Nachdem wir auf dem Sofa umschlungen und verknotet zur Wiederholung des 90%-Chickflicks “Love Actually” eingeschlafen sind ..
(Den Film legten wir ein, damit Lorenas beste Freundin, Rachel, nicht von unserem unablaessigen Schmusen genervt wurde. Ich habe aufgrund von prioritaetsbelasteter Ablenkung vom Film jedoch nichts mitbekommen, speziell nachdem Rachel am anderen Ende des Sofas zu schnarchen begann und wir freie, unzensierte Bahn hatten)
.. greift sich Lorenas Mama an den Kopf. “That is so hard for me, can’t you sit, must it be lying together?”
Lorena ist halt noch ihr kleines Maedchen, und im Hause der Eltern gelten gewisse Regeln. Fuer einen notorischen Rebellen wie mich ein ganzes Stueck Arbeit.

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Ein Traum von Lorena war es schon immer, unter ihr Haus zu kreulen ( [kräun]: wienerisch “kriechen”) – und zwar dort hin, wo siedas letzte Mal als kleines Maedchen mit ihrem Bruder hinkroch. Als kleines Maedchen hatte sie eine Augenklappe in Form eines permanentes Pflasters auf einem Auge, eine Ghandi-Brille und war ein richtig niedlich-haessliches Entchen … jetzt sieht sie ein bisschen anders aus, hat aber immer noch etwas von einer Piratenbraut.
Ich hingegen war mehr der Computerspiele-Nerd und Software-Freak, sammelte Dioptrienpunkte und RAM-Bausteine, und hatte eine kunstvoll geschnittene Stufe in meiner Stirnfrisur. Jetzt sehe ich ein bisschen anders aus, bin aber trotzdem noch mit dem Kram vertraut.

Trotz all dieser abhaertenden Augenklappen ist die weibliche Angst vor Ratten allgegenwaertig. Also sucht man sich als Dame am Besten mal maennliche Verstaerkung, und bekommt sie durch die archaischen Beschuetzerinstinkte von uns Goettergatten prompt geliefert.

Hinter einem Buegelbrett, einem Staubsauger, diversem Putzkram und dergleichen mehr findet sich eine hoelzerne Luke. Oeffnet man sie, sieht man eine Holztreppe, die zu zwei dicken Heiz- oder Gaskesseln fuehrt, mit Glaswolle umschlossene Lueftungsrohre, Abwasserrohre, Balken – all das, was ein Haus braucht, man aber nicht unbedingt jeden Tag sehen moechte. Wir klettern von der Treppe aus ueber eins der mit gelben Daemmmaterial ueberzogenen Rohre und finden uns in einem Meer von Dreck und Staub wieder. Waehrend ich mich als alter Pfadfinder erst einmal akklimatisieren muss, robbt Lorena mit Taschenlampe voraus schon durch den Schmutz… DAMN, denke ich mir, was fuer ein Maedchen. Und robbe hinterher.

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Wir klettern, nur von spaehrlichem Sonnenlicht geleitet, welches durch morsche Ritzen und winzige Oeffnungen sickert, dem schwachen Taschenlampenlicht nach. Es geht leicht abwaerts, immer wieder muss man sich unter einem Rohr und ueber einen Balken hindurchzwaengen. Hinter einer Holzwand finden wir einen ca. 1,5m hohen “Raum”, der direkt unter dem Wohnzimmer liegen duerfte. An der Wand haengen Lakers-Shirts, ein vergewaltigter plueschhase liegt zerfetzt im fahlen Licht eines kleinen Fensters, und mit Staub und Maulwurfsperma bedeckt, liegt da ein Britney-Spears-Poster. Ich sehe ein junges, unschuldig-blondes Maedchen mit 90er-Jahre-Frisur. Mit einem “die guten, alten Zeiten”-Laecheln hebe ich es auf und schiebe es unter den Stoffhasen. Der Plueschkollege hat anscheinend seinen Sexualtrieb verloren und bleibt regungslos liegen. Schade… na, dann muss ich mich eben um mein Maedchen kuemmern, wenn du keine Hilfe annimmst, Gevatter Loeffel.

Pirat und Nerd inmitten von Staub und Dreck.
Romantisch.

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Die anschliessende Wasserschlacht war verpflichtend, der daraus resultierende Wet-T-Shirt-Contest ebenfalls.

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Abends tanzt eine Freundin von Lorena nach der anderen an, und die Stimmung wird ziemlich weiblich. Es riecht nach Tampons, Haarglaetteisen und Frauenzeitschriften – und ich mache mich voruebergehend aus dem Staub. Ich trage einen von Lorenas weiten College-Kapuzenpullovern und fuehle mich pudelwohl, als die Maedels, gehegt und gepflegt, mich, den unfrisierten Wasserschlaechter aus dem Wohnzimmer ins Auto schleifen, um dort von meinen perversen Witzen unterhalten zu werden – wir Maenner haben eine echt gemuetliche Rolle von der Evolution zugewiesen bekommen.

“Pinches Tacos” oder Fucking Tacos heisst das Restaurant, in dem ein kleines Geburtstagsessen steigt. Der Besitzer hat eine Vorliebe fuer Lorena, die das unverschaemt ausnutzt und ein Geburtstags-T-Shirt verlangt.
“You treat him like … like a piece of shit, that’s not nice!”, sage ich halblaut und veranstalte eine Bruchlandung meiner Hand auf ihrem Arsch.
Eine ihrer Freundinnen kommt mit ihrem Freund, den sie hinter sich an der Hand herzieht. Als sie ausser Hoerweite sind, fluestere ich Lorena ins Ohr.
“Did you see that? He’s following her like a dog!”
“Oh, you mean him? That’s the couple I told you about! He’s in the Army and comes home every couple of months, and they’ll get married..”

Bevor ich meine Wuerggeraeusche beende, beugt sich die Hundebesitzerin zu uns herueber.
“So, you are this boy that told me on the phone you would be…”
…in a Whorehouse. Lorena wollte damals, dass ihre Freundin meine Stimme hoert, und als ich den Anruf von den Maedels bekam, wuergte ich das Gespraech ab, indem ich nur die Wahrheit erzaehlte – ich war gerade in einem Puff und bekam drei Blowjobs auf einmal, ist doch ganz normal.
Die Freundin war erbost und ganz wuetend auf mich, bis ihr Lorena erklaerte, dass ich das wohl nicht ganz so ernst gemeint hatte.
Ach, wirklich? Ich hab zumindest noch nie einen Scherz gemacht. Bin eine sehr humorlose Person.

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