Lorena und ein paar ihrer Freundinnen waren einst im Restaurant CPK – California Pizza Kitchen – essen. Der Kellner, anscheinend fuer die Weibchen ein heisser Feger, war clever genug, seine Nummer niederzukritzeln, die sich die Damen ohne Zoegern krallten.
Einige Wochen spaeter waren die Maedels auf einer Party eingeladen – als sie bei der Adresse ankamen, war jedoch niemand dort – ein sogenannter “Practical Joke”, oder auch, in unseren Breiten “Verarschung” genannt. Nun ohne Party und voller Geilheit, und da sie gerade in der Gegend waren, riefen sie eben jenen Kellner an (der gluecklicherweise auch noch alleine zu Hause war), fuhren zu seinem Hau, bekippten sich mit Alkohol, und Lorena machte mit dem Kellnerjungen Brad herum. Jener warf die Goeren danach einfach hinaus und liess sie davor noch am Alkohol mitzahlen – und seitdem redete Lorena kein Wort mehr mit ihm. Irgendwie verstaendlich, wenn man zuerst gefuegig gemacht wird, und dann fuer den Spass auch noch zahlen muss. Aber so sind wir Kerle eben.
Echte Geschaeftsmaenner.

Well, sie war moeglicherweise nachtragend – zumindest bis vor zwei Tagen, als sie ihn via AIM out of the blue anschrieb und fragte, ob nicht “einer ihrer Freunde auf Brads Couch fuer zwei Wochen crashen koennte.
“That could work … let me talk to my roommates, and make him call me tomorrow!”

Und auch wenn ich ihn noch nicht getroffen habe, wird Braddyboy fuer zwei Wochen mein Roommate sein. Auf dem Weg zu meiner neuen 2-Wochen-Bleibe, mit Lorena hinter dem Steuer und meinen Fuessen in den obligatorisch gewordenen Flipflops, denke ich zurueck an Hostel, in dem ich einen drogenmaessigen Depressionsanfall bekommen habe – mehr als einen Kilometer von meiner Freundin entfernt zu schlafen, hat beaengstigende Aehnlichkeit zur erfolgreich gemaertyrten Fernbeziehung, die ich die letzten drei Wochen so gut wie los war.
Das Hostel war scheisse, die Dusche kalt, die Leute beschaeftigt damit, ihren Paarungstrieb mit leeren Gespraechen und halbherzigen Taenzen zu ueberlisten – und ich gefangen in der Welt der heuchlerichen Maennerprobleme, die man nun mal im Endstadium der praepubertaeren Gefuehle hat.

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Doch als ich diesmal die Tuer oeffne, ist alles anders: Grasgruener Teppichboden, schlampig verlegt oder durch diverse Fluessigkeiten aufgewellt, bedeckt von einer Armee aus Schmutz, Papierfutzeln, Verpackungsteilen, Chinamann-Papierboxen, elektronischem Geruempel, Asche, Tabakreste, besitzerlosen Kleidungsstuecken und Plastikbechern mit eingetrocknetem Bierschaum.

Ich sehe Pflanzen, die seit Dekaden nicht mehr gegossen wurden (und sich anscheinend durch Transpiration von Weed-Daempfen am Leben halten), rote Plastikbecher, die das Fussvolk auf dem Boden und Tischen bilden, leere Flaschen und volle Aschenbecher, die eine menge Vergnuegen dokumentieren.
Auf einem fetten Gschmuftelsofa sitzen meine neuen Roommates: Eingepufft, gmiatlich und faul wie Politiker.  Aus dem kastenfoermigen, brusthohehn Riesen-Plasma-TV rollen die zusammenhangslosen Witze von Family Guy, waehrend sich in der Gegend der Decke eine kleine Wolke der Highness bildet.

Abgesehen von all den Luxusguetern fuehle ich mich nach Amsterdam zurueckversetzt, als ich mit vier Freunden auf einer Interrail-Reise in einem unmenschlich gmiadlichen Hotel abgestiegen bin und trotz meiner konservativen Nichtraucher-Babysitterrolle passiv bekifft wurde. In Amsterdam ist das ja auch so legal wie ne Tasse Kaffee.
Hier in Kalifornien sind nur die Details der Beschaffung etwas anders: Man kann sich legal “Medical Marihuana” besorgen, sprich, man geht zum Onkel Doktor und klagt ueber
Konzentrationsschwaeche, Rueckenschmerzen oder jegliche andere erfindbare Krankheit – und wird prompt mit einer selbst festlegbaren Dosis von Marihuana kuriert. Diese Dosis kann man sich dann alle Tage wieder abholen. Klarerweise zahlt man dafuer und darf das medizinisch angebaute Gras nur zu Hause puffen – aber immerhin kann man sich zuackern wir in good ol’ Amsterdam.

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Ich habe Brad und seinen Roommates angeboten, fuer die Miete etwas dazuzuwerfen und die Teller zu waschen – die Jungs waren aber nur mit den Tellern auch zufrieden. Mit dem Ehrentitel Putzlotteliese koennen sich nur wenige 2-Wochen-Besucher proklamieren. Dass ich fuer zwei Wochen auf der Couch und all die Offenheit nur Teller waschen sollte, obwohl mich die Jungs nicht einmal kennen, kann ich nicht so recht akzeptieren. Also werde die Sache in die Hand nehmen und sehen, was meine Aufwisch-, Staubsaug- und Maedchen-fuer-Alles-Skills so machen, und anstatt nur dem Porzellanbestand die komplette Bude auf Vordermann bringen.

Und, wie viel Wischkraft hat ihre Putzfrau?

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