Dieser Post gibt euch eine Basis fuer viele folgende Posts, die sich alle mit dem selben Thema beschaeftigen: Dem Menschen.

Wer in der Schule aufgepasst hat, weiss, dass die Steinzeit der laengste Abschnitt der Menschheitsgeschichte ist.

Steinzeit mit dem erstmaligen Gebrauch von Werkzeugen aus dem Material Stein durch den Menschen. […] Die ältesten Funde des Altpaläolithikums finden sich in Afrika (Äthiopien) und sind etwa 2,5 Millionen Jahre alt, die ältesten europäischen Funde datieren auf etwa 1,5 Millionen Jahre und stammen aus Georgien. Wahrscheinlich waren frühe Formen des Homo (Homo erectus, Homo habilis) die Erzeuger, eventuell aber auch Australopithecinen. Für viele Jahrtausende änderte sich am Inventar wenig.

So weit von Wikipedia. Nun ist der Leser dieses Blogs ein bereits sehr visuell verwoehnt es Wesen, dass er etwas sehen moechte, etwas knallig-buntes, etwas von der Aussagekraft der Headlines in Kronenzeitung oder Die ganze Woche – etwas, das das geschriebene Wort unterstuetzt.

Well, diese Grafik ist wohl relativ eindeutig. Die Steinzeit beginnt vor etwa 2,5 Mio. Jahren. Es entwickelt sich der Koerper des Menschen weiter, seine Gehirngroesse variiert ueber die Zeit hinweg, doch seine Werkzeuge und Lebensweise bleiben fast durchgaengig gleich. Er benutzt Werkzeuge aus Holz und Stein, und lebt in Gruppen von etwa 50 Mitgliedern, bestehend aus Jaegern und Sammlern, Maennchen, Weibchen und Kindern.

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Vor rund 10.000 Jahren hatte dann einer von ihnen (sagen wir, Fritzi) genug von diesem widerlichen mit-den-Fingern-essen. Fritzi war naemlich ein ganz ein anstaendiger, und deshalb hat er Gabel, Loeffel und Messer gebraucht. Und damit er das alles kriegt, hat er das Metall erfunden.
So in etwa geht die Geschichte von Fritzi und dem Rest der Welt, und mit der “Entdeckung” des Metalls geht es in der technologischen Entwicklung ploetzlich enorm bergauf – Bronzezeit, Eisenzeit und schwupp, sitzt man in der Hochkultur zu Tische.

In nur 10.000 Jahren hat es der Mensch von einem Bronzeklumpen zum Raumschiff, von Erdmalbildern zu 3D-animierten Filmen, von Hoehlen zu Wolkenkratzern, von Grunzlauten zu echtem Wienerisch geschafft (gut, letzteres ist wohl keine besondere Entwicklung). Der menschliche Koerper hingegen sieht immer noch in etwa so aus wie vor 10.000 Jahren.

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Wir haben also 2,5 Millionen Jahre menschliche Spezies hinter uns, der Evolution unterworfen, dem natuerlichen Umfeld angepasst – und nur 10.000 Jahre geistige Entwicklungsgeschichte. Das ist ein Verhaeltnis von 250:1.

Dieses Verhaeltnis trifft auch auf unsere biologische Evolution zu. In der Steinzeit hatte der menschliche Koerper 250 mal mehr Zeit, sich an Aussenbedingungen anzupassen. 250 mal mehr Zeit, den Koerper fuer steinzeitartige Umgebung zu designen. 250 mal mehr Einfluss auf unsere angeborenen Instinkte und unser gegebenes Sozial- und Triebverhalten.

Beinahe unser komplettes Verhalten entstand in einer Zeit, in der wir in Kleingruppen von etwa 50 Menschen lebten – Menschen, die als Transportmittel nur ihre eigenen Fuesse hatten, und deren Beschaeftigungen nicht weit ueber jagen, essen, rammeln und schlafen hinausging. Kam ein feindlicher Stamm des Weges, gab es nur eine einzige Wahl: Leben oder sterben. Das einzige, um was es damals ging, war, die eigenen Nachkommen – die eigene genetische Information – zu beschuetzen, und somit alles und jeden anzugreifen, das das Fortbestehen deiner genetischen Information auch nur im mindesten gefaehrden koennte.
Das ist das Prinzip von Evolution.
Die ueberlebensfaehigere Gen-Information bleibt laenger auf der Erde.

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Die zweite Spur der Evolution ist die gesellschaftliche, intellektuelle Evolution. Sprache zum Beispiel. Kunst. Geschichte. Kultur. All das ist nicht angeboren, sondern wird gelernt, nachdem man das Licht der Welt erblickt hat.

Diese “Evolution” ist moeglich durch Gedaechtnis und Kommunikation.
Unser Gedaechtnis ermoeglicht es uns, Informationen zu speichern und beinahe nach Belieben wieder abrufen zu koennen; und mit Kommunikation koennen wir diese Gedaechtnisinhalte an nachfolgende Generationen weitergeben.

Und diese geistige Evolution ist es auch, die uns an die Spitze der Nahrungskette stellt.

Ein Mensch ist nicht so stark wie ein Elefant. Oder so schnell wie ein Gepard. Oder so schwimmfaehig wie ein Delphin, oder so ein geschickter Kletterer wie ein Affe. Ein Mensch kann nicht fliegen, wie ein Vogel, ein Mensch kann unter Wasser nicht atmen, wie ein Fisch.
Aber, im Gegensatz zu all diesen Tieren, kann ein Mensch Mittel und Wege finden, um eben diese Defizite wettzumachen, und weit darueber hinauszuschiessen.
Das mag begonnen haben mit Stoecken, an deren Spitze scharfkantige Steine gebunden waren – und damit war der Mensch faehig, Mammuts zu erlegen, die um einiges groesser und staerker waren als er.
Das mag heutzutage gipfeln mit Atombomben, die komplette Populationen ausloeschen koennen.

Ihr stellt fest, dass beide Beispiele mit Toeten zu tun haben.
Dieses Toeten wird von einem sehr primitiven Trieb motiviert: Dem Ueberlebentrieb.
In der Steinzeit lebten wir in Kleingruppen. Jetzt, zehn tausende von Jahren spaeter, leben wir in einer globalisierten Welt mit 8 Milliarden Menschen, in der praktisch jeder mit jedem in Verbindung stehen kann.

Unsere geistige Evolution hat diesen Fortschritt bewirkt, und wir bekommen als Kinder jene Regeln eingeblaeut, die eine solche Gesellschaft moeglich machen:

  • Sei ruhig und schrei nicht so viel
  • Sei nett zu Kindern, die ein bisschen anders sind als du
  • Der Kluegere gibt nach
  • Man kann Konflikte auch mit Worten loesen

All diese Regeln sind essentieller Bestandteil unserer heutigen Welt, und ohne sie waere ein solch globalisiertes Leben in einer gigantischen Masse von Menschen nicht moeglich.
Gleichzeitig aber hat diese riesige Veraenderung, komprimiert auf 10.000 Jahre, so gut wie keine Auswirkungen auf unseren Koerper. Wir haben vielleicht etwas weniger Haare, etwas schoenere Fuesse, etwas feinere Gesichtszuege – aber tief in uns drinnen rumort und poltert ein Hoehlenmensch, der nur ueberleben und sich reproduzieren will.

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Dieser starke Kontrast zwischen dem riesigen, roten Wuerfel, der unsere biologische Entwicklung darstellt, und dem winzigen violetten Wuerfel, der unsere geistige Entwicklung darstellt, fuehrt zu – so glaube ich – einem Grossteil der Probleme in unserer modernen Welt.

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