Wer die neuen, knuddeligen Temperaturanzeigen in diesem Blog bemerkt hat, wird den drastischen Temperaturabfall von Montreal zu Los Angeles sehen. 15-20 Grad an der Westkueste, -6 Grad in der Stadt des Ahornsirups.

Nicht verwunderlich also, dass ich anfangs etwas froestelte – zugegebenermassen bin ich aber total gespannt auf den haertesten Winter, den ich je hatte – bei der Vorstellung von Spitzentemperaturen um die minus dreissig Grad schlaegt mein Almoehi-Herz aus den Alpen hoeher. Um die noetigen Vorkehrungen fuer die bevorstehende Kaelte zu treffen, musste ich etwas fuer die Umwelt tun: Die Isolierung unseres Apartments aufbessern. All unsere Fenster sind Einglaeser, sprich, es gibt im Fenster nur eine einzige Scheibe. Ihr kennt diese Art von Fenstern bestimmt aus alten Gebaeuden, in denen sich Eisblumen bilden. So schoen sie auch sind, der einzige Grund, warum es sie gibt, ist, dass es drinnen warm und draussen heiss ist, durch den Temperaturunterschied Wasser an der Scheibe kondensiert und zu Eis gefriert.
(Pardon, danke an den Leser: Natuerlich ist es draussen arschkalt. Das war wohl ne Spur zu viel weisser Rum gegen die Kaelte..)

Ein Doppelfenster hingegen bietet einen schuetzenden Polster aus Luft – durch die extrem schlechte Waermeleitung von Luft dient dieser Zwischenraum als perfekte Isolierung. Man kaufe eine Plastikfolie und gutes Klebeband, und klebe die Folie aussen oder innen an den Rahmen.

Die naechste Challenge wird der dicke Spalt im Holz sein, bei dem man die Kaelte regelrecht hereinstroemen fuehlt – ich muss mir so etwas wie Schaumstoff kaufen und es in die Ritzen kleben, sodass ich das Fenster immer noch oeffnen kann, obwohl es abgedichtet ist.

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In der Zwischenzeit beschliesse ich, mehr ueber Fotografie zu lernen. Die Nationalbibliothek Quebec in Montreal ist ein 33.000 Quadratmeter grosser Irrgarten zwischen Bergen aus Franzoesich und Hecken aus Englisch. Trotz der frankophonen Sprachdominanz findet sich eine gut sortierte Photographie-Ecke – und aus dieser werde ich mir ein Buch nach dem anderen ausborgen, und selbstverstaendlich hier ganz selbstlos reviewen.

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“People” by Michael Coyne

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Ein exzellentes Buch fuer Reisefotografen. Ich wuerde es nicht kaufen, aber ausborgenswert ist es allemal. Es beschreibt sehr gut, wie man als Reisefotograf mit den Menschen umgehen sollte, die man fotografieren moechte, gibt eine gute Einfuehrung in Reisefotografie und ist kompakt geschrieben. Es gibt Inspirationen fuer Motivwahl, Komposition und eine Menge anderer Grundprinzipien. Der Autor hat ein fundiertes Resumee, das Buch reich bebildert mit teilweise sehr guten Fotografien.

Dieses Buch inspirierte mich zu einem ersten Photo Raid, den ich durchfuehren werde, sobald meine EOS 10D per Post kommt: An einem Wochenends-Tag so viele Menschen wie moeglich ansprechen, ob ich sie fotografieren kann. Willigen sie ein, nicht einfach ein Bild aufnehmen, sondern sie bitten, sich fuer Licht und Komposition hier- und dorthin zu stellen, sie nach Posen fragen oder ihre Kleidung zurechtruecken lassen und so weiter. Erinnert stark an den Acting Test? Ja, der hat mir damals so gut gefallen.

Denn die Devise im Leben sollte sein:
Moechte man etwas koennen, was man noch nicht kann – dann braucht man es nur zu lernen.

Ich kann wunderpraechtig wildfremde Leute anlabern, aber habe noch nie probiert, jemanden Zufaelligen als Sekunden-Fotomodell auszuwaehlen. Die besten Reisefotografien geschehen aber genau auf diese Art und Weise – indem man Menschen fragt, ob man sie fotografieren kann, und im Gegenzug zu ihrer Zustimmung mehr gestalterische Freiheit hat als wenn man einfach nur einen versteckten Voyeur-Shot setzt.

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