Nach einem halben Tag Arbeit und Schule, stehen Lorena und ich in der offenen Kueche eines riesigen Bueros, das im Stilwechsel zwischen unverputzten Ziegeln, im Boden eingelassenen Wasserbecken und unfoermigen Kunstwerken seinen innenarchitektonischen Geschmack behauptet. Es ist der Arbeitsplatz von ihrer Mama, eine geraeumige Werbeagentur. Man darf sich alles, was auch immer man will, aus dem Kuehlschrank nehmen. Selbiges gilt fuer die kleine Vorratskammer, die vollgestopft mit Leckereien ist. Ich entdecke einen Eimer voll Red Vines (die eine lange Geschichte haben), greife prompt zu und denke an die Werbung, die ich als Kind so oft gesehen habe: Lange Wuerstchenketten, ein Bub und ein Maedchen, beide ca. 2 Jahre alt, essen die Kette von verschiedenen Richtungen, bis sie sich in der Mitte treffen und in Babypornomanier uebereinander herfallen. Ich stecke mir einen Vine in den Mund und deute Lorena das andere Ende. Wir essen, kommen naeher, naeher, nur noch ein halber Zentimeter und …
“AAH!” Ich fuehle etwas weiches, Lorena springt zurueck und haelt sich die Oberlippe.
“You bit me! Aaaah!”
Ich bin etwas perplex. Davon hat die Werbung nie was gesagt, dass Lippe ne aehnliche Konsistenz wie Wuerstchen oder Vines hat, und dass man diese Dinge schnell einmal verwechseln koennte.
“See, now it’s bleeding! Thank you!”, fuchtelt sie miot den Armen und laesst kaltes Wasser ueber die Lippe laufen.

Der Tag war generell schon chaotisch; ihr Auto, das ihrer Mutter und das ihrer Schwester, alle drei hatten auf einmal Probleme mit der Batterie; dreimal musste der AAA-Truck anrollen und mit Jumpercables die Waegen wieder flottmachen.

Zur Belohnung fuer meine bissige Art zeigt sie mir einen Store namens “Ross – dress for less”. Ross verkauft verschiedenes Zeug aus anderen Handelsketten, dass diese nicht loswurden. Ich kaufe mir eine unverschaemt erotische Calvin-Klein-Krawatte fuer 15$, und eine Monopoly-“You are in jail!”-Boxershort.

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Da wir zuhause gerade mal aufrecht nebeneinander sitzen duerfen, maximum Haendchenhalten unter Parental Control, fahren wir so gut wie jeden Abend mit Lorena’s Mini-Van ausser Haus. Wir machen Halt bei einem Eiscrem-Restaurant, bei dem man sich zuerst eine Eis-Sorte, und dann eine Suessigkeiten-Sorte aussucht.
Die Leute hinter der Theke matschen beides dann zusammen und leeren es in einen Pappbecher. Die Portionen sind in Sachen Preis-Leistungs unabstreitbar grosszuegig.
Lorena bestellt, ohne es zu wissen, exakt dasselbe wie ich und ist angepisst, dass sie jetzt keine zweite Sorte kosten kann.
Als sie mit ihrem Mini-Becherchen voellig erschoepft ist, leert sie den Inhalt in meinen, etwas groesseren Becher. Der ganze helle Matsch in meinem Becher erinnert mich an die japanische Essensgewohnheit Bukake, und da Lorena nicht weiss, was das ist, gebe ich ihr eine etwas anschaulichere Erklaerung als man sie im Biologieunterricht bekommen wuerde.


(Und wer Lorena noch nicht kennt, sie ist das Maedchen links)

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