http://www.dvlottery.state.gov/

Das ist die Adresse, die viele suchen, aber wenige finden. Das ist naemlich die offizielle Seite der US-Regierung, in der man sich fuer die jaehrliche Greencard-Lotterie eintragen kann. Bis 1. Dezember hat man noch Zeit, sich in den Topf zu werfen. Wer also in die USA moechte, kann das mit obenstehendem Link – neben einem “richtigen” Visumsantrag am naechsten Konsulat – ebenfalls versuchen. Kostet ja nichts.
Die USA verlosen GreenCards (Arbeitserlaubnisse fuer die Vereinigten Staaten) im Sinne einer Diversity Visa Lottery; durch zufaellige Auswahl von Menschen aus anderen Laendern verspricht sich die US-Regierung eine wachsende Verschiedenheit der US-Population. Manche Laender sind voruebergehend auf einer schwarzen Liste fuer die Lotterie, da schon zu viele Menschen aus diesen Laendern die Lotterie gewonnen haben.

Zumindest kostet der Spass nichts, wenn man die offizielle Adresse – erkennbar durch die state.gov-Endung –  findet. Hunderte Webseiten lassen per guter Suchmaschinenplatzierung das Gegenteil erscheinen: “Wir helfen Ihnen zur Greencard”, “Mit unserer Hilfe haben sie Ihre Chance, in die USA zu kommen und die Greencard zu gewinnen”.
Alles Bullshit, wenn ihr mich fragt. Doch wie vieles in der Welt wird aus Unwissen Geld gemacht, und dem mehr oder weniger schoenen Webdesign und Seiteninhalt dieser “Helfer” zu schliessen, verdienen einige Leute ihren Unterhalt mit der Irrfuehrung anderer.

Sehen wir uns mal das Gewinnspiel genauer an. All diese Seiten proklamieren, dem Benutzer zu helfen, ihn fuer diese und jene Zeit up-to-date zu halten, und rund um die Uhr Assistenz zu bieten. Man zahlt bei den “wohlwollenden Helfern” zwischen 50 und 100 Euro fuer eine “Einjaehrige Mitgliedschaft”, bei illegalen Betruegerseiten noch mehr – diese verschwinden jedoch sehr schnell wieder aus dem Internet.
Also, wozu gibt man nun das Geld aus?
Wahrscheinlich ist das Gewinnspiel so komplex auszufuellen, dass man einfach jemanden braucht, der einem dabei hilft. Macht euch selbst ein Bild – das lange Bild rechts ist ein Screenshot. Jedes gelbe Feld symbolisiert eine Frage. Geburtstag, Anzahl von Kindern, Ausbildungsgrad – solche kniffligen Multiple-Choice-Fragen, da brauche ich doch echt eine Telefonassistenz, die mir hilft!
Oh, und ein Foto muss ich auch noch einschicken, das hat ganz komplizierte Spezifikationen… die sollte ich mir besser viermal erklaeren lassen, um ganz sicher zu sein!

Laecherlich. Selbst der aelteste Opa , der eine Maus eher erschlagen, denn zur Bildschirmnavigation nutzen wuerde, kann dieses Formula in weniger als einer halben Stunde ausfuellen.

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Das Weltliche mal beiseite geschoben, hatten Lorena und ich ein langes Gespraech mit ihrer Mama, nachdem das Toechterlein kurz nach meinem Moechtegern-Abflug einen Anruf erhielt. Drei Wochen mehr in Los Angeles bei der Freundin – das passt einfach nicht in das Weltbild der durchschnittlich belastbaren Mutter. Ich bringe das Leben einer ganzen Familie durcheinander, im Positiven und Negativen – und fuehle mich grossartig mit Lorena auf der einen Seite, versuche aber genauso die damit heraufbeschworenen Probleme zu verstehen und Loesungen zu finden.
Mir war von Anfang an klar, dass wenn ich weitere drei Wochen in Los Angeles bleibe, nicht noch einmal in dem Familienhaus bleiben kann. Zwei Wochen einen mehr oder weniger Fremden zu beherbergen ist schon grosszuegig genug. Ich kann, rein aus meinem persoenlichen Moralverstaendnis, keine weitere Zeit Gast bleiben, also lasse ich den Koffer und Rucksack in Lorenas Auto.

Dinge passieren, und man laesst sich gerne zu etwas ueberreden, was man eigentlich will aber inakzeptabel findet – also nehme ich das Angebot von Lorenas Papa an, in seinem Bastelraum (er stellt hobbymaessig Schmuck her) zu uebernachten, bis ich einen Platz gefunden habe.
Ich schlafe mit einem Laecheln und etwas Schuldbewusstsein ein.

Ai ai, mi Tobias…

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