Category: Must-See: Los Angeles


Nach einem zur Perfektion ausgedehnten Fruehstueck wollen wir Pete noch ein paar Teile von Los Angeles zeigen, die seinen Eindruck der Stadt bereichern sollen.

Lorena lotst uns zur Villa der Beckhams (mit der Anmerkung,dass wir sicher Fotos davon machen wollen), welche sich eigentlich als eine einzige haushohe Hecke entpuppt. Wer “Over the Hedge” gesehen hat, weiss, von welchen Proportionen wir hier sprechen – lueckenloser Sichtschutz gegen jede Form von Papparazzis, Steuerbegutachtern und Voyeuristmus-Selbsthilfe-Ignoriergruppen.


Gemeinschaftliches Hecken-Anschauen fuehrt bei Frauen zu sofortigem Tiefschlaf.

Um Pete mit Insiderwissen zu beeindrucken, schwaerme ich davon, wie das Kommerzkarusell HollywoodBlvd. eigentlich als kleine Wohnstrasse beginnt. Sunset Boulevard kann man von Santa Monica bis Downtown Los Angeles durchfahren, und Hollywood Blvd. befindet sich leicht noerdlich davon – faengt an einer mir unbekannten Stelle an und hoert im Nichts wieder auf; demnach weit kuerzer als Sunset Boulevard.
Ich biege in eine gefuehlsmaessig vielversprechende Seitenstrasse ein, lande nach kurvenreicher Fahrt und deftigem Hoehenmeter-Sauerstoffmangel aber in einer Sackgasse. Die Sackgasse haette einen schoenen Ausblick, waeren da nicht all diese Baeume – und ich, flexibel und unfehlbar von Natur aus, aendere mein Ziel siegessicher auf “Finden von tollem Ausblick”.

Beim zweiten Anlauf, nach dem Durchqueren eines Strassennetzes zwischen Bonzenvillen und Schauspieler-Einsiedlerhoehlen, entdecken wir eine erdige Auffahrtsstrasse mit der Aufschrift “Street Acces only for Residents“. Links von der Auffahrt liegt eine grosse, bevoelkerte Baustelle einer Luxusvilla, waehrend sich die staubige Strasse steil eine Klippe hochwindet.
Ich sehe meine zwei Passagiere an und ignoriere ihren Protest; auf der Klippe scheint mir intensives Orange einer frueh untergehenden Nachmittagssonne entgegen: Sonnenlicht vom Horizont kommend bedeutet freie Sichtlinie vom Berghang zum Horizont. Gut, dass ich das ShamuShuttle fahre, parke, und vorauslaufe. Begeisterung: die Aussicht wird wieder durch fiese Buesche versperrt.

Meine beiden Mitreisenden werfen das Handtuch (“It’s private property, right there is their house”, mit Gesten zum Haus am Ende der Auffahrt – das warme Wetter laesst die Weicheier aufbluehen), woraufhin ich aus Protest noch hoeher laufe, die Auffahrt zu meinem Erstaunen am Haus vorbei eine Haarnadelkurve macht und sich mir ploetzlich eine der beeindruckendsten Aussichten jemals bietet – weitaus besser als beim Hollywoodsign oder dem Griffith Observatorium. Zugegebenermassen, damals war es Sommer, sprich damals gab es statt Luft so dichten Smog, dass die Sicht auf die eigenen Stinkerkasler ohne CO2-Filter unmoeglich wird.
Die genaue Adresse dieser geheimen Auffahrt kann ich aus ethischen Gruenden nicht preisgeben; schliesslich wollen die Multimillionaere ja auch mal ihre Ruhe haben.
Fazit: Auto mieten und selber so einen Punkt finden – wenn noetig, muss man eben die Eier haben, Regeln zu ignorieren.


Ich habe gottseidank den Autoschluessel, schwaerme von der Aussicht, und brumme im Nu samt den zwei trotzigen Moechtegerntouristen mit dem Minivan die Residents-Only-Auffahrt hoch.


Da wohnen … das waer was. Papierflieger ins Tal schmeissen, so viel ich will!


Downtown LA mit komplett untypisch-prallen Wolken. Schoenheitschirurgie mit Photoshop, versteht sich.


Zwei Spanner.Wollen bestimmt die Beckham-Villa von oben ausspechteln.

Beim anschliessenden Abwaertsrollen sehen wir ein Strassenschild mit der Aufschrift “Hollywood Blvd.”. Ich war schon kurz vor dem Aufgeben, und ploetzlich finde ich im unwegsamsten Bergland das, was ich anfangs suchte. Damit geht es schnurstracks zum Hollywood & Highland Shoppingcenter!


Die Elefanten sind besonders geschmackvoll gewaehlt – ueberlebensgrosser Chinatown-Kitsch, der das Einkaufszentrum einzigartig macht.

Der grossgewordene Junge von der Werbung – einmal mit und einmal ohne Haupthaar. So australisch wie noch nie!


Am Ende des Tages war Pete nur mehr “Daddy” und die Geschwisterliebe echt unerhoert. Es ist eine Familienaffaere!

Geoff hat sich ne neue Karre gekauft, oder bessergesagt, hat er Craigs ehemalige Penisverlaengerung auf vier Raedern fuer einen guten Preis erstanden – Transaktion Marke “Deutschlernender erwirbt 4×4-Pickup-Truck von Surferdude”.

Mit ebendiesem Auto duesen wir gemeinsam zum Getty Museum, einem riesigen Komplex auf einem Berg nahe Beverly Hills. Parken kostet 10$, weswegen wir Kehrtwende machen und einfach in einer nahen Siedlungsstrasse parken – der Dollarkurs ist ja bekanntlich gefaehrlich stark gestiegen, sodass 10$ ploetzlich nicht mehr 0,03 Euro sondern ganze 0,1 Euro sind – Leute, wo bleibt die eben gerade noch so verlaessliche Kriegsinflation, wo ist die amerikanische Waehrungsimpotenz hin?
Fragen eines Europaeers, der gerade noch eben durch die Strassen lief und mit Dollarsacheinen um sich warf. Den Spass kann ich mir jetzt wohl nur noch in Kanada erlauben.

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Das Getty kostet keinen Eintritt, und hat eine eigene Art Zahnradbahn, die einen von der Talstation zum Museum bringt. Wenn man also gerne reisen tut, und nicht gerne zahlen taete, dann soll man einfach die Getty-Gerti auf-und abhobeln! Wir bekommen am Bahnsteig einen beidseitig vollgetexteten Flyer in die Hand gedrueckt, auf dem das Programm fuer nur diesesn einen Tag Platz hat; darunter finden sich Diskussionen von Wissernschaftlern und Philosophen, verschieden thematisierte Touren durch das Museum, Ausstellungen, Vortraege usw.
Ich bin von der Imposanz des Komplexes ueberwaeltigt; ohne Eintritt ein vollgepacktes Programm anzubieten, eine grossartige Architektur bereitzustellen, einen grandiosen Ausblick zu geben und dann noch eine Gratisfahrt mit der Getty-Getrude anzubieten: Unwahrscheinlich sexy. Falls der werte Leser einmal die Chance hat, in LA zu sein, ist das Getty ein must-see.


Der 4×4 – ein maechtiger Schlitten, der keine Randsteine kennt – Einparken kann man zweifellos auch auf einem anderen Auto oben drauf.


Soldatenfriedhof mitten in Westwood – da gehe ich gerne hin und schlecke Eiskrem


Die Getty-Gerti


Der Mann in der Bildmitte ist so beeindruckt, dass er seit 1964 dort steht, 400.000 Filme verschossen  und nebenbei eine halbe Glatze gekriegt hat


Yodel! That’s so tree.

Rechts vorne Century City, hinten links Downtown Los Angeles


Kaktusgarten des Getty


Kaktusgarten des Getty – der ist uebrigens um vieles groesser.


Ein Vortrag ueber uralter Kameras – am Anfang wars ja recht cool, aber dann … Geoff spricht fuer sich selbst.


Die Tschutschu-Bahn des Getty

PS: In Retrospektive auf meine ersten Eintraege merke ich, dass dieser Blog viel zu konservativ geworden ist. Mit sofortiger Wirkung ist die faule Gutbueblichkeit aufgehoben, und die Neuronen der werten Leser sollten sich ganz schnell Keuschheitsguertel zulegen, bevor es zu einem zynisch-extravaganten Brainfuck kommt.

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Tesla Motors ist so etwas wie der rebellische Sohn von Ferrari, der aus Protest eine Affaere mit einer BBB hat – einer Big Beautiful Battery.

Tesla Motors stellt naemlich Elektroautos her – und zwar keine dreiraedrigen Troedler, sondern blitzschnelle Sportwaegen.

Von 0 auf 100 in 3.9 Sekunden.
200km/h Maximalspeed (wobei der elektronisch limitiert ist).
250 PS.
Gewicht der Batterie: 450kg.
350km Reichweite – eine Tankfuellung kostet 3,5 Stunden Strom.

Die Ladezeit ist natuerlich nachteilig, wenn man es eilig hat, aber abgesehen von der Ladezeit kann ich keine Nachteile gegenueber einem Benzin-Sportwagen sehen. Bis auf den Preis – 99.000 Euro kostet der 2009MY Roadster fuer den Europaer, der Amerikaner bekommt ihn fuer 109.000$ geschenkt.

Die Wagenteile werden grossteils in Grossbritannien hergestellt (Ultraleichtbauteile und Carbonparts), dann wird alles in die USA geschifft und dort an die umweltschutzbewussten Millionaere verhoekert.

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Eine nette Empfangsdame erklaert sich bereit, mir und meiner Coreporterin Zutritt zur Werkstatt zu gewaehren. Ein Mechaniker kommt aus einem Gang auf uns zu.
“Can I show them the Roadster, Mike?” Nennen wir ihn halt mal Mike.

Betretenes Schweigen.

“No.”

Noch etwas betreteneres Schweigen.

Mike beginnt zu lachen. Die Empfangsdame reibt sich den naiven Kopf und fuehlt sich unter Gespoett des Mechanikers wohl ganz schoen verarscht, da kann ihr Hemd noch so sauber sein. “Sure you can show it to them!”

Unsere freundliche Ausstellerin oeffnet den Kofferraum-Deckel. “So, here’s the engine and the battery..”

What the fuck. Da ist nichts. Ich sehe zwei dicke Plastikboxen und einen minimalen Kofferraum. Die Boxen sind etwa anderthalb Meter lang und ca. 40cm hoch und breit. “Thats the engine and the battery.”
“You mean, that’s it? Thats all? Whats in the front then?!”
Die Dame geht um den Wagen herum und oeffnet die gefaehrlich aussehende Frontklappe. Ich sehe Schlaeuche und eine luftige Anordnung von verschiedenenen Pumpen, Platinen und Boxen. “That’s for the cooling of the battery and the engine, and some additional electronic functions for the engine.”

Haette ich 111.000$ in bar dabei gehabt, haette ich schon laengst fuer 109.000$ den Wagen gekauft und waere straight durch die huebsche Glasfront des Geschaefts davongebraust (die die Jungs dann mit den 2000$ Trinkgeld ersetzen koennten).

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Da ich aber keine 111.000$ habe und mir keine Glasscheiben aus dem Trinkgeld leisten kann, habe ich mir statt des Wagens einen Bumper Sticker (Heck-Stossstangenaufkleber) genommen, mit den Worten “My next car won’t have one of those” und einem roten Pfeil abwaerts zum Auspuff.

Halloween in Los Angeles ist etwas komplett anderes als in Europa. Waehrend es in gewohnten Gefielden maximal ein paar dicke Parties in Clubs gibt, oder ein paar Leute eine Hausparty schmeissen, ist Halloween in den USA ein Kult, der von Millionen Menschen zelebriert wird.
Lorena und ich, wie wir bereits wissen, als schreckenhafte Nerds verkleidet, brausen gemeinsam mit Rachel und Katrine los. Rachel faehrt den edlen SUV mit Navigationssystem und Einpark.
“So, where to go?
“Well, you wanna go on Wilshire, make a right.”
Rachel faehrt nach links.
“Now, Wilshire is behind you.”
Als wir um den Block fahren, realisiert Lorena, dass Rachel und Katrine so lange bleiben werden, wie sie wollen – und nicht dieSAT2‘s haben, die Lorena absolvieren muss.
Im letzten Highschool-Year muss man zwei SAT-Pruefungen bestehen. Die erste ist so aehnlich aufgebaut wie ein IQ-Test, die zweite Pruefung besteht aus zwei frei waehlbaren Faechern. Diese SAT-Pruefungen werden als Klassifizierung und Einstufung fuer die Collegebewerbungen verwendet.
Wir entscheiden uns dafuer, in zwei Autos zu fahren, sodass Lorena fruehzeitig schlafen gehen kann. Lorenas Auto springt jedoch nicht an, also mache ich mich mit nur zwei Maedels an meiner Seite auf die Socken.

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Santa Monica Boulevard

Zehntausende Menschen draengen sich in jede erdenkliche Richtung, auf der Suche nach den besten Kostuemen der Stadt. So gut wie jeder ist verkleidet. Auch wenn wir Halloweenkostueme ueblicherweise mit schrecklichen Zombies, Aliens und Quasimodos verbinden, herrscht in den USA ein untershciedlicher Dresscode.

Maenner verkleiden sich im Allgemeinen als irgendetwas, so wie bei uns im Fasching.
Frauen und Schwule ziehen sich wie Nutten in Reizwaesche an und finden die Entschuldigung, dass es ein Kostuem waere.

Dementsprechend oft war ich dem Sabberwuerg-Effekt unterworfen.

Der Sabberwuerg-Effekt™
Ein maennlicher Homo Sapiens erfaehrt eine Kettenreaktion durch einen visuellen Reiz des oppositorischen Geschlechts – z.B. herumwackelnde Riesentitten. Durch den visuellen Reiz werden Hormone ausgeschuettet, welche gleicherweise zu Gluecksgefuehlen, sexueller Erregung, Erweckung des Jagdtriebs und ueberdurchschnittlicher Speichelproduktion fuehren. Der maennliche Homo Sapiens beginnt naturbedingt zu sabbern.
Einen Augenblick spaeter wird der Bewertungsalgorhytmus der Fortpflanzungswahrscheinlichkeit aktiviert, der das Weibchen in den visuellen Reizen untersucht – und auf ueberdurchschnittlich grosse Haende aufmerksam wird. Und dann merkt man, dass man gerade geil auf einen operierten Kerl wurde (wuerg!)

Die beliebtesten Kostueme:

  1. Sarah Palin
  2. The Joker (danke Heath Ledger)
  3. Halbnackte Nutte (bzw. Nutterich fuer die grosse Gay Community)
  4. Krankenschwester, Polizist, Mannsweib, Superheld

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Ich treffe noch Robert, seine drei Brueder und seinen Nachbarn. Er ist Johnny Depp in Fear and Loathing in Las Vegas, sein Bruder Johnny Depp in Sweeney Todd, sein naechster Bruder Johnny Depp in Pirates of the Carribean, und sein letzter Bruder Johnny Depp in Edward Scissorhands. Solche Deppen.


Dead Santa Claus und Robert, mein ehemaliger MOT-Kollege.


Die Voting-Omas

Nachdem ein Kombiwagen, vollgestopft mit vier Deppen, einem Ninja und einem Nerd die Parade auf dem Santa Monica Boulevard verlaesst, laden wir Nachbarn und Gebrueder aus – und begeben uns in meinen ehemaligen Wagen. Meinen wunderschoenen, schwarzen, droehnenden, leichtgewichtigen, schnellen Nissan 240SX. Robert hat es sogar hingekriegt, dem Wagen ein Autoradio zu verpassen. Ab auf eine Halloween-Party in meinem ehemaligen Apartment.

Es ist die erste Party, zu der ich gehe, um Maedels nur aufzureissen, um die enttaeuschten Gesichter  geniessen kann, die erscheinen, sobald ich den Begriff “girlfriend” fallen lasse. Ha!
Die schoenste Schadenfreude der Welt!

Knotts Berry Farm verwandelt sich um Halloween herum jeden Tag um 7PM in ein riesiges Gruselkabinett – die Knotts Scary Farm.
Bevor es ein Vergnuegungspark war, stand dort eine Beerenfarm. Irgendjemand hat die Beeren wohl verkauft und stattdessen auf der 67 Hektar grossen Anlage Achterbahnen angebaut.

Lorena, Robert (mit ihm war  und ich fahren Freitag Abends hin – dummerweise genau an dem Tag, an dem die meisten Leute dort sind. Bis zwei Uhr frueh gondeln wir herum, die Muedigkeit und Hunger steigt, waehrend man sich nach anfaenglichen Schocks und Schrecken doch relativ gut an das erbarmungslose Grauen gewoehnt.
Karte

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Solltest du um Halloween herum in Los Ancheles sein, dann darfst du Knotts auf keinen Fall verpassen. Auch wenn Disneyland und andere Vergnuegungsparks ebenfalls Halloween-Themes haben, ist diese Halloween-Erfahrung die Beste. Der Park ist stark abgedunkelt, durch die Menschenmassen schlaengeln sich alle Arten von Zombies, die sich zu dir hinunterbeugen, Laerm machen, mit einem Krachen und Funkenflug auf den metallenen Knieschuetzern den Beton entlangschlittern, und so ziemlich jeden Trick des Erschreckens aus dem Sack holen – ausser einem: Beruehren. Denn wie wir alle wissen, auch wenn man nur Kindern auf die Schulter tappt, wird man gefeuert.

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Folgende Attraktionen sind ein Must-See:

  1. Klassiker: Die Mazes. 13 verschiedene Irrgaerten (in denen man sich aber nicht verirren kann), die todgrausliche Szenen von Massakern, Operationsraeumen, Irrenanstalten, Kinderzimmern, Clownschulen, Puppenfabriken, Maulwurfsbauten, Alien-Raumschiffen usw. bieten.
  2. Atemraubend: Supreme Scream. Ein Turm, aus drei verbundenen Gitterkonstruktionen, ragt 77 Meter hoch in die Luft. Auf einer der drei Gittersaeulen steigt man dann in eine der Sitzreihen ein und wird hochgezogen – um am hoechsten Punkt stehenzubleiben … stehen … stehen … und dann mit 1,5-facher Freifallgeschwindigkeit nach unten geschossen zu werden. Drei Sekunden dauert der beschleunigte Fall, und laesst sich maximal mit einer Adrenalinspritze direkt ins Herz vergleichen. Geil!
  3. Der Pony Express. Anschauen, auslachen, aber auf keinen Fall einsteigen. Es gab noch nie eine so lange Schlange zu einer so langweiligen Attraktion.
  4. Die Show “Hanged”, in der eine Indiana-Jones-Abkupferung nach dem Versuch, einen Schatz zu stehlen, von einer Horde B-Promis, Silikontitten, Filmfiguren (Why so serious?!), Oelgesellschaften und perversen Analrittern ueberrascht wird. Die Show selbst versucht mit geschmacksabghaengigen Redneck-Humor zu punkten.. der Humor war fuer mich eher nervig, waehrend andere Traenen lachten (vielleicht wurden die auch bezahlt?).
    Viel besser waren die 15 Minuten Wartezeit vor der Show, waehrend der ranzgeiler Trance gespielt wurde, zu der ploetzlich zwei 40-jaehrige Securitydamen ihre Jacketts ablegten und zu tanzen begannen.
  5. Herumgehen, Leuten in den Kragen speiben, Monster aergern und die zu Tode erschreckten Maedchen auslachen.

Empfehlenswert ist es uebrigens, am vorhergehenden Tag noch eine Extraportion Schlaf und Energydrinks zu besorgen – denn die halbe Nacht herumzulatschen und erschreckt zu werden zehrt ganz schoen am Winterspeck. Und den will man sich ja behalten.

Es ist kompliziert und faszinierend zugleich. Sind wir bei Lorena zuhause, muessen wir uns auf Hoechste benehmen, beinahe wie Moench und Nonne. Kuessen erlaubt, Haendchenhalten erlaubt – aber alles andere strengstens verpoent. Ich schlafe in dem Zimmer von Lorenas Schwester, was zwar ein tolles Bettchen und ein bisschen Privatsphaere offeriert – ich haette es aber lieber anders. Kriege ich aber nicht, da muss ich wohl damit leben.
Sobald wir ausser Haus sind, fragt Lorenas Mama meistens, wo wir sind. Und wie lange wir bleiben. Auch wenn wir 18 und 19 Jahre alt sind … es wird aufgepasst.

Es ist eine ganz eigene soziale Dynamik, die ich beobachten kann, und sie zirkuliert natuerlich um – reden wir Klartext, meine Herrschaften – Sex. Sex ist in diesem Fall zwar der Haken, aber vielmehr fasse ich es als Platzhalter fuer eben jene sozialen Dynamiken auf. Beschuetzerdrang, Muttergefuehle, Neid, Kontrollverlust und Verteidigung desselben, Stolz, Egoismus, Missverstaendnis – eben die typischen Teenagerprobleme, oder Probleme, die man hat, wenn man zuhause wohnt.

Es ist der um den Glubus millionenfache wiederholte Versuch , ein immer selbstaendiger werdendes, laengst geschlechtsreifes und erwachsenes Kind mit Menschen seinen Eltern zusammenzustecken, deren Gefuehlswelt und empirische Perspektive eine komplett andere ist.
Da nicht jedes Kind die Moeglichkeit hat, auszuziehen, wann es will, ist dieser Versuch so populaer, und geht in jedem x-beliebigen Fall schief.

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Das Kind will sich austoben, die Eltern wollen, dass es sich dabei nicht wehtut, schliesslich ist es ihr Kind, ind das sie so viel Liebe, Zuneigung und Zeit fliessen liessen.
Aus meinem Erfahrungsschatz weiss ich, dass ich jetzt, mit dem Alter von 19 Jahren, eine aeusserst truebe Erinnerung ueber meine Gefuehlswelt und Weltanschauung als Zwoelfjaehriger habe.

Vor sich nun hinzufantasieren, ein Vierzigjaehiger koennte verstehen, wie sich ein 19-jaehriger fuehlt, ist mehr als absurd. Ich ueberlege, mir selbst einen Brief zu schreiben, in dem ich meinen Kopf ausleere – um dann spaeter meine eigenen Kinder verstehen zu koennen. Denn tut man das nicht, versucht man nicht, sich selbst zu verstehen, wie will man dann andere verstehen koennen?

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So viel zum bittersuessen Spektakel der Parental Control.
Nachmittags schreibe ich gerade am Blog, als von hinten eine Hand kommt, meinen Kopf haelt, und ein Pinsel ueber mein Gesicht faehrt. Schlussendlich sah das dann so aus:

Abends geht es auf zu Kathrines Haus, das, in dessen Pool wir zum ersten Mal herumknutschten. Katrine kommt aus dem eigenen Badezimmer, als ich ihr Zimmer betrete. Ihr unendlich riesiger Kleiderschrank ist laecherlich begehbar und ausserhalb aller Proportionen. Sie schenkt Lorena acht “Sprinkles Cupcakes“, so etwas wie die Muffins, die wir aus Oesterreich kennen – Cupcakes der ganz tollen Sorte. So toll und besonders, dass Oprah Winfrey, der Messias der gepeinigt-amerikanischen Hausfrau, die kleinen Muffins von Los Angeles nach Chicago ausfliegen laesst.

Kathrines Huette ist nur der Anfang. Unser eigentliches Ziel: Die sagenumwobene Saddle Ranch. Aussen findet man lebensgrosse Puppen von Puffmuettern und Huren im Westernstil, innen hat man eine Wildwest-Atmosphaere, waehrend draussen die naechtlcihe Makeup-Schlacht des Sunset Boulevard droehnt.
In der Mitte des Restaurant gibt es eine Bar, umringt von Flachbildschirmen mit Football-Spielen, und einem Mechanischen Bullen.
Waehrend wir essen, kommt eine Typ zu unserem Tisch.
“Hi, I’m David, I’m one of the managers.”
Wir sind erschrocken, haben moeglicherweise etwas falsch gemacht, muessen vielleicht das Lokal verlassen. Er fragt uns zwei Minuten lang, wie es uns geht und weshalb wir im Gesicht bemalt sind, und verabschiedet sich dann wieder mit “I’m David, I’m one of the managers.”

Einige Minuten spaeter kommt eine Bedienung an den Tisch. “Hey, I’m Mandy! You guys look like fun, do you want to ride the mechanic bull with …”
“Hi, I’m David, I’m one of the managers”, stelle ich mich vor. Ich handle mit ihr aus, dass Lorena bei ihrem Geburtstagsessen ist und gratis reiten sollen duerfte.

Als dann auch noch ein Geigen-Violinenduo kommt und uns nach einem Staendchen fragt, …
“Hi, I’m David, I’m one of the managers.”

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Im Hintergrund der Bulle, auf dem Lorena schliesslich gratis geritten ist, nach 10 Sekunden runterfiel und sich einen blauen Fleck am Schenkel zuzog.


Dumm, dass sich die Hure so weit oben versteckt!

Mein Lieblingslied. Oder zumindest eines der vielen Lieblingslieder, die ich ueber OC California kennengelernt habe – die Pluspunkte dafuer darf sich der hannes alle auf die Stirn kleben! 😉

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Wie auch immer, der Titel dieser Symbiose von Kate Bush und Placebo passt perfekt zu dem, was ich heute gemacht habe. Ich wollte das Hollywoodsign von ganz nah sehen. Wer kennt es nicht, sicher einer der bekanntesten Schriftzuege in unserem Kulturkreis. Was viele nicht wissen, ist, dass frueher dort “HOLLYWOODLAND” stand, und das “LAND” haben sie spaeter entfernt. Und wir wissen inzwischen, dass jeder 1,5. Einwohner der Stadt (ca. 0,67 Euro) Schauspieler, Model, Wannabe, Pin-Up, Zweitklassiger Pornodarsteller, Drittklassiger Filmproduzent oder viertklassiger Amateurregisseur ist.

Der Grund dafuer, dass man heutzutage nicht mehr direkt zum Hollywoodsign darf – es beruehren, abschlecken, korpulieren, whatever – ist, dass zu viele der oberen Moechtegerngruppen sich dazu entschieden haben, ihr jaemmerliches Dasein in einem Finale Furioso enden zu lassen, einem bedeutenden Platz – also wieso nicht einfach mal nach dem Fruehstueck vom “Y” runterhupfen?

Seitdem gibt es einen Zaun rundherum, und weniger tote Schauspieler.

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Auf googlemaps gesucht, wie man am Besten hochkommt, und dann Valentin und Lukas die Idee gemailt. Ich konnte sie nicht anrufen, weil mein Handy temporaer gesperrt war – hab wohl uebersehen, dass mein monatlicher beitrag in die Kaffeekassa der Firma Boost Mobile schon am 1. April faellig war .. da hatte ich aber wichtigere Dinge, die nationale Sicherheit betreffend, zu tun, wie ihr aufmerksamen Heinzelmaennchen und Heinzelmaennchinnen bestimmt schon wisst.

Schlussendlich war die Konstellation Valentin, Sebastien, und ich. In Valentins Auto fuhren wir, mit grausamer Musik von einer 40-jaehrigen Myspace-Schreckschraube, die er in nem Irishpub kennengelrnt hat, bis auf einen Drecksparkplatz – der war gratis, siehe einer an. Von ortskundigen Kids haben wir den Weg beschrieben bekommen. “It’s about 10 to 20 minutes”, sagte er mit seiner knabenhaften Stimme eines 20-jaehrigen.

Verflucht knabenhaft, denn er hat sich ca. um den Faktor 10 verschaetzt gehabt.

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Nachdem wir uns richtig fest verkoffert hatten, die Hand vor den Augen nicht mehr sahen – Nebel bei Nacht juchee – den Ausblick aufgeilend fanden und ne Menge verwackelter Langzeitbelichtungsfotos aus der freien Hand geschossen hatten, in guter alter Pfadfindermanier mit Aesten die Weggabelungen markierten, auf denen wir abbiegen mussten (zurueckfinden war der zweite Streich, doch der erste folgt sogleich), kamen wir dem Ziel endlich nahe. Mir ging DERBST einer ab (das krieg ich nie wieder rausgewaschen..), als ich die Szenen sah.. wie in einem Film. Nebelschwaden ziehen langsam und voller rauchiger Turbulenzen ueber die Strasse, durch Buesche, Kontrolleuchten werfen lange Strahlen durch die dicke Luft und alles erscheint in Silhouettenhafter Optik – wow, ich werde diesen Huegel verflucht noch mal ehelichen.

Irgendwer in den USA hat ja auch mal einen Felsbrocken geheiratet, zum Pocket-Berg ist es da nur noch ein kleiner Schritt!

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Als wir dann zur Radiostation – oder so aehnlich, ein hoher Funkmast samt dicker Anlage am hoechsten Zipfel von Los Angeles – kamen, war es wie in einem Bond-Movie. “Cheesy”, wuerde meine Arbeitskollegin Kathy sagen (aber die findet auch meine Idee, Racing Stripes auf mein Auto zu kleben, cheesy, zaehlt also nicht). Die Scheinwerfer durch den Nebel, vorbei am Mannshohen Zaun mit Stacheldrahtkroenung, ner Menge Videokameras, mehr Zaeunen, Durchfahrtsschranken und Ketten, rote Kontrollampen an den Masten fuer Flugzeuge – und waere das nicht genug, kommt von drinnen auch noch ein Jeep mit manuellen Scheinwerfern herangebraust. Ein Officer steigt aus, volle Montur.

“What are you doing here? I saw you already on the cameras way back down the hill”

“Oh, we just walked up to see the Hollywood sign..”

“You know, this is actually all around a restricted area.”

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Das Hollywoodsign schimmerte neben uns – den Abhang runter – im Nebel.

Und bevor wir noch eine wilde Schiesserei in Arnie-Manier anfangen konnten, fanden wir uns dank unserem oesterreichischem Charme, Sebastien’s franzoesisch-kanadischer Unwiderstehlichkeit und des Officer’s offene Art bald wild kuessend am Zaun wieder… aeh, wir unterhielten uns ueber andere Dinge. Er kommt aus Vietnam, hat grade mal einen Kollegen auf dieser spannenden Arbeitsstele und findet die Sicherheitsbedingungen etwas streng – aber sie seien gut, solange dadurch Sicherheit gewaehrleistet ist. Er empfahl uns einige Wege, wir wir besser ans eingezaeunte Hollywoodsign rankommen…

“When you’re coming from down there, you just park somewhere at the metal gates, and then you hike up the dirtroad. But remember, don’t hike too far up, over the restriction line, or the sensors will catch you, and they’re coming with helicopters from the other side to stop you…”

Ordentlich Selbstmord zu begehen, ist hier ein mindestens so hartes Business wie Schauspiel selbst..

Aber immerhin, wenn man den Dreh raushat, steht man mit geoeffnetem Hemd auf dem “H”, wird von Antiterror-Helikoptern umkreist und stirbt wie ein Rockstar!

Es gibt einen Platz in Los Angeles,der so etwas wie das schwarze Loch der Superfreaks, der Elektromagnet der Hirnamputierten, das Sammelbecken der Gschmuftler ist: Venice beach. geplant von einem Typen, der ein Faible fuer Venedig hatte, findet sich dort einige Imitationskultur in der Architektur wieder, von den Kanaelen bis hin zu venezianischen Haeusern. Man fuehlt sich wie am Mittelmeer. Mit von der Partie war natuerlich Lukas, und ne deutsche Arbeitskollegin von ihm, Paula. Sie bastelt an der University of Southern California (USC) an ihrer Doktorarbeit. Sie will spaeter mal ganz gescheit werden.

Aber am Wochenende wollte sie nicht gescheiter werden, sondern uns lieber Wassermelonen anbieten, ihren Neighborhood mal eben zeigen, und uns dann ihre Fahrradschleichwege zeigen. Dumm nur, dass sie sich mit dem weiblichen Stereotyp der Desorientation identifizierte, was uns immer tiefer ins Labyrinth der Nebenstrassen und Sackgassen brachte. Zuletzt war sie dann doch vernuenftig, sprang aus dem Wagen und hielt die Kette hoch, die die Strasse enden liess. Das Auto passte durch, leider haben wir Paula nicht an der Kette vergessen. Sie haette sich bestimmt gefreut – und verdient haette sie es natuerlich auch 😉

Noch ein paar Impressionen von Venice und den Menschen dort, inklusive einem Akademiker (sicher Harvard-Abgaenger in Jus und Medizin), der zuerst von Schaulustigen die letzten Ecken der Geldbeutel vom mueden Dollar befreite, um sich dann zur kollektiven Bestuerzung mit den blanken Fusssohlen in einen Glasscherbenhaufen stuerzte. Dann sprang er noch von einem Stuhl in den Scherbenhaufen.

Beneidenswert, dieser Mut – besonders bei dem Gesundheitssystem, bei dem jeder Krankenhausaufenthalt ein Einfamilienhaeuschen kostet. Ein einzigartiges Geschaeftsmodell.

Es folgte der Abschied vom Mietauto. Ein echtes 2008er-Auto: Sparsam, familienfreundlich, leise, silbern, sicher, smooth, rungelutscht, aerodynamisch, verlaesslich.

Jungfernfahrt meines neuen Autos. Benzinschleuder, tiefgelegte Racingsitze, ungezogen laut, schwarz, fahrbare Sicherheitsgurte, Klappscheinwerfer, eckig, flach und overdriven.

176000 Meilen auf dem Buckel. Jetzt ist es das Auto eines Ehemaligen:

  1. Ehemaliger Autoverkenner und lieber-mit-Barbiepuppen-spieler
  2. Ehemaliger Rosa-als-Lieblingsfarbe-haber
  3. Ehemaliger Unkontrollierte-Verkahrswutausbruch-Verachter
  4. Ehemaliger Familienautobefuerworter
  5. Und nicht zuletzt: Ehemaliger Fussgaenger.

Scheiss auf Gehen! Ich fahr zum Essen ne Runde um den Block und leere dabei den halben Tank! Ich fahre aus meinem Zimmer runter in die Lobby zum Fruehstuecken! Ich fahre von der Couch zum Klo und zurueck! Yes! Und da erscheint es auch gar nicht mehr absurd, dass ich um 3 am Nachmittag in einer Tankstelle einkehre, fuer laecherliche 10 Dollar tanke und dann die folgenden 60 minuten den Fensterputz-Schrubber fuer mich in Anspruch nehme und damit das komplette Auto wasche. Von oben bis unten, bis es blitzt. Da kommt auch schon ne etwas aeltere schwarze Lady auf mich zu.. “It is fast, isn’t it? Haha, this is a good car!” Ich schwaerme von dem Solariumsgetoasteten Motorstartgeraeusch und dem Oversize-Auspuff. Alles inklusive, fuer 1750$ (ca. 1,35 Euro).