Der Tag nach Weihnachten. Ich wache auf, viel zu frueh, aber voller Vorfreude. Ich oeffne den Laptop und sehe Lorena in Skype online.

“Heyho!”

nach fuenf Minuten:
“Here’s Enrico [Lorenas Bruder]. Lorena is still asleep.”
“She will write you as soon as she’s awake.”

Klasse, dann kann ich mich wieder aufs Ohr hauen und noch etwas laenger schlafen!
Kaum doese ich weg, werde ich durch ein Klopfen gewegt. Das Geraeusch kommt von der Tuer.
Sicherheitscheck unter der Bettdecke: Keine Morgenlatte zu verzeichnen. Klasse, dann kann ich dem Klopfer ja aufmachen.
Ich ertappe Lorena, die merh oder weniger unabsichtlich wohl mit ihrem Holzbein gegen die Tuer gescheppert sein muss, als sie diese Schneeflocken – Rezept sicher noch aus dem Kindergarten – vor meiner Tuer aufhaengt. Selbstverstaendlich hat sie die Skype-Nachricht geschrieben, um sich etwas Zeit zu verschaffen.
Ach, ich liebe Ueberraschungen.

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Durch Lorenas Strasse fliesst seit Neuestem ein Bach, sodass man aus dem geparktem Auto immer ueber die reissnden Fluten springen muss.

Der Truthahn ist so gut wie fertig…

… denn es gibt ein Weihnachtstag-Gettogether!
Es tauchen etwa 10 Bekannte, Verwandte und Freunde auf, und es wird ausgelassen gefeiert und gegessen. Ich sitze mit meiner Doedel-Weihnachtsmannmuetze vor einem ueberaus komplizierten Kombinationsspiel fuer 3-6jaehrige; das Konzept wurde wohl fuer kuenstlich gezuechtete Nobelpreistraeger im Strampelanzug erstellt. Kurz gesagt, muss man auf einem Verladebahnhof alle Waggons in der richtigen Art und Weise verschieben, sodass die rote Lok ihren Weg aus dem Labyrinth findet.

Drei Kleinkinder sind mit von der Partie: Einer, der dauernd lacht oder weint und ne tolle Latzhose anhat.
Einer, der einen halben Pannetonekuchen mit seinen Wuerschtelfingern aushoelt und aufisst, und nebenbei Grimassen schneidet, und letztlich einer, der recht aggressiv ist.

Aggressiv genug, um mir in einem Spiel entgegenzuhechten, den Kopf vorauszuschicken und seinen ganzen Aufprall auf die Stelle meiner Unterlippe zu konzentrieren, die vor dem Eckzahn liegt. Super, jetzt hab ich nicht nur zwei Aphten in meinem Mund, sondern auch noch eine zusaetzliche offene Wunde! Von dem Moment an mag ich nicht mehr mit dem Jungen spielen und lasse mich von dem Panettone-Verschlingkind inspirieren.


Der ausgehoelte Pannetone

Letzter Ueberlebenstipp: Bringt eure Lippen in Sicherheit, und probiert niemals diesen Schlecker, der aussieht wie eine Babynuckelflasche, aber gruenes, zungenfarbendes Brausepulver drinnen hat – der ist so sauer, dass einem die Geschmacksporen explodieren.

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