Archive for December, 2008


Es ist keine Frage: Die USA sind so unglaublich fortschrittlich, dass uns Europaern die Muender nur so offen stehen: Laserkanonen, frittiertes Essen und 7 Durschnittsbuerger der US-Bevoelkerung wiegen genauso viel wie ein ganzes Dorf in Indien.

Da wird es uns kaum verwundern, wenn man in Los Angeles Recycling eine ebenso hohe Wertschaetzung zukommen laesst wie oeffentlichem Verkehr. Auf der Strasse gibt es manchmal blaue Recycling-Boxen, in die man Papier, Dosen und Plastik gleichermassen werfen kann. Bloss gibt es diese Recyclingboxen nur in reichen Apartmentkomplexen; im Rest der Stadt verlaesst man sich lieber auf die guten, alten Metallcontainer, in denen man alles vom zweimal gebrauchten Kondom bis zu den Ueberresten einer Burger-Orgie entsorgen kann.

Und wie der leibe Leser erwartet, wird es natuerlich noch etwas geben: Eine Recycling-Zentrale.
Mit dieser Zentrale meine ich eine Station, die Dosen, Zeitungspapier und Plastikflaschen zurueckkauft und somit eine Art Pfand auf jedes recyclebare Gut vergibt. Lorena und ich fahren mit dem Shamu Shuttle, gerammelt voll mit leeren PET-Flaschen und saeckeweise gestapelten alten Zeitungen im Kofferraum, zum Freeway. Eine mit Faehnchen geschmueckte Tankstelle zelebriert mal wieder den amerikanischen Traum, waehrend ein Obdachloser auf dem Gehsteig dahingedeiht.


Wie huebsch


“look there, take a picture of him!” – schade, dass ich am Steuer war.

Etwa 10 Minuten auf dem Freeway, bevor wir die Ausfahrt “Cloverfield” nehmen. Eine industrielle Gegend mit einem Unuebersehbaren Mittelpunkt: Einer gigantischen, amerikanischen Flagge. So gross, dass nur kleine Teile der Flagge flattern, und das grosse Ganze traege auf- und absinkt. Dieser Flaggenfetisch der Amerikaner ging mir anfangs derbst auf den Sack, ist jetzt aber eine akzeptable Dekoration geworden.


Im Vordergrund: Muelltrucks. Die Flagge muss wohl an die 15m x 10m gross sein.


So sieht Recycling in LA aus: abgefuckte Container, liebevoller Stacheldraht rund um das Recyclingcenter und im Hintergrund die US-Flagge.


Tobi Bond


Flaggenfetisch


Zum ersten Mal von einem Menschenauge in Kalifornien gesichtet:
1) Berge
2) Schnee

“Let’s watch a movie at your place!”, sagt Lorena zu Rachel, waehrend sie in meine Pommes langt.
“Alright, but we need Banana Pudding.”

Mit Banana Pudding ist Bananenpudding von einem Pudding-Spezialitaetengeschaeft auf dem Rodeo Drive gemeint. Von dem Preis erfahre ich natuerlich erst, nachdem Rachel ihre Kreditkarte ueber die Theke schiebt. 7$ fuer nen verfluchten Pudding, kein Wunder, dass die Wirtschaft in einer Krise steht. Doch alle sieben Dollar stellen sich nach dem ersten Bissen als gelungene Investition heraus – der Pudding ist alles andere al Pudding, mehr eine klebrige Masse mit ungekannter Konsistenz und leckeren Geschmackstuepfeln – ein pickig-teures Vergnuegen fuer den luxorioesen Auslandszivildiener.

Rachel hat, wie der Zufall es will, zuhause DVDs rumliegen, die von den Academy Awards – bei uns bekannt als Oscars – versendet werden, um die Meinung von Leuten zu bekommen. Die DVDs sind wie kleine Hochsicherheitsgefaengnisse; kopiert man sie zum Beispiel, hinterlaesst sie ein Wasserzeichen im Video, das genau auf den Empfaenger dieser Leih-DVD zurueckzufuehren ist.
“For your consideration” und “For a limited time” sind die Mottos. Toll, dass man einen Film 100% legal zu sehen bekommt, der vielleicht Oscar-nominiert wird, von den Oscar-Machern kommt und noch nicht einmal ordentliche Promotion-Kampagnen online hat; von einem offiziellen Filmposter ganz zu schweigen.

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Australia

Der Film mit Wolverine und Nicole Kidman spielt im Wilden Australien. Der Film handelt um die Ehefrau eines gemeuchelten Kuhzuechters, einem wilden Cowboy und Viehtreiber, und einem kleinen, halb weissen, halb aboriginalem Jungen. Die Frau uebernimmt die Farm und die Herausforderung, die Kuehe quer ueber den Staat zu treiben, um sie in bares Geld zu verwandeln und das Marktmonopol des Kuhzuechter-Boesewichts aufzuheben.
Die Story will ich nicht weiter verraten, aber scheint sich der Film dem Ende zuzuneigen, faengt wieder eine neue Geschichte an, und wieder und wieder. Waere als Trilogie oder drei voellig unabhaengige Filme sicher besser gekommen.

Die Romanze der Kuhliebhaber ist recht kitschig, dafuer bietet der Film allen Wolverine-Groupie-Kreischmonstern eine Menge Masturbatiervorlagen. Abgesehen von der anstrengenden Laenge des Filmes, ist die verwirrend erzaehlte Story das einzig wirkliche Manko; die Bilder sind atemberaubend und unglaublich farbintensiv, die Schauspieler mitreissend, und der Flair des Filmes unverkennbar.

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Wir entschliessen uns, eine Filmnacht zu machen. Damit muss natuerlich Lorenas Mama einverstanden sein. Rachel gibt das Telefon ihrer Mutter, und wir hoeren aus der Distanz:
“Hm, yeah … yeah, the kids want to do a movie night.”
“Yes. Of course, the boy sleeps in the basement.” – und das nur, weil ich ein Junge bin.
Ehrlich gesagt, der Keller ist superkomfortabel, da schlafe ich gerne fernab von den Damen.

“I’ll be just in the bathroom!”, ruft Lorena und springt von Rachels Queensize-Bett. Rachel und ich laestern ueber sie, und als eine Gespraechspause eintritt, hoert man aus dem Badezimmer: “Keep on talking, guys!”
Wir reden weiter, als schallendes Gelaechter aus der Toilette kommt. “Keep talking!”
Wieder schallendes Gelaechter. “You farted, right?”, rufe ich.

Lorena kommt aus dem Badezimmer, mit rotem Kopf.
“I farted, but I didn’t want you to hear!”
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The Curious Case of Benjamin Button

Brad Pitt als Mensch mit Gendefekt: Er kommt als alter Mann auf die Welt, und anstatt zu altern, wird er immer juenger. Als Dreijaehriger sieht er aus wie ein geschrumpelter Opa, und als fuenfjaehriger Faltenfritzi trifft er ein kleines, roothariges Maedchen, mit dem er sich schnell anfreudet. Jahre spaeter, als er etwa zwanzig ist und aussieht wie 50, trifft er das rootharige Maedchen wieder, und verliebt sich in sie. Im Herzrhytmus-Takt wird der gut erzaehlte Film durch oede Krankenhausszenen unterbrochen, in denen man die ehemalige Rotschoepfin als Greisin am Sterbebett liegen sieht, und der Film von der in Benjamins Tagebuch lesenden Tochter erzaehlt wird.

Die Idee ist grandios, und das Skript sowie die gesamte Interaktion der beiden Liebenden, die in verschiedene Richtungen altern, istr traurig und faszinierend zugleich. Der Film ist in grau-, ausgewaschenen blau- und Beigetoenen gehalten und ebenfalls viel zu lange. In der Hinsicht von Laenge haetten sich die Schreiber/kreativen Leiter des Projekts an Butterfly Effect eine Scheibe abschneiden koennen.

Nichtsdestotrotz, alleine schon wegen der Idee selbst sehenswert.

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Nach einer mikrigen Runde Forest Gump sind die Maedchen schlaefrig und die Gernegross-Filmnacht vorbei. In dem Alter schon so weich in den Eiern sein, das kann gar nicht gesund sein.

Der Tag nach Weihnachten. Ich wache auf, viel zu frueh, aber voller Vorfreude. Ich oeffne den Laptop und sehe Lorena in Skype online.

“Heyho!”

nach fuenf Minuten:
“Here’s Enrico [Lorenas Bruder]. Lorena is still asleep.”
“She will write you as soon as she’s awake.”

Klasse, dann kann ich mich wieder aufs Ohr hauen und noch etwas laenger schlafen!
Kaum doese ich weg, werde ich durch ein Klopfen gewegt. Das Geraeusch kommt von der Tuer.
Sicherheitscheck unter der Bettdecke: Keine Morgenlatte zu verzeichnen. Klasse, dann kann ich dem Klopfer ja aufmachen.
Ich ertappe Lorena, die merh oder weniger unabsichtlich wohl mit ihrem Holzbein gegen die Tuer gescheppert sein muss, als sie diese Schneeflocken – Rezept sicher noch aus dem Kindergarten – vor meiner Tuer aufhaengt. Selbstverstaendlich hat sie die Skype-Nachricht geschrieben, um sich etwas Zeit zu verschaffen.
Ach, ich liebe Ueberraschungen.

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Durch Lorenas Strasse fliesst seit Neuestem ein Bach, sodass man aus dem geparktem Auto immer ueber die reissnden Fluten springen muss.

Der Truthahn ist so gut wie fertig…

… denn es gibt ein Weihnachtstag-Gettogether!
Es tauchen etwa 10 Bekannte, Verwandte und Freunde auf, und es wird ausgelassen gefeiert und gegessen. Ich sitze mit meiner Doedel-Weihnachtsmannmuetze vor einem ueberaus komplizierten Kombinationsspiel fuer 3-6jaehrige; das Konzept wurde wohl fuer kuenstlich gezuechtete Nobelpreistraeger im Strampelanzug erstellt. Kurz gesagt, muss man auf einem Verladebahnhof alle Waggons in der richtigen Art und Weise verschieben, sodass die rote Lok ihren Weg aus dem Labyrinth findet.

Drei Kleinkinder sind mit von der Partie: Einer, der dauernd lacht oder weint und ne tolle Latzhose anhat.
Einer, der einen halben Pannetonekuchen mit seinen Wuerschtelfingern aushoelt und aufisst, und nebenbei Grimassen schneidet, und letztlich einer, der recht aggressiv ist.

Aggressiv genug, um mir in einem Spiel entgegenzuhechten, den Kopf vorauszuschicken und seinen ganzen Aufprall auf die Stelle meiner Unterlippe zu konzentrieren, die vor dem Eckzahn liegt. Super, jetzt hab ich nicht nur zwei Aphten in meinem Mund, sondern auch noch eine zusaetzliche offene Wunde! Von dem Moment an mag ich nicht mehr mit dem Jungen spielen und lasse mich von dem Panettone-Verschlingkind inspirieren.


Der ausgehoelte Pannetone

Letzter Ueberlebenstipp: Bringt eure Lippen in Sicherheit, und probiert niemals diesen Schlecker, der aussieht wie eine Babynuckelflasche, aber gruenes, zungenfarbendes Brausepulver drinnen hat – der ist so sauer, dass einem die Geschmacksporen explodieren.

Das sollte mein erstes einsames Weihnachten werden. Alle meine Freunde in Los Angeles feiern entweder mit ihrer Familie oder sind ausserhalb der Stadt. Das klingt hart, sollte aber nicht so wild sein. Ich wuerde einfach durch die Stadt laufen und Fotos von den leeren Strassen machen, endlich mal meinen Blog nachholen, der schon vier Tage im Verzug ist, Weihnachtslieder hoeren und die soziale Stille geniessen.

Als Lorena dann doch zusagte, dass ich mit ihrer Familie gemeinsam Weihnachten feiern duerfe, wenn ich mich benehme, war ich froh. Der Spruch “An Weihnachten sollte niemand alleine sein” hat etwas Wahres an sich.
Und so unweihnachtlich das Wetter ist – bewoelkt und zehn Grad plus – so weihnachtlich sind die Vorbereitungen: Wir kaufen uns bei einem iranischen Mini-Supermarkt ein dickes Stueck Fleisch, das wir in der Kueche abliefern, um den Truthahn zu empfangen.

Wie dem Durchschnittseuropaer bekannt sein duerfte, ist der amerikanische Weihnachtstag – 25. Dezember – das Aequivalent zu unserem Weihnachtsabend am Vierundzwanzigsten. Wer sich das nicht merken kann, der erinnere sich einfach an Kevin allein in New York, wo die Kinder aufwachen und am Morgen die Geschenke auspacken.

Der Truthahn ist fett, und dort wo mal der Kopf und Hals war, ist einfach ein grosses Stueck Haut, welches man tief in den Koerper des federlosen genossen druecken kann. Mit einer moerderisch grossen Spritze saugt man nun Wein auf, sticht irgendwo in eine fleischige Gegend, und kann beobachten, wie sich der Truthahn simultan zur niedergehenden Spritze aufblaeht. Drueckt man schnell genug, spritzt einem sogar der Wein aus ein paar Hautporen des Truthahns wieder entgegen. Total romantisch.
Den Wein kann man auch mit Butter mixen, was die Konsistenz und das Spritzverhalten veraendert.
Am Ende hat man dem armen Kadaver dann nen Liter Wein und ein paar Feinunzen Butter in die Blutbahnen gejagt, und er ist reif fuer die Konservaierung und anschliessende Backnacht.
Ich fuehle mich ein wenig wie Doktor Frankenstein.

Fuer ein paar Stunden borge ich mir das Shamu Shuttle und mache in meinem – ja, ganz alleine meins – Apartment die Geschenke fertig. Um 6:50PM bin ich bereit fuer Schritt 1 der Weihnachtszeremonie: In die Kirche gehen. Ich bin katholisch aufgezogen worden, war Ministrant, bin aber vom gueldernen Pfad abgekommen und wurde agnostisch. Ich gehe nicht gerne in die Kirche, ausser ich mag die Messe gerne sehen (wie bei uns zuhause die Weihnachtsmesse), oder um jemandem einen Gefallen zu tun, wie in diesem Fall.
Das Kirchenschiff ist rechteckig und modern, sieht genau gesagt komplett beschissen aus. Die paar Heiligenbilder auf der Wand lassen auch keine richtige Stimmung aufkommen – bloss der kleine Gospelchor aus Altarknaben und -Knaebinnen sowie die Kniefall-Polsterungen in den Baenken zeugen von Kirchenstatus.

Waehrend der Spendenzeit kommen zwei kleine Jungs und eine Dame in den Wechseljahren mit Koerbchen durch die Reihen gehuscht. Der eine Junge ist ein Schulknabe mit Krawatte und Mini-Anzug, blonden Haaren und Schwammerlfrisur, ganz korrekt und aufmerksam.
“Ooooh he is SO cute! Like a little man [meeeean]!”, jauchzt Lorena und zeigt auf den anderen Jungen. Bierbauch mit zwoelf Jahren, rahmenlose Brille, Combover-Scheitel, ebenfalls blond, und einfach zu fett fuer sein Alter. Keine Ahnung, was daran schnuckelig sein soll.

Im Gesangsheft finde ich einen fett-kursiv gedruckten Hinweis:

We believe in the communion of bread and wine. Many do not share our beliefs. If you don’t wish to receive a communion, you can come to the front with crossed arms over your chest to receive a blessing. If you don’t want to receive a blessing or communion, please stay seated and join the singing.

Da haust dich weg, in der Osisris-Position sich als Unglaeubiger outen, haettet ihr wohl gerne!
Als sich so gut wie die ganze Kirche erhebt, um in den Mittelgang zu stroemen, zischt ploetzlich von links, vom Kreuzgang aus: “Exxxxxcuuuuseee meeee!!”
Ich drehe meinen Kopf und sehe diesen erschreckend korrekten Volksschueler im Anzug dastehen, mit seinen Armen fuchtelnd. “Exxxcuuuuseee meeee!!!”, fluestert er gequetscht und mit Beharrlichkeit, deutet mir, in den Mittelgang zu kommen. Ich schuettle den Kopf “It’s fine”
Er wendet sich zur naechsten Reihe. “Exxxcuuuuseee meee!!”
So geht das ganze weiter, bis alle brav in den Mittelgang gekommen sind.

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Nach der Kirche gibt es ein kleines Gettogether mit Katrine’s weiblicher Seite der Familie, ein grosses Dinner (die Fischsuppe war ziemlich salzig) und schlussendlich Bescherung. Lorenas Mama laesst uns ein Spiel spielen, bei dem man mit Wuerfeln zwischen vier verpackten Geschenken waehlen kann – und keiner ausser ihr weiss, was sich in den Geschenken befindet. Nach grandiosen Diebesaktionen (bei einem Pasch kann man sein Geschenk mit einem anderen vertauschen) und subtilem Herantasten an das richtige Geschenk (“Mom, do I really want to get number three? Just as a rhetorical question!”), droehnender Weihnachtsmusik, die wir alle fuenf Minuten wechseln (“Oh my God, I hate that song!”), sind alle Geschenke verteilt und auf allen Gesichter findet man ein Lachen.

Ist doch irgendwie besser, als alleine mit einer Kamera durch die Stadt zu laufen.

“Nevada!” – BAM
“Arizona!” – ZACK
“Ohio!” – TUSCH
“Florida!” – BONK
Missisippi, Texas, Washington, South Carolina – Bumm, krach, tot!

Lorena und ich haben ein Spiel mit Autokennzeichen. Bessergesagt, Lorena hat ein Spiel und ich spiele aus gekuenstelter Freundlichkeit mit.
Wie auch immer die Opferrollenverteilung aussehen mag, die Regeln gehen so: Sieht frau ein Kennzeichen von ausserhalb des Staates, schreit frau es laut heraus und boxt ihren Beifahrer oder Fahrer auf die Schulter. Dank meiner unkorrigierten Schasaugertigkeit bin ich mehr oder weniger mittellos, da der jeweilige Staat nur ganz klein oben am Kennzeichen vermerkt ist; Lorena hingegen traegt Tageslinsen und hat den sexistischen Vorteil von weiblicher Intuition und Multitasking.
Wer meine blauen Flecken zaehlen kommen moechte, sei herzlich willkommen.

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“Toby! There! It’s an Olympic license plate again! This guy was in the Olympics!”
Das Auto vor uns hat, fuer mich als Fahrer gerade noch erkennbar, olympische Ringe am Kennzeichen.
“Go and ask him, we’re on a red light.”
“No. I don’t want to.”
Der Motor brummt. “Coward. I can’t go ask him, because I’m the driver, and that would be irresponsible.”
Gruen. Wir fahren los. Der Wagen bleibt vor uns. Irresponsible? Weil ich als Fahrer bei einer Ampel aus dem Auto springe und einen anderen Fahrer etwas frage? Fuck that!
Die Ampel zeigt rot. Handbremse, Parking-Gear, weg mit dem Sicherheitsgurt, und schon stehe ich am Fenster des Fahrers.
“Hey, you have an olympic license plate! How comes?”
“Oh, this was issued in ’84, you know, there were the Olympics in L.A. …”
“Cool, thanks man!”

Ich laufe zurueck zum Auto. Laecherlich, wenn ich das nicht getan haette. Was waere das Schlimmste, das passieren haette koennen? Eine Hup-Tirade … so what? Sich von diesen kleinen Aengsten im Leben zurueckhalten zu lassen, macht das Leben einfach nur eintoeniger und kuerzer.

Willst du etwas tun, und dein Verstand meint “Ne, das ist nicht so toll, lass mal lieber sein” – dann solltest du dir die folgende Frage stellen: “Koennte ich bei dieser Entscheidung draufgehen, ins Gefaengnis geworfen werden, jemandem schaden oder eine Strafe zahlen muessen?” Falls dieAntwort nein lautet, dann wirst du nur von der natuerlichen Feiglingshaftigkeit zurueckgehalten.

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Herbst? Verdammte Importbaeume.


Happy Chanukkah in der Einkaufshalle Westwood Pavillion


Hierher kommen wir, um Robert zu treffen und ein Foto mit dem Weihnachtsmann zu machen – 15$ fuer ein Foto mit einem Fettsack in Verkleidung ist aber eine gesalzene Frechheit, und ich entsage.

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Am Abend besuchen wir Danielles Haus, in dem eine Weihnachtsparty einen Tag vor Weihnachten steigt. Ein 17-Fuss-Christbaum mit einer 2 Fuss langen Spitze: 6 Maenner brauchte es, um dieses Monstrum aufzustellen und zu schmuecken. Danielles kleine Schwester sieht uns beide Arm in Arm kommen, und umarm Lorena. Wie ich spaeter herausfinde, fluestert sie waehrend der Umarmung “Oooooh my god, Lorena, I LOVE your boyfriend!” So n bisschen Obessions- und Groupieverhalten ist schon sehr charmant, laeuft runter wie Butter auf meiner narzisstischen Hakennase!
Ich furze mal wieder ungebremst – in den letzten Tagen hat mein Darm wohl auf Treibhausgas-Produktion umgestellt.


Basketball fuer die Kleinen…


Und Football, Sex und Drogen fuer die Grossen!


Das wird gegen Anfang Jaenner bestimmt ein grossartiges Lagerfeuer.

Nach einem zur Perfektion ausgedehnten Fruehstueck wollen wir Pete noch ein paar Teile von Los Angeles zeigen, die seinen Eindruck der Stadt bereichern sollen.

Lorena lotst uns zur Villa der Beckhams (mit der Anmerkung,dass wir sicher Fotos davon machen wollen), welche sich eigentlich als eine einzige haushohe Hecke entpuppt. Wer “Over the Hedge” gesehen hat, weiss, von welchen Proportionen wir hier sprechen – lueckenloser Sichtschutz gegen jede Form von Papparazzis, Steuerbegutachtern und Voyeuristmus-Selbsthilfe-Ignoriergruppen.


Gemeinschaftliches Hecken-Anschauen fuehrt bei Frauen zu sofortigem Tiefschlaf.

Um Pete mit Insiderwissen zu beeindrucken, schwaerme ich davon, wie das Kommerzkarusell HollywoodBlvd. eigentlich als kleine Wohnstrasse beginnt. Sunset Boulevard kann man von Santa Monica bis Downtown Los Angeles durchfahren, und Hollywood Blvd. befindet sich leicht noerdlich davon – faengt an einer mir unbekannten Stelle an und hoert im Nichts wieder auf; demnach weit kuerzer als Sunset Boulevard.
Ich biege in eine gefuehlsmaessig vielversprechende Seitenstrasse ein, lande nach kurvenreicher Fahrt und deftigem Hoehenmeter-Sauerstoffmangel aber in einer Sackgasse. Die Sackgasse haette einen schoenen Ausblick, waeren da nicht all diese Baeume – und ich, flexibel und unfehlbar von Natur aus, aendere mein Ziel siegessicher auf “Finden von tollem Ausblick”.

Beim zweiten Anlauf, nach dem Durchqueren eines Strassennetzes zwischen Bonzenvillen und Schauspieler-Einsiedlerhoehlen, entdecken wir eine erdige Auffahrtsstrasse mit der Aufschrift “Street Acces only for Residents“. Links von der Auffahrt liegt eine grosse, bevoelkerte Baustelle einer Luxusvilla, waehrend sich die staubige Strasse steil eine Klippe hochwindet.
Ich sehe meine zwei Passagiere an und ignoriere ihren Protest; auf der Klippe scheint mir intensives Orange einer frueh untergehenden Nachmittagssonne entgegen: Sonnenlicht vom Horizont kommend bedeutet freie Sichtlinie vom Berghang zum Horizont. Gut, dass ich das ShamuShuttle fahre, parke, und vorauslaufe. Begeisterung: die Aussicht wird wieder durch fiese Buesche versperrt.

Meine beiden Mitreisenden werfen das Handtuch (“It’s private property, right there is their house”, mit Gesten zum Haus am Ende der Auffahrt – das warme Wetter laesst die Weicheier aufbluehen), woraufhin ich aus Protest noch hoeher laufe, die Auffahrt zu meinem Erstaunen am Haus vorbei eine Haarnadelkurve macht und sich mir ploetzlich eine der beeindruckendsten Aussichten jemals bietet – weitaus besser als beim Hollywoodsign oder dem Griffith Observatorium. Zugegebenermassen, damals war es Sommer, sprich damals gab es statt Luft so dichten Smog, dass die Sicht auf die eigenen Stinkerkasler ohne CO2-Filter unmoeglich wird.
Die genaue Adresse dieser geheimen Auffahrt kann ich aus ethischen Gruenden nicht preisgeben; schliesslich wollen die Multimillionaere ja auch mal ihre Ruhe haben.
Fazit: Auto mieten und selber so einen Punkt finden – wenn noetig, muss man eben die Eier haben, Regeln zu ignorieren.


Ich habe gottseidank den Autoschluessel, schwaerme von der Aussicht, und brumme im Nu samt den zwei trotzigen Moechtegerntouristen mit dem Minivan die Residents-Only-Auffahrt hoch.


Da wohnen … das waer was. Papierflieger ins Tal schmeissen, so viel ich will!


Downtown LA mit komplett untypisch-prallen Wolken. Schoenheitschirurgie mit Photoshop, versteht sich.


Zwei Spanner.Wollen bestimmt die Beckham-Villa von oben ausspechteln.

Beim anschliessenden Abwaertsrollen sehen wir ein Strassenschild mit der Aufschrift “Hollywood Blvd.”. Ich war schon kurz vor dem Aufgeben, und ploetzlich finde ich im unwegsamsten Bergland das, was ich anfangs suchte. Damit geht es schnurstracks zum Hollywood & Highland Shoppingcenter!


Die Elefanten sind besonders geschmackvoll gewaehlt – ueberlebensgrosser Chinatown-Kitsch, der das Einkaufszentrum einzigartig macht.

Der grossgewordene Junge von der Werbung – einmal mit und einmal ohne Haupthaar. So australisch wie noch nie!


Am Ende des Tages war Pete nur mehr “Daddy” und die Geschwisterliebe echt unerhoert. Es ist eine Familienaffaere!

Pete, mit dem ich gemeinsam auf Lake Superior war, nach Toronto fuhr und in Boston rumlatschte, fliegt fuer Weihnachten nach Australien – und macht in Los Angeles fuer 36 Stunden Zwischenstopp. Da zum Zeitpunkt dieses Eintrags “2:39, Weihnachtsnacht” auf meiner Zeitanzeige steht, lasse ich euch aus den Bildern die Story zusammensetzen.
Anzumerken waere dennoch, dass Lorenas Bruder seit meiner Ankunft anwesend ist, ich ihn bisher aber nur im Haus getroffen habe – der Ausflug nach Venice war demnach eine nervenzerbroeselnde “Bonding Experience”. Kein Grapschen, keine sexuellen Anspielungen … der liebe Leser wird sich nun fragen, Tobias, was kannst du denn sonst noch ausser diesen zwei Kommunikationsformen?


Polizeikontrolle am Flughafen


Das LAX-Schild an der Einfahrt zu den Terminals. Das “X” in der Namensgebung ist uebrigens nur dort, weil das Planungsteam einen dritten Buchstaben brauchte, und X einfach cool fuer die Planer klang.


Orange Blaetter in Los Angeles – da ist was falsch


The Shamu Shuttle – ein Sticker, den Lorena’s Freundin Mar ihr zu Weihnachten vermachte


Feuerwehr in Venice Beach


Diese gigantische Bteonhantel symbolisiert Muscle Beach, ein Teil von Venice Beach – hier fing Arnold Schwarzenegger seine Karriere vom Anabolikaindikator zum Terminator zum Governator an.


Pete mit seinen durchaus unaustralischen Sonnebrillen. Eine Schande, dass er sie dann doch nicht kauft.


Veteran? Nikolaus? Hackefett und Arbeitslos?


Sprayerwall in Venice Beach – der Mann im Vordergrund traegt als einziger eine Atemschutzmaske


Sprayen ist sogar legal hier – bloss muss man sich davor anmelden.


Das ist Venice Beach: Eine Menge Passanten, eine Geschaefts- und Restaurantfront, eine Unmenge an Moewen, Palmen, breiter Strand, Gras und eine Aussicht bis nach Malibu (die Berge links)


Kaum aus den Windeln, schon mit umgebundenem Luftballon Voegel jagen


Da mach ich natuerlich auch gleich mit, aus Fotogeilheit


Der Drumcircle, der jeden Sonntag Abend zum Sonnenuntergang startet – jeder darf kommen


Dieser Drumcircle sieht ein bisschen anders aus als in Montreal


Super-Klassiker: Mel’s Drive In im klassischen 50er-Diner-Style.


Die Jukebox mit 25c/Song inklusive


Das sind die Stufen aus “Pretty Woman”, die Julia Roberts gerne hinuntergepurzelt waere, wenn nicht “glanzvoll schreiten” im Drehbuch gestanden waere


Bloss weil sich irgendwer dachte, man sollte doch echte 100.000$-Kristallluster auf den Rodeo Drive haengen… ist sicher Panzerglas.

Last but not least versuchen Lorena und ich, Pete das Wii-Bowling beizubringen, ein Heidenspass fuer die ganze Familie – und werden mit der Tatsache konfrontiert, dass er uns Spiel um Spiel haushoch schlaegt, obwohl ich mit maennlicher Beharrlichkeit seit Tagen den richtigen Dreh trainiere, und Lorena im betrunkenen Zustand stundenlang alleine am Wii bowlte, waehrend rund um sie eine Party lief. Ausweichplan: Zwei weitere Freunde in das sonst leere Apartment einladen und sobald alle drei am Fernseher beschaeftigt sind, im Nebenzimmer eine Seance zu legen. Ich kann nachvollziehen, wie sich Eltern fuehlen, die als Entertainer des Nachwuchses komplett die Zeit fuer lebensnotwendige Kopulation verlieren.

Lorena ist auf einer Geburtstagsfete einer Schulfreundin eingeladen, und der edle Gentleman an ihrer Seite kommt natuerlich mit. Einzige Einschraenkung: No PDA. Public Display of Affection. Auf der Fete sind naemlich Eltern und Verwandte anwesend. Also kein Grapschen, Knutschen oder andere eklige Sachen.

Auf dem Weg schiesse ich Fotos aus dem fahrenden Auto, und je weiter oestlich wir kommen, desto mehr Angst habe ich, als Antwort auf meine Fotografie eine Kugel in den Kopf gejagt zu bekommen. Lorena beugt sich uebers Lenkrad und sieht nach oben. “Oooh .. isnt that sad?”
Ich seheueber die Stromleitung haengende, an den Senkeln zusammengebundene Schuhe.
“That’s everywhere in Mexico… now a kid has no shoes!”


Diese Art von Zaeune findet man in den weniger wohlhabenden Nachbarschaften


Das Geburtstagshaus ist gelber, als man von dem Bild denken wuerde.


Geburtstagskinder brauchten schon immer neongrelle, rosa Tights, richtig?


Unglaublich gute Tacos

Manchmal verstehe ich Frauen nicht. Wir schlabbern die oben gesehenen Tacos, und nach vier Stueck ist jeder zum Platzen voll. Auf den Gesichtern machen sich unangenehme Voellegefuehle breit. “Wow that was soooo good!Doesanybody want one more”, meint Lorena, “then I’ll take one more too!”
Sobald also einesder Maedchen sich ueberfrisst, ist das der neue Massstab und damit sozialakzeptabel – eine sehr unmaennliche Logik.
Ein anderes Maedel kommt mit weiteren zwei Tacos angetanzt, “weil sie lecker sind”, und ueberfrisst sich. Ein weiteres serviert sich selbst mitstrahlenden Augen ein weiteres, leckeres Taco – um eine Minute spaeter mit verzweifeltem Blick auf ihr halb vollendetes Werk zu sehen. Komplette Schnapsidee, mehr zu essen, als man kann, “weil sie lecker sind”.


Vier Generationen und ein Kaminfeuer


Erstmal die Vorspeise…

Wir folgen dem Ruf der PDA und verlassen die Party gemeinsam mit Mar und ihrem Freund, um Bowlen zu gehen. In den letzten Tagen spielten wir so viel Wii Bowling, dass wir im echten Bowling bestimmt meisterhaft abschneiden werden. Als wir im Auto vor uns die Silhouetten Mar und ihren Freund zusammenlehnen sehen, schlaegt Lorena auf die Hupe. Und zwar jedes Mal, wenn die beiden vor uns sich kuessen wollen. Als Revanche fuer das Dauerhupen haengt uns das Paerchen in ihrem Sportwagen ganz schoen ab – und in Lorenas Rasernatur sind auch dunkelgelbe Ampeln kein Hindernis.


Downtown L.A. imHintergrund – die Strasse ist absolut typisch fuer Los Angeles: Kleine Stores, alles nur ein Stockwerk hoch – und in der Mitte sechs Spuren.


Dieses Ding ist ne U-Bahn-Station… davon gibts in LA viel zu wenige.


Groesse 12 war echt zu gross. Verdammte Amerikanische Einheiten.

Zum Tagesabschluss geht’s in die Americana Mall, eine riesiges Einkaufscenter im Nordosten von Los Angeles. Alles ist voller Lichter und ueberteuerten Auslagen.


Der nackte Mann darf natuerlich in keiner von einkaufslustigen Frauen uebersaeten Shoppingoease fehlen


Um 10 Uhr stroemt jedermann in eine bestimmte Strasse der Mall, wo ploetzlich aus Lautsprechern “White Christmas” stroemt und Kunstschnee vom Himmel faellt. Ach, wie romantisch.

In den USA gibt es ein paar Supermarktketten, deren Geschaefte nur im Supersize-Format erhaeltlich sind; jeder Laden dieser Kette hat mindestens zehntausend Sachen im Regal stehen. In Amerika ist einfach alles doppelt so gross – die im deutschsprachigen Raum populaere Kette Hofer/Aldi hat aehnliche Quadratmeterleistung wie in den USA der Alternativen-Healthy-Living-Hippster-Laden Trader Joes, der nach dem Prinzip “zierlich, aber manierlich” verkauft. Die Riesen dem Preis nach geordnet:

  1. Food4Less – super Qualitaet, laecherlicher Preis
  2. Ralph’s – relativ teuer, aber immer wieder eine Freude
  3. Whole Foods – etwas teurer als Ralph’s, wenn man keine andere Moeglichkeit hat
  4. Mayfair Market (jetzt Gelson’s Market) – falls man schon genuegend 100$-Scheine zum Spass im Ofen verheizt hat, und die Hose langsam durch das dicke Portemonnaie platzt, dann sollte man schnellstmoeglich diesen Laden aufsuchen.

In Westwood gibt’s leider keinen Food4Less, also tut man im Ralph’s einkaufen tun. Die Exoten unter uns, die neben Bananen, Pfirsichen, Orangen, Aepfeln, Zitronen und Birnen auch schon mal Sazumas, Ananas, Grapefruits oder gar Granataepfel ausprobiert haben, duerfen sich selbst zu kulinarischer Offenheit beglueckwuenschen. Zumindest in oesterreichischen Massstaeben. Geht man jedoch nach Kalifornien, wo nicht nur alles moegliche Obst wachsen kann, sondern auch die Population kulturell total durchgemixt ist, stoesst man dann auf solche Fruechte:

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Zum Abkuehlen der Geschmacksnerven: Arizona-Eistee. Funktioniert auch exzellent zum Kamera-Zerstoeren.

Die letzten Tage kam schreiberisch nicht viel aus zwei Gruenden: Regen und Poker. Aber eher Poker.

An Sachen wie Regen oder gar Winter dachte ich in Los Angeles vielleicht ein, zwei Mal nach einem schwitzigen Alptraum – aber dass das Realitaet werden koennte, wollte ich nicht wahrhaben, bis ich es am eigenen Leibe erfahren musste. Wer fleissig die Temperaturanzeigen im Blog abgelesen hat, der wird unglaubliche, aberwitzige Nummern wie zum Beispiel “7 Grad Celsius” in der Los-Angeles-Box gesehen haben. Und ich hab doch glatt meine oesterreichische Kaelteresistenz aus Gewichtsgruenden und Tollkuehnheit in Montreal zurueckgelassen. Die Idee, meine flauschige Decke mitzunehmen, war in den letzten Naechten lebensrettend; schliesslich besteht die meiste Waermeisolation in Kalifornien aus Fliegengittern und Jalousien.

Tja, und durch das viele Pokerspielen mit Lorena sind meine Wach- und Schlafenszeiten komplett ueber den Haufen geworfen. Zeit genug, mit Lorenas Minivan bei einem Luftballongeschaeft quietschend stehen zu bleiben, die Tuer aufzuschwingen, mit einer Schere zu einem Luftballongeschaeft zu laufen und Schnipp-Schnapp, die grosse Luftballonkette, die dort tagtaeglich neu zur Werbung aufgehaengt wird, abzunabeln, zurueck zum Auto zu laufen, und sie in den Rueckteil des Minivans zu stopfen.
Am Morgen wuerde die Kette so oder so abgeschnitten werden und durch eine neue ersetzt; nehmen wir dem Luftballongeschaeft mal die Arbeit ab und gehen auf einen mitternaechtlichen Raubzug inklusive Fluchtwagen!


Fuegt sich nahtlos in unser Apartment ein…

Geoff hat sich ne neue Karre gekauft, oder bessergesagt, hat er Craigs ehemalige Penisverlaengerung auf vier Raedern fuer einen guten Preis erstanden – Transaktion Marke “Deutschlernender erwirbt 4×4-Pickup-Truck von Surferdude”.

Mit ebendiesem Auto duesen wir gemeinsam zum Getty Museum, einem riesigen Komplex auf einem Berg nahe Beverly Hills. Parken kostet 10$, weswegen wir Kehrtwende machen und einfach in einer nahen Siedlungsstrasse parken – der Dollarkurs ist ja bekanntlich gefaehrlich stark gestiegen, sodass 10$ ploetzlich nicht mehr 0,03 Euro sondern ganze 0,1 Euro sind – Leute, wo bleibt die eben gerade noch so verlaessliche Kriegsinflation, wo ist die amerikanische Waehrungsimpotenz hin?
Fragen eines Europaeers, der gerade noch eben durch die Strassen lief und mit Dollarsacheinen um sich warf. Den Spass kann ich mir jetzt wohl nur noch in Kanada erlauben.

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Das Getty kostet keinen Eintritt, und hat eine eigene Art Zahnradbahn, die einen von der Talstation zum Museum bringt. Wenn man also gerne reisen tut, und nicht gerne zahlen taete, dann soll man einfach die Getty-Gerti auf-und abhobeln! Wir bekommen am Bahnsteig einen beidseitig vollgetexteten Flyer in die Hand gedrueckt, auf dem das Programm fuer nur diesesn einen Tag Platz hat; darunter finden sich Diskussionen von Wissernschaftlern und Philosophen, verschieden thematisierte Touren durch das Museum, Ausstellungen, Vortraege usw.
Ich bin von der Imposanz des Komplexes ueberwaeltigt; ohne Eintritt ein vollgepacktes Programm anzubieten, eine grossartige Architektur bereitzustellen, einen grandiosen Ausblick zu geben und dann noch eine Gratisfahrt mit der Getty-Getrude anzubieten: Unwahrscheinlich sexy. Falls der werte Leser einmal die Chance hat, in LA zu sein, ist das Getty ein must-see.


Der 4×4 – ein maechtiger Schlitten, der keine Randsteine kennt – Einparken kann man zweifellos auch auf einem anderen Auto oben drauf.


Soldatenfriedhof mitten in Westwood – da gehe ich gerne hin und schlecke Eiskrem


Die Getty-Gerti


Der Mann in der Bildmitte ist so beeindruckt, dass er seit 1964 dort steht, 400.000 Filme verschossen  und nebenbei eine halbe Glatze gekriegt hat


Yodel! That’s so tree.

Rechts vorne Century City, hinten links Downtown Los Angeles


Kaktusgarten des Getty


Kaktusgarten des Getty – der ist uebrigens um vieles groesser.


Ein Vortrag ueber uralter Kameras – am Anfang wars ja recht cool, aber dann … Geoff spricht fuer sich selbst.


Die Tschutschu-Bahn des Getty

PS: In Retrospektive auf meine ersten Eintraege merke ich, dass dieser Blog viel zu konservativ geworden ist. Mit sofortiger Wirkung ist die faule Gutbueblichkeit aufgehoben, und die Neuronen der werten Leser sollten sich ganz schnell Keuschheitsguertel zulegen, bevor es zu einem zynisch-extravaganten Brainfuck kommt.