Jeden Sonntag gibt es Tam-Tam in Montreal.
Klingt wie ein japanisches Sushigericht, ist aber ein Drumcircle.

So etwas kennen wir in Europa kaum: Leute treffen sich ohne grossartige Absprache oder Planung und

nehmen ihre Trommeln mit. Andere hoeren von dem Zusammentreffen, haben zwar keine Trommeln, wollen aber tanzen gehen oder sind einfach neugierig – und der Drumcircle samt ekstasischer Stampede ist geboren.

In Montreal steigt ein solcher Drumcircle jeden Sonntag am Fusse vom Berg Royal.
Fuer unsere jungen Leser aus der saubersten Raunzerstadt der Welt – Wien – kann ich folgenden Vergleich machen:
Der Drumcircle in Montreal ist die kanadische Version vom Burggarten an einem sonnigen Schultag.
Junge Kiffer, die die Schule schwaenzen, typisches Drum n’ Bass / Alternative Rock -Publikum, junggebliebene Gschmuftel und Halbsandler, Leute die in einem Van wohnen, junge Paerchen, die im Gras rollen und Rasta-Typen, die Gras rollen. Zusaetzlich dazu stellt euch den intensiven Rhytmus von etwa 30 unabhaengigen und trotzdem im Gleichton gehaemmerten Trommeln vor. Zum Garnieren noch eine Prise Weedgeruch in auf- und abschwingender Intensitaet.


Wolle Rohse kaufen? Oder Gschmuftelbekleidung?


Nach sieben Jahren ruht der kanadische Geist noch lange nicht


“Aeh, drei .. drei Ziffern sind 9/11! Und 2 mal 3 ist 6, und das mal 11 ist 66, und das ist die Zahl des Teufel!”


Intellektuelle Vergewaltigung der Statue vor dem Drumcircle

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Mein persoenlicher Koenig des Drum-Cirlces ist ein etwa 15-jaehriger Junge mit leichtem Down-Syndrom, der zuerst wild vor der versammelten Menge abshaked, bis ein tanzendes Maedchen seine Hand schnappt und mit ihm gemeinsam zu grooven beginnt.. man beachte sein potentes T-Shirt, der Kerl hat Eier aus Beton.


“The #1 Rule in Mexico is … what Happens in Mexico, Stays in Mexico.”

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Ich bin unterwegs mit drei Couchsurfern, und wir warten auf Nummer fuenf – Lena aus Deutschland.

Endlich mal wieder ein echtes, deutsches, blondes Maedel. Als ich sie sehe, werfe ich ihr einen Deutschlandwitz entgegen – sie mir dafuer einen giftigen Blick – und gehe an ihr vorbei. Nicht, weil ich unhoeflich oder gar chauvinistisch bin, nein, nein, meine werten Damen und Herren – sondern weil ich ein Football-Match sehen will, das zufaelligerweise direkt gegebueber von der Drumcircle-Wiese ist. Zum ersten Mal, seitdem ich auf dem nordamerikanischen Kontinent bin, sehe ich ein American-Football-Spiel.
Zach jedoch, dass die Footballer keine Maenner, sondern kleine Hosenscheisser sind… und das Spiel ist nach einer Minute vorbei (hat sich wohl einer der Bengel die Hosen vollgekackt).

Mont Royal ist ein grosser, saftig-gruener Berg in der Mitte von Montreal, und hat an einem Sonntag noch mehr zu bieten als Tamtams.
Zum Beispiel diesen Jungen hier, der, nach seinem Bauchmuskelprofil zu schliessen, locker die Hauptrolle in 300 bekommen haette. Woher er sie hat? Slackline. Ein Sport, bei dem man einen Spanngurt von einem Baum zum anderen spannt, ueber 5-10m, und dann darauf balanciert. Darauf zu balancieren, udn von einem zum anderen Ende gehen zu koennen, erfordert wochenlange Uebung. Dieser Kerl jedoch liess es teilweise wie ein Skateboard in einer Halfpipe aussehen.

Sein Finale, das er alle fuenf Minuten am selben Abschnitt des Seiles widerholte, war ein in-die-Hocke-gehen, gefolgt von einem waghalsigen No-Family-Sprung … udn trotzdem wieder die sichere Landung auf dem Seil.
Ein Weg, viele Frauen anzuziehen, mit den Bauchmuskeln und diesem Koennen? Weit gefehlt. Jeder findet ihn nur beeindruckend und stark, aber kein Schwanz interessiert sich dafuer, mit ihm zu reden.

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Von da aus geht es weiter zu meinem Tagesfavoriten, dem wohl zweitbesten Entertainment, dass ein Mann kriegen kann: Anderen zusehen, wie sie sich im Dreck pruegeln. (Nummer 1 ist, wie ihr richtig geraten habt, halbnackte Frauen, die in einem Plantschbecken voller Schlamm ringen)
Aehnlich wie der Drumcircle scheint es ein sozialdynamisches Phaenomen zu sein, das ohne Organisatoren und aus reiner Mundpropaganda funktioniert: Ein kanadisches Derivat von Jugger.
Der erste Anblick ist bizarr: Vom dreijaehrigen Ex-Footballer-Ex-Hosenscheisser bis hin zum 35-jaehrigen Frauenhelden ist jede Klasse von Alter und sozialem Stand vertreten. Auch flachbruestige Maedchen.

Der Spielinhalt ist einfach: Zwei Armeen, jeder mit einer von Schaumstoff und GAFFA-tape umhuellten Waffe bewaffnet. Ich spreche hier von keinem Mittelalter-Rollenspiel, auch wenn einige der Obergeeks Ritterruestungen tragen, sondern von einem Rugby-artigen Sport im Modus “Team Deathmatch”. Man hat sein Schwert, Lanze, Morgenstern usw. und muss versuchen, einen Gegner damit zu treffen, und selbst nicht getroffen zu werden. Es gibt Bogenschuetzen (die Pfeile haben dicke Schaumstoffpfropfen als Spitzen), es gibt Asassinen, es gibt Cheater – es ist wie ein Computerspiel. Das ganze findet auf einem etwa 20x40m grossen Erdfeld statt, und zieht etwa 150 Zuschauer an, die sich ueber die Laecherlichkeit des Anblicks gemeinsam amuesieren, aber insgeheim natuerlich mitspielen wuerden.


Ich ueberlege mir schwer, in den folgenden Wochen mit haesslichen Klaommen, die ruhig erdig werden koennen, vorbeizuschauen und mir eine Schaumstoffaxt zu borgen.

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Hackeysack ist hier anscheinend ein Nationalsport


Lena, Richard, Master Dipl. Ing. Toby, Christophe und .. mhhh … schlechtes Gedaechtnis 😀

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