Wohnungsputz. Maenner bei der Hausarbeit, wie im Bilderbuch.
Heraus sticht ein Kerl in Jeans und ohne Oberbekleidung, der den Elektroherd auseinandergenommen hat und saemtliche Einzelteile wie besessen schrubbt … richtig. Der Kerl bin ich.

Es geht nichts ueber einen WG-Herd mit auf Hochglanz polierten Metallteilen. Meine Roommates sehen mir mit franzoesischer Skepsis zu, sind jedoch erfreut darueber, dass endlich wieder das Metall unter der Kohlekruste zum Vorschein kommt – und gehen Abendessen kaufen
Kurze Zeit spaeter kommen sie mit dicken Einkaufstueten zurueck, und Michka knallt ein Steak auf den halb-zusammengebauten Herd.
“Twodollarsfifty!”
“Nooo way man, that’s a steak, you can’t get a steak for 2,50!”

Er kramt die Verpackung aus dem Mistkuebel. 2,65$. Mir wird ploetzlich auch ganz nach Steak zumute.
Ein Blick auf die Uhr. 9:55PM. Das ist spaet.
“The supermarket closes at 10PM, Toby, and you need at least ten minutes to get there … they won’t let you in.”, sagt Jon vom Kuechentisch aus.
“Yes, it will close in five minutes”, bestaetigt Michka.

In meinem Kopf geht es hin und her – laufen, oder bleiben? Meine Roommates wohnen hier schon seit Monaten, die wissen es besser als ich, aber andererseits..
“I’ll be right back guys!”

Ich springe mit Socken in meine Flip-Flops, verzichte auf das Auswaehlen und Anlegen eines Shirts und renne aus der Wohnung. Halbnackt durch die Peripheriezone des Gay Village. Mmmh. Eine Polizistin fragt mich, ob ich vor etwas davonlaufe. “Nein”, keuche ich, “ich geh mir jetzt ein Steak kaufen”.

Finde den Supermarkt. Hinein. Durch die Regale im Schnelldurchlauf. “Versaille francais francai, guillotine merde gros lolo putare guilloutine la revolution”, sagt ein Mitarbeiter, nachdem ich ihn frage, wo der Fleischkasten ist.
“In English?”
“The meat is over there. The next time, Sir, please put on..”
“.. a shirt. yes, sure, it will not happen again.”

.

Ich grapsche mir ein saftiges Steak mit einer aber-so-kleinen Fettschicht und ach-so-kleinem Preis und laufe zur Kassa.

Oh.

Gelbes Kleid, lange Beine, schlanke Taillie, blondes, lockiges Haar…
“Sir, next time, a shirt, please!” – “Yes, this time is your last chance, Sir” – “Oh yes, you need to wear a shirt in here”, frohlocken die Verkaeuferinnen und ihr Boss. Blondinchen dreht sich um zu dem Mann ohne Shirt, laechelt… und geht.
Ohne lange im Bargeld herum zu kramen, zahle ich mit Kreditkarte, bedanke und verabschiede mich hastig und sehe Blondchen 10 Meter vor mir gehen.
Ich beschleunige meinen Schritt. Sie, unbewusst, anscheinend auch. Testosteron und Jagdtrieb pumpen im Gleichschritt.

Ohne Vorwarnung dreht sie sich pleotzlich um und bleibt stehen, sodass ich sie einholen kann. Aha, da kann wohl jemand meinen nackten Nippeln nicht widerstehen.
“That’s something I can tell my grandchildren .. buying a steak half-naked.”
Sie lacht, auch wenn der Witz nur halb so lustig war.
Sie kommt aus Litauen. Studiert hier in Montreal. Und – der beste Part an der Sache – zwei Haustueren von meiner entfernt.

Tja, beim Steakmaedchen / Girl next door sollte ich heute mal klingeln…

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