Es ist kompliziert und faszinierend zugleich. Sind wir bei Lorena zuhause, muessen wir uns auf Hoechste benehmen, beinahe wie Moench und Nonne. Kuessen erlaubt, Haendchenhalten erlaubt – aber alles andere strengstens verpoent. Ich schlafe in dem Zimmer von Lorenas Schwester, was zwar ein tolles Bettchen und ein bisschen Privatsphaere offeriert – ich haette es aber lieber anders. Kriege ich aber nicht, da muss ich wohl damit leben.
Sobald wir ausser Haus sind, fragt Lorenas Mama meistens, wo wir sind. Und wie lange wir bleiben. Auch wenn wir 18 und 19 Jahre alt sind … es wird aufgepasst.

Es ist eine ganz eigene soziale Dynamik, die ich beobachten kann, und sie zirkuliert natuerlich um – reden wir Klartext, meine Herrschaften – Sex. Sex ist in diesem Fall zwar der Haken, aber vielmehr fasse ich es als Platzhalter fuer eben jene sozialen Dynamiken auf. Beschuetzerdrang, Muttergefuehle, Neid, Kontrollverlust und Verteidigung desselben, Stolz, Egoismus, Missverstaendnis – eben die typischen Teenagerprobleme, oder Probleme, die man hat, wenn man zuhause wohnt.

Es ist der um den Glubus millionenfache wiederholte Versuch , ein immer selbstaendiger werdendes, laengst geschlechtsreifes und erwachsenes Kind mit Menschen seinen Eltern zusammenzustecken, deren Gefuehlswelt und empirische Perspektive eine komplett andere ist.
Da nicht jedes Kind die Moeglichkeit hat, auszuziehen, wann es will, ist dieser Versuch so populaer, und geht in jedem x-beliebigen Fall schief.

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Das Kind will sich austoben, die Eltern wollen, dass es sich dabei nicht wehtut, schliesslich ist es ihr Kind, ind das sie so viel Liebe, Zuneigung und Zeit fliessen liessen.
Aus meinem Erfahrungsschatz weiss ich, dass ich jetzt, mit dem Alter von 19 Jahren, eine aeusserst truebe Erinnerung ueber meine Gefuehlswelt und Weltanschauung als Zwoelfjaehriger habe.

Vor sich nun hinzufantasieren, ein Vierzigjaehiger koennte verstehen, wie sich ein 19-jaehriger fuehlt, ist mehr als absurd. Ich ueberlege, mir selbst einen Brief zu schreiben, in dem ich meinen Kopf ausleere – um dann spaeter meine eigenen Kinder verstehen zu koennen. Denn tut man das nicht, versucht man nicht, sich selbst zu verstehen, wie will man dann andere verstehen koennen?

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So viel zum bittersuessen Spektakel der Parental Control.
Nachmittags schreibe ich gerade am Blog, als von hinten eine Hand kommt, meinen Kopf haelt, und ein Pinsel ueber mein Gesicht faehrt. Schlussendlich sah das dann so aus:

Abends geht es auf zu Kathrines Haus, das, in dessen Pool wir zum ersten Mal herumknutschten. Katrine kommt aus dem eigenen Badezimmer, als ich ihr Zimmer betrete. Ihr unendlich riesiger Kleiderschrank ist laecherlich begehbar und ausserhalb aller Proportionen. Sie schenkt Lorena acht “Sprinkles Cupcakes“, so etwas wie die Muffins, die wir aus Oesterreich kennen – Cupcakes der ganz tollen Sorte. So toll und besonders, dass Oprah Winfrey, der Messias der gepeinigt-amerikanischen Hausfrau, die kleinen Muffins von Los Angeles nach Chicago ausfliegen laesst.

Kathrines Huette ist nur der Anfang. Unser eigentliches Ziel: Die sagenumwobene Saddle Ranch. Aussen findet man lebensgrosse Puppen von Puffmuettern und Huren im Westernstil, innen hat man eine Wildwest-Atmosphaere, waehrend draussen die naechtlcihe Makeup-Schlacht des Sunset Boulevard droehnt.
In der Mitte des Restaurant gibt es eine Bar, umringt von Flachbildschirmen mit Football-Spielen, und einem Mechanischen Bullen.
Waehrend wir essen, kommt eine Typ zu unserem Tisch.
“Hi, I’m David, I’m one of the managers.”
Wir sind erschrocken, haben moeglicherweise etwas falsch gemacht, muessen vielleicht das Lokal verlassen. Er fragt uns zwei Minuten lang, wie es uns geht und weshalb wir im Gesicht bemalt sind, und verabschiedet sich dann wieder mit “I’m David, I’m one of the managers.”

Einige Minuten spaeter kommt eine Bedienung an den Tisch. “Hey, I’m Mandy! You guys look like fun, do you want to ride the mechanic bull with …”
“Hi, I’m David, I’m one of the managers”, stelle ich mich vor. Ich handle mit ihr aus, dass Lorena bei ihrem Geburtstagsessen ist und gratis reiten sollen duerfte.

Als dann auch noch ein Geigen-Violinenduo kommt und uns nach einem Staendchen fragt, …
“Hi, I’m David, I’m one of the managers.”

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Im Hintergrund der Bulle, auf dem Lorena schliesslich gratis geritten ist, nach 10 Sekunden runterfiel und sich einen blauen Fleck am Schenkel zuzog.


Dumm, dass sich die Hure so weit oben versteckt!

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