“Hey, what do you think of that?”, fragt mich ein unbekannter Dude, der aus irgendeinem Grund am Sofa sitzt. Ich sehe auf seinen Laptopbildschirm. Ein Flyer, gestaltet in Word. Schnoerkelschrift und einfaerbige Stencil-Grafik eines kleinen Jungen, der am Ruecken liegt. PARTY TONIGHT, steht drauf.
“What do you think about it?”
“Hm, I am not sure about the little boy.” Er sieht mich etwas verwundert an und zeigt mir die Grafik ohne Ueberarbeitung – eine geile Schnitte, die am Strand liegt, an den interessanten Stellen nur von Sand bedeckt.
“Oh, that’s better now. If that girl comes to the party, I’ll definately be there..”

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Seitdem ich hier wohne – ueber eine Woche schon – hat sich vieles veraendert. Saubere Dusche, saubere Kueche, alles ist etwas ordentlicher geworden. Ich als Putzfrau habe zum Fruehstueck immer irgendwelche Fruity Loops geklaut, und das schlechte Gewissen sitzt mir seitdem im Genick – also beschliesse ich, der Gemeinsamschaft mein gestohlenes Gut zurueckzuerstatten – und gehe einkaufen. Am Rueckweg denke ich mir, “Hey, ich koennte einfach durch das Unigelaende abkuerzen, die Strassen darin sind bestimmt durchgehend…”
Ui, Fehler, Gschissener.
Ich finde mich ploetzlich in einem Hof wieder, der keinen Ausgang ausser die Flucht nach hinten bietet – oder einen unbewachten Hintereingang. “No Trespassing” steht gross auf der Tuer, und “Entry prohibited”, doch sie oeffnet sich von alleine, und ich watschle mit meinen vollen Einkkaufssackerln in einen Medizin-Trakt. Schnell wird mir klar, dass ich mich in einem echten Krankenhaus befinde und mich nun ewig langen Gaengen mit unbekannter Richtung stellen muss. Alle Exits sind mit diesen gefinkelten Oeffnungssystemen versehen, die gut und gerne einen Feueralarm bei Betaetigung ausloesen koennten.
Ein Blick an die Wand laesst es mir mulmig werden.
Neuro-Psychiatric Tract.
Ein Paar kommt mir entgegen – eine kleine Frau, die einen grossen Mann stuetzt. Um die 60, in einem Krankenhaus-Patientenkittel, mit einem breiten Lederguertel um die Brust. Psychiatrische Anstalt. “This guy, we should follow this guy.”, sagt er und lacht. Ich lache huestelnd und spuere, wie mir der Horror ins Gesicht geschrieben steht. Nichts wie raus hier.
Ich entdecke eine Aerztin, die gerade eine Exit-Tuer geoeffnet hat, und schlittere hinter ihr in die Freiheit. Im weiteren, 20-minuetigen Weg ueber den halben Campus wird das Bild der gigantischen UCLA immer deutlicher – absolut kein Vergleich mit unseren 4-Gebaeude-Unis. Unis in den USA sind typischerweise kleine Staedte.

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Abends, also ich mit Lorena, Eurie und einem weiteren Maedel huckepack antanze, traue ich meinen Augen nicht: Erstmal ist die Party noch sowas von nicht im Gange, aber vielmehr ist ploetzlich der ganze Boden staubgesaugt, der Muell verschwunden, die Tische leer und aufgeraeumt… als waere ich in einer anderen Welt gelandet. Es wurde Bierpong gespielt, es wurde sich aufgefuehrt, Wii-Bowling gespielt (mit dem Wii spielen ist eine so un-nerdige Konsolenspielerfahrung wie nur damals Mario mit dem Nintendo 64) und im Allgemeinen wurde grosser Nutzen von einer Badewanne voll Eis und Bier gemacht.

Mein persoenliches Partyhighlight war ohne Zweifel jener Kerl mit schulterlangem Haar und gestreiftem Shirt, der sich als erster mit einem fremden Maedel auffuehrte, dann bewies, dass er sich diesen Mut offensichtlich angetrunken hatte und prompt auf der Couch einschlief. Gut, dass er nicht an dem Ende der Couch einschlief, das ich zu meiner Schlafstaette erkoren habe, sondern am gegenueberliegenden – denn nach einer Weile hatte er einen handfesten, feuchten Traum und pullerte sich seine Hosen, sein T-Shirt bis zum Bauchnabel und seine Haende, die er in seinen Unterhosen hatte, komplett von oben bis unten voll. Ich habe in meinem Leben noch keinen so grossen Pissfleck gesehen.
Waehrend ich diesen Blogpost schreibe, sitzt der freudige Pinkelbruder zwei Meter von mir entfernt und raucht Weed.

Hoffentlich kommt er nicht drauf, dass diese symbolische Grafik rechts eigentlich Bezug auf ihn nimmt…

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