Durch Zufall lernte ich vor ein paar Tagen einen recht gmiadlichen Typen am Weg von der Arbeit nach Hause kennen. Adam, aus dem Libanon.
Zufaelligerweise hat er ein Jahresticket fuer La Ronde und laedt mich auf eine seiner Freikarten ein.

Deshalb nehme ich mir heute frei.

Am Weg zu La Ronde treffen wir zwei Schweizerinnen (die unverstaendlichen Kauderwelsch von sich geben) und schlendern gemeinsam in Richtung Vergnuegungspark.

Der Parkplatz war geschlossen. La Ronde hat heute ausnahmsweise anstatt von 9-17:00, von 21:00 bis 5:00 offen. Na super!

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Also schlendern wir ein bisschen im Park herum. Als wir bei der Picnik-Electronique-Skulptur vorbeikommen, fragt er, ob er die Bilder auf meiner Kamera sehen darf. Klar.

Wir gehen ein bisschen weiter. Er wendet sich vom Kameradisplay zu mir.

Toby, have you ever taken nude pictures?
No, just with clothes on.
So you took no nude pictures of girls .. or boys?
Nope.

Wir gehen weiter. Ich ruempfe meine Nase, wittere das Unerhoffte.

Abermals sieht Adam auf.

Toby, have there ever been nude pictures taken of you?
Aeh .. no!?!
Do you want me to take nude pictures of you?
NO!

Doch dann verfalle ich seinen Reizen, wir kuessen uns leidenschaftlich, ziehen uns nackt aus und .. natuerlich nicht, ihr naiven Homophobiker.
Also nichts gegen Schwule, aber das war jetzt schon das zweite Mal in Montreal.
Dauernd denke ich, ich haette einen coolen Kerl getroffen, und dann entpuppt er sich als schwul.

Weshalb ich nicht einfach gegangen bin, weiss ich auch nicht. Vielleicht will ich mehr ueber das Flirtverhalten von Schwulen rausfinden, keine Ahnung.

So viel ist gewiss: Je mehr Aufreiss-Stories ich ihnen erzaehle, je mehr ich indirekt sage wie sehr ich auf Maedels stehe und wie geil ich sie finde, desto oppressiver werden die Annaeherungsversuche.
Adam war wenigstens nicht touchy-touchy, redete dann aber non-stop von”Sexy Boys”.

Was dann relativ interessant war, waren seine Schilderungen aus dem Libanon. Also, im Libanon ist das so:

Wenn man schwul bist, kein Problem. Man fragst den naechsten, der halbwegs schwul aussieht, wo der naechste Schwulenstrand ist, man geht hin, geht ins Wasser, und sobald ne grosse Welle kommt und ueber einen drueberschwappt greift einem jemand auf den Pimmel oder klatscht einem jenen aufs Hinterteil.
Falls nun aber der Freundeskreis oder die Familie rausfindet, dass man schwul ist, dann ist man sprichwoertlich im Arsch – keiner schert sich darum, ob man heute oder auch morgen stirbt, aber man stirbt relativ bald, dafuer garantieren alle maennlichen Angehoerigen. Im Libanon ist es eine so grosse Schande, schwul zu sein, dass einen die eigene Familie dafuer umbringen wuerde. Eine Art kulturell auferlegte Todesstrafe.

Ist man hetero, sieht die Welt nicht ganz so scheisse aus. Zumindest, wenn man ein Mann ist.
Als Frau naemlich, ist man verpflichtet, die Jungfraeulichkeit an den Eheman verliert. Passiert es vor der Heirat, dass man mit einem Mann schlaeft – freiwillig oder nicht – hat man den Status einer Hure. Nicht, wie wir zu sagen pflegen “Ach, du bist so eine Hure”.. nein, so, als ob man sich auf der Strasse prostituiert haette.
Findet der Ehemann heraus, dass er ein Maedchen geheiratet hat, das bereits einmal Sex in ihrem Leben hatte, kann er sich am naechsten Tag von ihr scheiden lassen, und wird das auch tun – denn seine Familie und seine Freunde werden so lange nicht mit ihm sprechen, bis er sich von der Hure, die er geheiratet hat, scheiden laesst. Eine Jungfernhaeutchen-OP kostet laut diesem Times-Artikel 2,900$.
Dem Maedchen bleibt nichts anderes uebrig, als sich

  1. Wieder zutackern zu lassen
  2. Echt eine Hure zu werden
  3. Das Land zu verlassen

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Zurueck von den depressiven Themen zu dem oppressiven Schwulen:

Adam beginnt doch allen Ernstes mit mir zu diskutieren, dass es total OK ist, wenn er Nacktfotos von mir macht.

So you are sure that you don’t want me to take nude pictures of you?
No, I don’t like that. Nude pictures of me.
Wow, that is so weird…
(Ja, echt seltsam, dass ich keine Nacktfotos von mir will, gemacht von nem notgeilen Schwulen..)
But Toby, look, there’s just you! Just you! It’s not about the camera or me. Look, I like taking pictures of people having sex, that’s cool. And it’s just about the model, you know, not about the photographer. The model is just doing a job, and the photographer is just doing a job.
Well, for me it is also about the photographer. Probably in front of a girl, but not a guy. I’m not into guys.
I mean, you don’t have to be attracted to the photographer! It is not having sex, it is just a nude photoshooting!
Well, it’s something intimate between two people, and I am not into guys, so I won’t be intimate with a guy.
Nooooo you get that wrong man .. I mean, the photos are on YOUR camera, right? So you can do what you want with them .. see them .. delete them ..
Its not about the outcome, man. It’s about the shooting. I mean, I have to feel comfortable in front of a photographer, especially when I would be naked. Same thing, if you would be photographed by some horny 60-year-old, fat, ugly man who is staring at you with his tongue hanging out, then you wopuldn’t feel comfortable too, hm?

Von dem Punkt an wurde es ziemlich absurd – jetzt hatte ich ihn schon mit einem haesslichen 60-jaehrigen verglichen, also konnte ich ihm praktisch alles an den Kopf werfen, was ich wollte.

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Das einzige, was ich feststellte, war, dass meine Ansichten ueber Nacktheit relativ hypocritical sind:
Ich finde es komplett in Ordnung, im Kino nackte Menschen zu sehen (und wuerde das auch Kindern zeigen) – aber mich selber vor der Kamera ausziehen, erscheint mir vollkommen abwegig.

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“I have to go this way. Bye, Adam!”
“Aeh, bye … ” – ich sehe seinen bedauernden Gesichtsausdruck fuer den Bruchteil einer Sekunde, bevor ich mich umdrehe und gehe.

Und wieder ein Schwuler, dem ich das Herz gebrochen habe – Zeit, mal ein bisschen auszuspannen, Herzen brechen ist ganz schoen anstrengend.
Ich stimme fuer eine dreitaegige Reise. Wohin es geht?
Verrate ich euch Dienstags.

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