Ein Barbecue mit Couchsurfern. Ein CS BBQ.
Es gibt nichts leckereres auf der Welt, als geraeucherte Bananen, Wuerstchen und Steaks in allen Variationen. Verglichen mit der Community in Los Angeles waren die Couch-Maedels ueberraschenderweise weder Cougars, noch 99% Asiatinnen.

Die Party steigt in einem niedlichen Haus inmitten einer niedlichen Wohnstrasse am noerdoestlichen Ende des Plateaus – eine Gegend, die fuer ihre Wohnlichkeit, hohem junge-Menschen-Anteil und Niedlichkeit bekannt ist. Mit der Hausnummer im Kopf, finde ich ein weiss gestrichenes Haus, an dessen Glastuere von innen ein Zettel befestigt ist: “We are in the back, just come in!”.

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Anfangs haben wir Startprobleme; ich bin eine halbe Stunde zu spaet, und wir sind gerade einmal 8 Leute, erwartet waren 50. Innerhalb einer Stunde vervierfachen wir uns dann aber, und in der Gesamtbilanz steht unter “Teilnehmer” die unglaubwuerdige Zahl von 53. Denn der Hinterhof, in dem wir grillen, hat gerade mal einen grossen Tisch, eine Terassenebene, einen mit laub bedeckten, verwetterten Ledersessel und einen Gasgrill.

Die Gastgeber sind relativ unterschiedlich; Richard aus Australien, ein sehr gemuetlicher Gschmuftel mit einem grossartigen Sinn fuer Dreistheit und Sarkasmus, auf den ich bestimmt neidisch waere, wenn ich nicht selber ein so ungezogener Rotzloeffel waere. Die anderen zwei Typen waren nicht so sympathisch:

  • Nummer eins: Der Schleimer
    Kaum rede ich mit einem Maedchen, versucht er, innerhalb von fuenf Minuten ihre Telefonnummer zu bekommen. Er hat eine richtig glitschige Art zu reden, eingefettete Haare und ist einfach grauslich-aufdringlich. Am Ende des Barbecues breitet er seine Arme ueber der Menge messiasmaessig aus und verkuendet, dass die Party vorbei ist. Ich sage ihm das natuerlich nicht ins Gesicht, bin selber ein Schleimer.
  • Nummer zwei: Der Dominante
    Kaum ziehe ich Lena mit Anti-Deutschlandwitzen auf – besonders lustig, da sie jetzt weiss, dass ich halber Bayer bin – schreitet dieser Typ mit geschwellter Brust ein und verweist mich auf den Fakt, dass er in Oesterreich und Deutschland war, Deutschland toll fand und jetzt ueber Oesterreich wirklich keine schlechten Gedanken haben will.

Interessant wird es dann bei den anwesenden Damen. Eine spezielle Auswahl, chronologisch geordnet, gibt es hier:

  • Yuko und Yoko, die franco-Japanerinnen
    Japaner koennen franzoesisch? Definitiv, und zwar besser als ich. Sie bringen mir bei, wie man sich auf Franzoesisch vorstellt, ich probiere es aus und verwirre einen armen Kerl, dessen Namen ich schon zuvor dreimal vergessen hatte. Zwillinge waren sie leider keine.
  • Die Tunesierin
    Sie erzaehlt mir die Story von einem ihrer Flirts, als sie in einer Bar steht und mit einem Typen “Eyefucking” betreibt. Er ist allerdings zu schuechtern, sie anzulabern, steckt ihr anstattdessen einen Zettel in die Hand, als er geht – auf dem Zettel seine Nummer.
    Sie – richtig huebsches Gesicht – ruft ihn seltsamerweise an, sie machen sich ein Date aus, beim Abschied gibt er ihr ein Wangenbussi und geht, woraufhin sie ihm nachrennt und kuesst. Er entschudligt sich mit einer daemlichen Begruendung, dass er sie nicht zuerst gekuesst hat.
    Die Moral von der Geschichte? “Das ist ganz normal in Quebec, man kuesst nicht am ersten Date” ist eine lausige Ausrede, und ueblicherweise sind Frauen nicht so horny.
  • Die Italienerinnen
    In einem Rollenspiel zwischen Exfrau und zukuenftiger Frau halte ich zwei Italienerinnen an der Strippe. Zwischendurch kommt mir Richar’ (der franzoesische Richard, wir halten sie mit Diakritischen Zeichen auseinander) in die Quere, deutet meine subtilen Signale falsch und beginnt mein Maedel anzugraben. Hat zwar keine Chance, aber das kostet wertvolle Sekunden. Die beiden regen sich inzwischen Non-Stop darueber auf, dass ich mit einem dicken, italienischen Akzent mit ihnen spreche, immer wieder auf die Familia zu sprechen komme und zu oft betone, dass man den kulo – Arsch – respektieren soll (und haue auf jenselben).
  • Die Waldfee
    Gruenes Haar, zwar nicht mein Typ, aber ausserordentlich bewundernswert: Hat sich Deutsch in Kanada selbst beigebracht und spricht es nicht nur fliessend, sondern komplett umgangssprachlich und beinahe akzentfrei.

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Kaum ist das BBQ vorbei, gehen wir zu einer ueblicherweise leeren Bar, um zu zwanzigst den Abend ausklingen zu lassen. Pech nur, dass in der Bar bereits ein Opa und seine 20 Jahre juengere (das heisst immer noch 60+) Freundin Liedchen traellern und ihren ganzen Freundeskreis mitgebracht haben. Wir entscheiden uns fuer eine andere Bar, wo ich mich mit dem Maedchen aus Italien etwas mehr unterhalte und zwei Italiener kennenlerne. Trotz guten Aussehens, teureren Klamotten und dem italienischen Flair habe ich dann die Nase doch etwas vorne.

Nichtsdestotrotz erklaert mir der eine Italiener die Wichtigkeit von Drama in der italienischen Anhimmlungsszene – auf die Knie fallen und floeten “Deine Augen strahlen wie die Sonne, und du brichst mein kraftvolles Herz mit schwallender Lust, ich bin dein fuer immer und ewig”. Die Besitzerin ihres Kulo bestaetigt jenen Rat.
Ich, als braver Schueler, versuche mich jedoch ohne Kniewurf mit “You are so beautiful because you remember me of my grandmother. And I liked my grandmother.”, was mindestens genauso gut funktioniert. Wenn auch nicht besser, weil meine Oma richtig cool ist.

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SLIDESHOW – nicht von mir natuerlich, bin zu faul fuer Slideshows.
PS: Geraeucherte Bananen haben eine angekokelte Schale und schmecken total Scheisse.

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