Im ewigen Zyklus des Lernen und schwammartigen Absorbieren von Information bin ich auf eine weitere, grossartige Seite gestossen:

Prophotolife.com

Diese Seite bietet um die dreissig Videotutorials, gemacht von einem schuechtern-professionellem, ruckelig-neurotischem Fotografen zum Besten gegeben werden – und diesmal stehen sowohl Indoor- als auch Outdoor-Shootings auf dem Lehrplan.
Sehr einfach verstaendlich, zeigen diese Tutorials, wie man fotografisch korrekt beleuchtet, selbstgemachtes sowie industrielles Equipment einsetzt und im Prinzip das Handwerk der Beleuchtung lernt. Die Videos haben wenig kuenstlerlischen Anspruch (auch wenn der Mann ‘beautiful’ sagt, obwohl es nicht so knusprig aussieht), aber das war wohl auch beabsichtigt.

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wieder ein Buch fertig gelesen…:

Lighting an the Dramatic Portrait” by Michael Grecco

Amazon

Das mit Abstand beste, interessanteste und informativste Buch zu Beleuchtung in Fotografie, das ich bisher gelesen habe. Michael Grecco ist ein international erfolgreicher Portraitfotograf – Fokus auf die Celebrities und Maechtigen der USA -, der als Fotostudent anfing, zum Fotoreporter wurde, mehr kuenstlerischen Freiraum brauchte und somit als freischaffender Portraitfotograf nach Los Angeles zog.

Am Anfang des Buches klaert er die Frage, wieso er seine Geheimnisse preisgibt: Um anderen aus seinen Erfahrungen profitieren zu lassen, ohne Angst vor Stilkopie zu haben. “Jeder hat seinen eigenen Stil, und niemand kann in meinen Kopf schauen”.

Auf mehr als 100 Seiten mit vielen bunten Bildchen gibt es umfangreiche Skizzen zur Anordnung ganz bestimmter Shots, technische Erlaeuterungen sowohl zur Gestaltung, als auch zur Benutzung des Equipments.
Sei nStil ist – wie der Buchtitel beschreibt – dramatisch, andersartig und trotzdem kommerziell exzellent. Jedes einzelne Bild im Buch wird genauestens diskutiert und die Lichtanordnung per Text und/oder Skizze nachvollziehbar gemacht. Ich bin schwer beeindruckt von der Menge an Information, die ich aus diesem Buch gelernt habe.
Der Grossteil des Buches beschaeftigt sich mit der Beleuchtung, nur ein kleiner Teil mit Posen und Umgang mit dem Modell. Dieses glaenzed-schoene Bilderbuch mit seinen eindrucksvollen, grossen Fotos ist definitiv einen Platz im heimischen Buecherregal wert.

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Nebenbei noch eine Anekdote von vergangener Woche: Auf meiner schmerzvollen Suche nach einem Mittel gegen Aphthen (diese entzuendeten Mondkrater im Mund), welche schon seit meinem LA-Besuch im Dreierpack in meinem Zahnfleisch wuchern, lande ich in einem Familien-Drogeriemarkt. Die nordamerikanischen Drogerien haben einen Ottonormalbuerger-Bereich, und einen abgetrennten Vorrat an rezeptpflichtigen Medikamenten, eine offen sichtbare Apotheke sozusagen.

Ich komme zum Tresen dieser Apotheke und moechte einen Mann im Kittel um Rat fragen, dieser hebt jedoch nur resignierend die Schultern, nachdem er die englischen Laute hoert. Ich will mich an die zweite Dame im Arztoutfit wenden, schnappe dadurch die Konversation der jungen, schlanken Apothekerdame mit bruenetten Haaren und einem 50-jaehrigen, molligen und halbglatzigen Konsumenten mit mittelstarkem Akzent auf.

“You arrrre wasting my time, lady! You called my office that you have the medication ready, so I come, and now you tell me that it is not yet ready and I shall come later?! You arrrrre wasting my time!”

“Please, Mister Agragi. A last time: We called you tol confirm that we have to consult a doctor for your medication. You are wasting my time, so please leave now!”

So geht das etwa fuer fuenf Minuten, hin und her. Mir voellig unverstaendlich, droht die Apothekerin ploetzlich damit, die Polizei zu rufen, was Mister Agragi offensichtlich auf der Suche nach seiner Creme unbeeindruck laesst – und die Frau tatsaechlich den Notruf waehlt.
Ich frage sie nach einem Mittel gegen Aphthen. Als sie mich nach kurzem Ueberlegen in einen Gang leitet, erwaehne ich ihr Streitgespraech.
“He comes every day”, meint sie. “He comes every day and asks for the same freaking creme. I don’t know what to do, I mean, he comes since a month, every day, for his stupid creme?! What does he do with it?! Eat it? Sell it?”

Waehrend ich fuer die empfohlene Mhyrre-Tinktur bezahle (welche Aphthen nicht nur betaeubt, sondern auch zum Schliessungsprozess beitraegt, Jubel!), parkt ein Polizeiwagen vor dem Geschaeft. Ein Mann und eine Frau in Polizei-Kadettenuniform naehern sich der automatischen Eingangstuer – und ich stelle mich ganz interessiert zu den Zahnbuersten, um das Geschehen unauffaellig zu verfolgen. Mr. Agragi streckt dem eintretenden Polizisten sofort seine Hand entgegen. “Mister, I called you, I called the Police. Those two women have a curse on me! They have a curse on me!” – und deutet auf die Apothekerin und die komplett unbeteiligte Verkaeuferin.

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Ich gehe nach einigen Minuten wieder an dem Drogeriemarkt vorbei – und sehe die Kadetten in ihrem Auto einen Kaffee trinken, waehrend Mr. Agragi auf der Rueckbank des Polizeiwagens hin- und herwippt.

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