Lorena fuettert mich gerne. Zum Beispiel mit Tueten-Eis. Aber nicht, dass sie mich schlecken liesse, nein, sie drueckt es einfach in und um meinen Mund herum. Nehme ich ihr das Eis weg und druecke es ihr in und um den Mund herum, lacht sie und schmiert alles in meinen schoenen Pullover.

Der heutige Plan: Auf zum Museum of Tolerance. Wieder ein bisschen zurueckblicken, den Vibe spueren, aber vor allem alte Freunde wieder treffen. Lorena kommt frueh von der Schule heim, gibt uns etwas Zeit, Mittagessen zu machen. Nachtisch.

“Hey Toby, do you want some of the frosty?”

Frosty ist das blaue, klebrige Zeug, das Lorena in einer Schachtel haelt. Im Entferntesten kann man daraus noch einen Rock erkennen. Es handelt sich um den Rock einer Cinderella-Torte, sprich, einer Torte in Cinderella-Form, mit Plastikoberkoerper und Schaumeiskrem-Rock. Unter den Rock zu gucken hat wenig Sinn, da es sowieso nur Frosty zu sehen gaebe. Die Torte hat sie zu ihrem Geburtstag von einer Freundin bekommen.

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“Sure!”

In alter Lorena-Manier fuettert sie mich. Und wie ueblich, schmiert sie mit voller Absicht ein wenig daneben, um den Mund herum. Ich lange ebenfalls in die Schachtel mit den Cinderella-Gerippen, und schmiere es ihr um den Mund herum. Sie langt hinein und schmiert es mir aufs Kinn.
Ich nehme zwei Finger voll und schmiere es ihr auf die Stirn, woraufhin sie eine weitere Ladung grapscht und quer ueber mein Gesicht einwirken laesst.
Wir laufen durch die Kueche, stolpern zwischen Waschbecken und Geschirrspueler umher, sie versucht, die Schachtel von mir zu nehmen. Ich lange hinein, nehme den 30%Frosty-30%Schaum-30%Kuchen-Unterboden, eine ganze Hand voll, und massiere es ihr wie beim Schneeballschlacht-Einreiben geradewegs in ihr Gesicht.

Am Ende ist die Schachtel leer, und unsere Gesichter, Nasenloecher, Haelse, Titten und Gewand voll mit blauer Creme.
“That was my favorite bra!”, protestiert sie.
“That was one of my favorite shirts! Pray that it washes!”, verteidige ich mich mit gespielter Empoerung. Gut, dass keines meiner Hemden mehr wert als 20 Euro ist – ich habe ein Faible fuer Zerstoerung.

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Als wir nach einer kraeftigen Dusche beim Museum of Tolerance auftauchen, ist es geschlossen. Feiertag. Mist.
Immerhin, als ic hzurueckkomme, darf ich fuer die Familie mein typisches Abendessen kochen: Broccoli und Steaks. Ich koche wie ein Meister, das Oel spritzt, Lorena greift sich in den Ausschnitt und wischt heisse Tropfen von dannen, der Broccoli wird gruener als Van der Bellen – und danach hoere ich nur mehr “Mhhh” und “Oh” und “That’s good”.

Nachdem wir Lorenas Freundin Katey (in ihrem Haus habe ich Lorena kennengelernt) bei The Coffee Bean & The Tea Leaf getroffen haben – ein relativ sinnfreies doch konsumintensives Treffen (fuenf Minuten Treffen, aber drei dicke Becher Crushed Mango-Iced-Latte-Caramel-Cream) – geht es ins Fernsehzimmer auf die Couch. Und waehrend ich mich noch wundere, weshalb sie bei Coffeebeans einzelne Kekse – fein saeuberlich verpackt, mehr als 1$ pro Stueck – verkaufen, flimmern die Gesichter der beiden Praesidentschaftskandidaten ueber den Bildschirm, die eine Potenz mehr Disziplin bei ihren TV-Diskussionen haben als die Kanzlerkandidaten in Oesterreich. (Link zu laecherlicher TV-Konfrontation)

Die Wahl ist nahe, die Nation gespannt, und auf meiner Schulter sitzen “Barack” und “Obama” – so hat Lorena’s Papa die Sittiche getauft, die sich ueblicherweise im Kaefig im Wohnzimmer aufhalten und einmal beinahe von einem Dackel gefressen worden waeren – den wir sofort “Sarah Palin” benannten.

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