Nach einem zur Perfektion ausgedehnten Fruehstueck wollen wir Pete noch ein paar Teile von Los Angeles zeigen, die seinen Eindruck der Stadt bereichern sollen.

Lorena lotst uns zur Villa der Beckhams (mit der Anmerkung,dass wir sicher Fotos davon machen wollen), welche sich eigentlich als eine einzige haushohe Hecke entpuppt. Wer “Over the Hedge” gesehen hat, weiss, von welchen Proportionen wir hier sprechen – lueckenloser Sichtschutz gegen jede Form von Papparazzis, Steuerbegutachtern und Voyeuristmus-Selbsthilfe-Ignoriergruppen.


Gemeinschaftliches Hecken-Anschauen fuehrt bei Frauen zu sofortigem Tiefschlaf.

Um Pete mit Insiderwissen zu beeindrucken, schwaerme ich davon, wie das Kommerzkarusell HollywoodBlvd. eigentlich als kleine Wohnstrasse beginnt. Sunset Boulevard kann man von Santa Monica bis Downtown Los Angeles durchfahren, und Hollywood Blvd. befindet sich leicht noerdlich davon – faengt an einer mir unbekannten Stelle an und hoert im Nichts wieder auf; demnach weit kuerzer als Sunset Boulevard.
Ich biege in eine gefuehlsmaessig vielversprechende Seitenstrasse ein, lande nach kurvenreicher Fahrt und deftigem Hoehenmeter-Sauerstoffmangel aber in einer Sackgasse. Die Sackgasse haette einen schoenen Ausblick, waeren da nicht all diese Baeume – und ich, flexibel und unfehlbar von Natur aus, aendere mein Ziel siegessicher auf “Finden von tollem Ausblick”.

Beim zweiten Anlauf, nach dem Durchqueren eines Strassennetzes zwischen Bonzenvillen und Schauspieler-Einsiedlerhoehlen, entdecken wir eine erdige Auffahrtsstrasse mit der Aufschrift “Street Acces only for Residents“. Links von der Auffahrt liegt eine grosse, bevoelkerte Baustelle einer Luxusvilla, waehrend sich die staubige Strasse steil eine Klippe hochwindet.
Ich sehe meine zwei Passagiere an und ignoriere ihren Protest; auf der Klippe scheint mir intensives Orange einer frueh untergehenden Nachmittagssonne entgegen: Sonnenlicht vom Horizont kommend bedeutet freie Sichtlinie vom Berghang zum Horizont. Gut, dass ich das ShamuShuttle fahre, parke, und vorauslaufe. Begeisterung: die Aussicht wird wieder durch fiese Buesche versperrt.

Meine beiden Mitreisenden werfen das Handtuch (“It’s private property, right there is their house”, mit Gesten zum Haus am Ende der Auffahrt – das warme Wetter laesst die Weicheier aufbluehen), woraufhin ich aus Protest noch hoeher laufe, die Auffahrt zu meinem Erstaunen am Haus vorbei eine Haarnadelkurve macht und sich mir ploetzlich eine der beeindruckendsten Aussichten jemals bietet – weitaus besser als beim Hollywoodsign oder dem Griffith Observatorium. Zugegebenermassen, damals war es Sommer, sprich damals gab es statt Luft so dichten Smog, dass die Sicht auf die eigenen Stinkerkasler ohne CO2-Filter unmoeglich wird.
Die genaue Adresse dieser geheimen Auffahrt kann ich aus ethischen Gruenden nicht preisgeben; schliesslich wollen die Multimillionaere ja auch mal ihre Ruhe haben.
Fazit: Auto mieten und selber so einen Punkt finden – wenn noetig, muss man eben die Eier haben, Regeln zu ignorieren.


Ich habe gottseidank den Autoschluessel, schwaerme von der Aussicht, und brumme im Nu samt den zwei trotzigen Moechtegerntouristen mit dem Minivan die Residents-Only-Auffahrt hoch.


Da wohnen … das waer was. Papierflieger ins Tal schmeissen, so viel ich will!


Downtown LA mit komplett untypisch-prallen Wolken. Schoenheitschirurgie mit Photoshop, versteht sich.


Zwei Spanner.Wollen bestimmt die Beckham-Villa von oben ausspechteln.

Beim anschliessenden Abwaertsrollen sehen wir ein Strassenschild mit der Aufschrift “Hollywood Blvd.”. Ich war schon kurz vor dem Aufgeben, und ploetzlich finde ich im unwegsamsten Bergland das, was ich anfangs suchte. Damit geht es schnurstracks zum Hollywood & Highland Shoppingcenter!


Die Elefanten sind besonders geschmackvoll gewaehlt – ueberlebensgrosser Chinatown-Kitsch, der das Einkaufszentrum einzigartig macht.

Der grossgewordene Junge von der Werbung – einmal mit und einmal ohne Haupthaar. So australisch wie noch nie!


Am Ende des Tages war Pete nur mehr “Daddy” und die Geschwisterliebe echt unerhoert. Es ist eine Familienaffaere!

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