem rattern parallel Leserbriefe abtippen. Jeder Screen zeigt einen individuellen Leserbrief.


Die neue Art der Strassenmalerei: Gesichtsskulpturen.


“Was geht Homie, ich mal dir die Kappe an”


Junger Mann beim Verkaufen seines neuen Buches “Drug Dealer Part 1”


Diese Dame sucht im Muell nach etwas Essbarem, waehrend einige Meter weiter Leute ihr Sushi stehen lassen.


Freddy mit dem Tirolerhut


Polizeiturm auf der Strasse

In der Frueh muss ich ein Flugzeug erwischen. Bevor ich mich also stresse, hier und dort ein Hostel zu finden, und dann an allen Ecken zu wenigZeit zum Schlafen, Essen und Flughafen-ansteuern habe, mache ich lieber durch. Zu einer gute Durchmach-Nacht gehoert ein guter Film, sagte Aristokrates immer (wenn er zu viele Raeucherstaebchen angezuendet hatte).

Das AMC kenne ich schon von Dark Knight mit Anton aus Schweden, also etabliere ich mich mit einer weiteren gekauften Kinokarte als Stammkunde. Diesmal ist es “Religulous”, das einen aehnlichen Approach wie Borat waehlt, jedoch ohne Story und mit Fokus auf Religion.
Die Hauptfigur ist ein atheistischer (eine kleine Prise Agnostiker) Comedian aus den USA, der mit seinem Filmteam von religioesem Fanatiker zum naechsten zieht und ungalublich laecherliche Aussprueche und Szenen abdreht. All die Gottesmaenner denken, es waere ein serioes-religioeser Dokumentarfilm ueber Weltreligionen, werden dann jedoch durchgehend verascht und zeigen ein erstaunliches Rhetorik-Defizit, bzw. schreiben rote Zahlen in ihrer Jahresschlagfertigkeitserklaerung.
Der Film hat eine starke Message, klarerweise absolut einseitig (Kompliment an das Editingstudio, jeder einzelne der Interviewten wird als Vollidiot dargestellt), und ist definitiv kein Film fuer schwer religioese Menschen, die schon von einem falschen Bibelzitat zittrige Haende und Ausschlag bekommen.
Die einzige Person, die an Coolness sogar unseren lieben Moderator Bill Maher uebertreffen kann, ist George Coyne. Er ist Direktor des Vatikanischen Observatoriums und erinnert mich allzusehr an meinen Religionslehrer im Gymnasium – er der aelteste Lehrer im ganzen Lehrstuhl, aber wusste einfach genau, wie er seinen riesigen Wissensschatz ohne anzugeben an den mann bringen konnte.
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Stundenlanger Aufenthalt im naechsten Starbucks, Odysee zum JFK-Flughafen (den letzten Abschnitt fahre ich mit einem “Taxifahrer”, der mich zu einem abgefuckten Van fuehrt und trotz seines verdaechtigen Kidnapper-Verhaltens ein ganz cooler Typ ist – Stockholm-Syndrom eben.
Am Flughafen brauche ich eine Stunde bis ich Internet finde und den gestrigen Blogeintrag schreiben kann.
Tja, und um 11:30 ist es dann so weit. Check-in, Boarding, alles geht glatt und das Flugzeug hebt sanft ab.
Sechs Stunden Schlaf, und dann bin ich dort, wo ich herkam.
In der Stadt der Engel.

Part I: Cornflakes in Toronto
Part III: Nuit Blanche a Toronto

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In Montreal gibt es eine Chinatown; zumindest sagt man das als Stadtpatriot. In Wirklichkeit ist es mit einem zugedrueckten Auge eine Chinastrasse, mit zwei geschlossenen Augen vielleicht ein Duo-China-Block, aber das wars dann auch schon.
In Toronto hingegen bleibt kein China-Liebhaber-Auge trocken: Dieses Chinatown kann sich sehen lassen.


Frische Dildos mit gerippter Oberflaeche und lustiger Farbe fuer nur 40 Cent das Stueck! Greifen Sie zu…


“Support 43 Million Chinese quit CCP!” – keine Ahnung, was das

Nach gelungenem Mittagessen bei einem chinesischen Veganer-Schuppen (Tofu ist gar nicht so scheisse wie ich dachte, hat ne sehr aehnliche Konsistenz wie Huehnchen!)  geht es auf zum Wahrzeichen von Toronto: Dem CN Tower. Mit 553.33m Hoehe ist er bis vor kurzem das groesste, freistehende Gebaeude der Welt gewesen, bis er von Burj Dubai vor kurzem ueberholt wurde.


Iek! Keine Macht den Vollschlanken!

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Der feinste Sicherheitsdetektor aller Zeiten: Anstatt sich abgrapschen und die Eier schaukeln zu lassen, wird hier Luft ausgestossen, die Schmutzpartikel auf der Kleidung loest. Ein chemischer Detektor stellt innerhalb von Sekunden fest, ob jene Partikelchen Sprengstoffspuren enthalten.

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Die Kosten fuers Hochfahren sind zwar eine Abzocke – fuer den Hauptdonut berappt man 23$, fuer die oberste Aussichtsplattform zahlt man 4$ Aufpreis – aber wert ist es allemal. Es gibt vier Level – drei im Hauptdonut, und eines im kleinen Kringel in 440 Meter Hoehe. Der 4$-Aufpreis ist eine gute Investition fuer das Gefuehl, eine Viertelstunde lange Herrscher der Welt zu sein. Fuer Hoehenangst-Patienten empfehle ich den Glasboden im untersten Stock des Hauptdonuts, man muss sich nur ein bisschen Platz zwischen mit Analogkameras herumrobbenden Pensionisten und auf dem Panzerglas herumhuepfenden Kleinkindern schaffen.


In der Mitte das Originalfoto , zusammengeklebt mit Autostitch, der Rest ist Photoshop- ein kleiner Einblick in mein Postwork.


Downtown Toronto

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Letzte Station fuer diesen Tag: Etwas futtern, und zwar bei Hooters. Von dem Restaurant hat mir schon Lorena anno dazumal erzaehlt, angeblich haben alle Kellnerinnen wohlgenaehrte Oberweiten. Die Prognose trifft zu, und ich bin im Busenparadies, in dem knackige Gesaesse nur von hautanliegenden Hotpants bedeckt werden. Da macht Essen, fett werden und in das Tischtuch schneuzen gleich dreimal so viel Spass!


Danach sind alle Amerikaner und englischen Kanadier verrueckt, dieser Streifen laeuft zu Weihnachten und Silvester in jedem nordamerikanischen Haushalt: The Sound of Music. Ich kann gar nicht so viel trinken, wie ich weinen moechte.


Der persoenliche Liebesbrief auf der Rechnung ist natuerlich kein Standard-Programm, den hat sie nur wegen mir … oder dem Trinkgeld … draufgetan.

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Aber weshalb bin ich denn eigentlich nach Toronto gekommen? Richtig, wegen der Nacht, die auf diesen Tag folgt.

Part II: Chinatown, CN Tower und ne Menge Beine und Titten
Part III: Nuit Blanche a Toronto

Wroooom-wro-wrooo-wrumm-wrrrroooommm … so ziehen die kanadischen Autos mit ihren typischen Rostflecken um die Radkaesten an uns vorbei. Chris und wuchten unsere winzigen Rucksaecke auf eine Steinbank neben einer stark befahrenen Strasse. Ein kleines Lueftchen macht mich ausgelassen, ich hopse herum und lehne mich gegen den Sturm. Auf geht’s, zumindest bald – fuer ein Wochenende nach Toronto. Als Mann braucht man nur ein paar Schuhe und kein rotes Glitzerkleid, also reicht ein Minirucksack fuer Boxershorts, Socken, Hemd und ne Familienpackung Anti-Durchfall-Pillen (Hinweis an Mama: Das ist ein Scherz, ich habe gar keinen Durchfall)

Die zwei Maedels, Manel und Orianne, bekommen zur Begruessung einen Tadel von Onkel Tobias fuer ihr Zuspaetkommen (Oh, wir haben doch nur in einem Cafe gewartet…), werden dann jedoch trotzdem fuer unseren Carpool zugelassen, und ab geht die Post mit dem Australier Peter (Man erinnert sich an unseren dicken Roadtrip nach Lake Superior) als Steuermann.

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Zu meinen Fuessen liegt eine Menge Essen und Getraenke, praedominierend jedoch eine Familienpackung Cornflakes. Als ich sie gekauft habe, stelle ich mir vor, wie wir alle fuenf verrueckt nach Cornflakes grapschen, die Packung im Auto herumwerfen, lachen und knuspern. In der Realitaet..

“Nope, thanks”
“No!”
“No, merci”
“Mh-mh”

shit.

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Ich verfluche die drei Raucher auf der Rueckbank, die ihren Atem nach vorne stinken lassen und meine Cornflakesneigungen nicht teilen – die zwei Maedels bringen mir jedoch ne Menge perverses Franzoesisch bei, was mich wieder versoehnlich stimmt.
Nach etwa sechs Stunden Fahrt in Toronto angekommen, ist unser Ziel eine Couchsurfing-Party. Eine Hausparty, habe ich mir sagen lassen. Und Hausparties sind super, speziell die Couchsurf-Haussurf-Parties.

Wir betreten den Aufenthaltsraum eines Apartmentkomplexes, und so langweilig ein Aufenthaltsraum auch sein mag, so sieht er auch aus. Zum einen ist er viel zu gross fuer unsere Partymeute, sodass sich die Leute in einem Viertel des Raumes zusammendraengen und der Rest des Saales eine bedrueckende Leere erzeugt. Dann kommen allerdings Spiele wie Schnapp-denSessel-wenn-die-Musik-ausgeht und Limbo aufs Programm, und es wird recht heiter – schlussendlich dekoriere ich wenigstens einen schlaftrunkenen Asiaten auf der Party und gerate in einen Polsterpimmelkampf mit einem duennen japanischen Maedchen.


Rote Tacos und Pferdedurchfall, ein Hochgenuss


“Surf my couch” – Roy ist Couchsurfer aus dem Bilderbuch.


Aufstrebende Polsterpimmelkaempfer

Fuer einen gelungenen Polsterpimmelkampf benoetigt man zwei stubenreine Mistreiter unterschiedlichen Geschlechts, jeweilsbewaffnet mit einem laenglichen, phallus-gefoermten Polster, vorzugsweise aus pflegeleichter Baumwolle. Der maennliche Teilnehmer muss nun versuchen, dem betrunkenen weiblichen Teilnehmer mit dem Polsterpimmel so oft wie moeglich ins Gesicht zu schlagen (dafuer muss er meist ein gutes Timing zwischen Hochspringen und zuschlagen finden), die Dame mit einem gekonnten Schlag in die Huefte zu Boden werfen oder den Polsterpimmel ins Gesicht zu schiessen (woderch das torkelnde Weibchen ebenfalls zu Boden geht).
Ein Spass fuer die ganze Familie, jetzt bei Ravensburger fuer nur 29,99$!
Exklusive Sammelkarten der internationalen Polsterpimmelkaempfer Knut Kloete, Paul Pubic, Friederike Facial uvm. gibt es gratis dazu, so lange der Vorrat reicht.

Rosh Hashanah bedeutet juedisches Neujahr und gleichzeitig 2 Tage keine Arbeit.
Nachdem ich unendlich faul im Bett herumwaelze und nach dem Waelzen mueder bin als zuvor, raffe ich mich auf und schlage Chris vor, zum Wasser hinunterzugehen.
“Zum Wasser” heisst in die Naehe von den Lachine Rapides, einer gefaehrlichen Gegend on Stromschnellen, zu der Touristen pilgern und ihr Geld beim Fenster eines Wellenreit-Schnellbotes hinauswerfen.


Das ist eine U-Bahn Station in Montreal, erbaut mit Steuergeldern..


Gangsterviertel mit geilen Schlitten


Seht ihr die Risse zwischen den Freewayplatten? So sieht es ueberall in Montreal aus.

Dank unzureichender Planung meinerseits, durch Ahronsirup weggeaetzte Pfadfinder-Orientierungskenntnisse und dergleichen mehr verlaufen wir uns.
Wir finden uns wieder in einem wunderschoenen Wald mit scharlachroten Herbstblaettern, der direkt am Fluss liegt. Von der Wanderstrasse fuehrt ein Trampelpfad ins Unterholz.
Vom Trampelpfad ins Unterholz fuerht ein kleinerer Trampelpfad ins Ungewisse – und wir entdecken eine Behausung: Ein blaues Zelt, ueberdacht mit einer grauen Plastikdecke, den Anblick eines Felsbrockens nachahmend, mit Stoecken aufgespannt, garniert mit alten Mathematikheftchen und verrotteten Wanderschuhen. Entweder ein Obdachloser oder ein gesellschaftlicher Aussteiger – oder die Ueberdachung einer Luke, die zu einer unterirdischen Partyhoelle und koksfabrik fuehrt.
Die Eier und Schamlosigkeit, ein fremdes Zelt aufzuzippen, hatte ich dann doch nicht.

Von vergleichbarer Grazie ist die Ile des Soeurs, die mit ihrem komplizierten Namen verdammt viele Bonzen anzieht, die sich allesamt schnucke Apartments in modernen Wohnbauprojekten angeeignet haben. Ile des Soeurs bedeutet uebersetzt “Insel der Nonnen” und liegt suedoestlich von Montreal im St. Lawrence River.


Montreals Skyline – links im Bild das 737.

Wir essen in einem feisten Lokal und plaerren  in gnadenlosem Mix von Wienerisch und Oeberoesterreicherisch, als sich eine Dame zu uns umdreht. “Putine tres bien putare du merde la soleil?”
“Parle France on petit peut”
“Oh, what is the language you are speaking?”
“Alemein!” (das heisst Deutsch auf franzoesisch)
“Ooooh Alemein!”

Sie fuellt uns dann ungefragt zwei Seiten von Christians Notizbuch mit Orten in der Naehe von Montreal, zu denen wir unbedingt gehen muessen – und “Places to meet nice single women”. Die Franzoesisch-Kanadierin ist um die 50, das nenne ich einmal weltoffen.

Was uns dann aber viel mehr am Herzen liegt, ist, einen ordentlichen Ausblick ueber die vertraeumten Nachbarschaften auf der Insel der Nonnen zu bekommen. Also nichts wie ran an die Buletten!

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Wir betreten den Hoheitsturm aus Glas, befinden uns in einer Schleuse, auf beiden Seiten Glas. Ich will die innere Tuer aufstossen, doch sie ist verschlossen.
Neben mir thront ein Verzeichnis aller Einwohner und deren Schnellwahl-Nummern samt hausinternem Babyfon, hinter der Glasscheibe drohnend der Rezeptionist/Security.
“RECEPTION: #300” steht da. Niemand hebt ab. Ich waehle abermals und abermals – doch nichts passiert.
Neben uns betritt ein Kerl das Gebaeude und zieht einfach die Tuer auf.

“Do you know the number of the apartment?”, fragt der Rezeptionist.
“No.”
“The name?”
“No.”
“Do you want to get in here?”
“Yes.”
“Do you have anybody here?”
“No.”
“Then you can’t get in here”
“We will push you out if you try”, bestaetigt der zweite Securityguard, der eher wie ein ausrangierter Postbote ohne Uniform aussieht.

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Second Try. Grosses Wohngebaeude, diesmal kenne ich die Prozedur schon.
“Bon jour?”
“Hello, my name is Tobias Deml. I have to do a photography job and need somebody to escort us up to the rooftop.”
Dzzz – und ich werde hereingelassen. Hinter der Rezeption sitzt eine nette Dame, die mich fragend anlaechelt. Ich sehe sie absolut gelangweilt an, in schmerzlicher Arbeitsroutine. Es war schliesslich ein harter Tag.
“Hi. We are photographers and work for the company Panoramico. We have to take pictures from the rooftop of different buildings and need someone to escort us to the roof of this building.”
“Sure! Well, this would be the janitor to escort you, please wait for a couple of minutes, he is busy right now.”

Ich setze mich genervt hin. Immer diese lausigen Faulenzer, kann man denn nicht einmal einfach seinen Job machen, hoch aufs Dach, Panorama schiessen und wieder runter.
Nach fuenf Minuten sind wir gelangweilt.

“We are on a very tight schedule. We will shoot from another building and will come back lateron.”
“Sure, see you later!”
Fuer den Fall, dass es beim naechsten Gebaeude nicht klappt, haben wir jetzt einen Backup-Plan. Das naechste Gebaeude ist grau, voller Glas und Metall, und hat wieder dasselbe Pult mit den Zimmernummern und einem Hoerer. Doch keine Rezeption. Nur Zimmernummern.
Ein Mann tritt neben uns ein, sperrt die Innentuer auf und geht Richtung Aufzug. Die Tuer schliesst sich, der Spalt wird kleiner, kleiner, kleiner – und Christian schnappt die Glastuere im letzten Augenblick. Wir sind drin.
Die Dachterasse ward – wie es von Pater Joachim prophezeit wurde – nicht versperrt. Der Ausblick liess mir derbst einen abgehen.