In Montreal gibt es einen sexy Vergnuegungspark. La Ronde koennte vom Namen her natuerlich ein Bordell (Wuerstelprater) sein, ist allerdings eine Ansammlung von Achterbahnen, die von Sixflags aufgekauft wurde.
La Ronde liegt auf einer Insel. U-Bahn-fahren fuer 2,75$ pro Person ist ein Vermoegen und Laufen ist gesuender – dann gehen wir eben zu Fuss.

Meine Eltern sind Adrenalin nur aus Kinderbuechern oder TV-Dokumentationsfilmen wie “Tiere der Serengeti” oder “Blauwale im Eismeer” gewohnt. Zart besaitet wie sie sind, beginnen sie beim entfernten Kreischen auf den Achterbahnen bereits nervoes zu keuchen, beim naeheren Hinsehen fallen dann Kommentare wie “Da geh ich nie rauf” oder “Fahren wir lieber Riesenrad”.
Gut, dass mein Bruder und ich unsere Eltern gut erzogen haben – und sie dementsprechend einfach auf eine Achterbahn zwingen werden.

Die drei machten einen Trip von Los Angeles – wo sie ein paar meiner Freunde trafen und ins Museum of Tolerance, rein der Nostalgie und Dramatik wegen, gingen – bis nach Washington DC, und von dort ueber New York City nach Montreal. Well, in Washington offenbarte sich auf einem McDonald’s-Becher der Traum fuer meinen Bruder und meinen Papa:

  • Fuer meinen Bruder, weil es ein Gutschein fuer einen Sixflags-Parkeintritt war
  • Fuer meinen Papa, weil er dann einen Eintritt weniger bezahlen musste.

Voller Euphorie und der Freude am Geldsparen gondeln wir also zum Customer Service, nur um zu erfahren, dass diese Becheraktion nur fuer SixFlags-Parks in den USA gilt. Vollpreis, bitte.

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Meinen Oheim und dier werte Frau Mutter konnten wir dann zumindest auf eine Achterbahn samt Looping ueberreden, allen Bandscheibenbeschwerden und seelischen Wehwehchen zum Trotz. Ein guter Rat ist es immer, den Eltern etwas mehr Freilauf zu lassen, um selbst etwas weniger Sorgen um die familaere Fahrtenfeigheit zu haben. Mit meinem Bruder als Verstaerkung geht es jetzt auf die schnelleren, extremeren, Bahnen, die nicht nur aufregender sind, sondern auch proportional laengere Warteschlangen aufweisen.

Als ich mit Robert zum ersten Mal im SixFlags Magic Mountain war, nieselte es, und kein Schwanz, der in Los Angeles wohnt, geht bei so einem Sauwetter aus dem Haus – ist es doch wahrscheinlich der einzige Tag im Jahr, wo es regnet.
Dieses Mal in Montreal war es etwas umgekehrt; der erste Tag im Sommer, an dem es nicht regnete. Klarerweise hatte dann die halbe Stadt dieselbe Idee wie wir: ab nach La Ronde.
Mehr Menschen bedeuten zwar mehr heisse Maedels mit franzoesischem Akzent … aber das Aufreissen musste mal Pause machen – man moechte ja lieber unter der Familie bleiben, wenn man sie einmal in 12 Monaten zu sehen bekommt.
Dieser Familienbesuch nach langer Abstinenz war natuerlich Grund fuer ausgedehnte Abende mit einer Menge Geschichten …
doch wer kleine Geschwister hat, weiss, wie das ist: Egal, wie lange man sich nicht gesehen hat, nach drei Tagen kann man sich wieder gegenseitig auf den Sack gehen.
In La Ronde inmitten einer anderthalbstuendigen Warteschlange gefangen, wurden unsere Ideen zum Thema “Wie-man-sich-gegenseitig-piesaken-kann” richtig amazing.

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Dieses Problem wurde vom ewigen Warten erzeugt – die Loesung des Problems ist die Bekaempfung seiner Ursache:
In der Fernsehserie Southpark gibt es einen Charakter namens Cartman. Klein, dick, judenfeindlich.
Der kleine dicke judenfeindliche Junge erbt eines Tages eine Million Dollar von seiner Omama. Ohne zu zoegern, kauft er sich einen Vergnuegungspark, laesst niemanden mehr hinein, und kann ganz alleine alle Attraktionen fahren, ohne je wieder warten zu muessen.
Damit kann ich leider nicht trumpfen.
Unser Wiener Charme jedoch (Wiener sind ja weltweit fuer ihre Herzlichkeit und Fremdenfreundlichkeit bekannt .. hust) verlieh uns ploetzliche Superkraefte, und bald wuerden wir in der Zeitung stehen:

The Single Riders strike back

Das Superheldenduo, das innerhalb von fuenf Minuten auf einen Ride kommt.
Jeder, der schon einmal in einem amerikanischen Vergnuegungspark war, kennt den sogenannten “Fast Pass”. Er ist das Ambrosia der Wohlhabenden, das Mana der Geldscheisser, die Abkuerzung fuer Adelige: Bei einem relativ happigen Aufpreis wird es moeglich, die gesamt Schlange zu umgehen, und direkt zur Attraktion zu gelangen – und zack, das Warten gehoert der Vergangenheit an.
Dummerweise (wie auch in zuvor erwaehnter Southpark-Episode gezeigt) gibt es zu viele Besucher mit zu viel Geld, was dazu fuehrt, dass auch die Fast Passes in einer Schlange stehen muessen, und die Superkraefte versiegen.

Anders jedoch bei meinem Bruder und mir – folgendes Konzept ( “The Single Rider way of life”, US Pat. N0. 764290017 – Filed Aug 10, 2008 ) benoetigt gute Manieren und einen akzeptablen Koerpergeruch.

The Single Ride Guide

  1. Run around the attraction and look for an entrance which states “Single Riders”. Most common, there will be none and you leave in disappointment.
  2. Hold on, mon ami! Go back to the attraction and look which entrances are available. There will be one with a lot of people – that’s the one where people get trampled and die waiting. Don’t use it.
    Instead, go for the Fast Pass entrance – or the Exit. In French, this will be the big red sign saying “SORTIE”. Some parks have small swinging doors at the exit, which are opening just in one direction – so don’t run into them, this will cause scrambled eggs in your pants.
  3. Go all the way up. No mercy for Fast Pass people or mothers with strollers at the Exit. You have a mission, and those people don’t matter. If you get kicked in your balls too often for skipping these few people in line, consider buying a chastity belt or improve your line “I just want to speak to one of those technicians, I won’t skip the line!”.
  4. Time to get your charme running on 78.4% (about 26$). Smile, wave your hand and get a technician (whatever you call those people helping you in the seat) to notice you. Preferably, choose a flirty girl if you are good-looking (like me), or a chilled dude, which is also fine.
  5. And now comes the negotiation part, in which you ask wether they offer “Single Ride”.
    Either, you’re too demanding or too nice or too stupid or too self-conscious – well, then they will say NO, you resign and have fun walking back the exit ramp.
    OR you can stand a bit and show persistency. If they say no, explain that if there are four seats in a row and a group of three people comes in, then there’s one spot empty – so you are the one to fill this spot with your fat ass. Don’t mention the fat ass, it’s just not very polite.
  6. If you are two people (like me and my brother), then answer the technician’s question “Are you alone?” like a selfish prick: “Sure! No, this guy is not with me” (also if you look like clones, as me and my small brother do). The second Single Rider superhero will ask right after you, and the technician would feel too bad if she denied the second guy to support world peace with filling up an empty rollercoaster spot.
  7. Well, if you are successful and the girl smiles and winks at you, or the dude is saying, “Hold on, Bro, come over here, it’s gotta be awesome, just take a sip of the Whiskey!“, then the Game is on.
  8. Make fun of those idiots who waited for one and a half hours while you sneaked in within five minutes.
  9. Last step: Just chill, bro. There are more rides out there, ready for Single riders! Additional bonus: You can meet hot chicks on the rollercoaster. Actually, in 75% of my Single rides I ended up sitting next to a nice girl and/or a MILF.

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Rhabarber, Rhabarber. Am Ende des Tages hatten wir jede einzelne Achterbahn gefahren, Single geridet bis wir uns einsam fuehlten und entgegen der Erwartungen meines Vaters nicht gekotzt.

Dem Himmel sei Dank.

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