Verehrte Ladies and Gentlemen, folgen Sie mir auf eine phantastische Reise quer durch den Gemuesegarten und zurueck nach Los Angeles. Damals war es noch warm, roch nach Smog und … Disneyland. Dem Pott der Mikceymausimitatoren, das Fantasia der Zuckerwatteliebhaber und die erste Real-Life-Experience fuer junge Mickeymausheftl-Geeks. Wie ich es einst einer war (und tief, tief drinnen in mir glimmert noch der bebrillte Junge mit der Stufigen Frisur auf seiner Stirn und dem “Ich schau so aus wie Harry Potter”-Emblem auf der Brust prangend).

Los Angeles. Einen Tag vor meinem Abreisetag. Ja, in diesem Verweis steht auch zu lesen, weshalb ich LA ohne Lobgesaenge und rotem Teppich verlassen musste.

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Das Grundprinzip eines Disneylandbesuchs ist, dass man unbeholfen herumspringt, selbst den kleinsten Bloedsinn faszinierend findet, und ueberdimensionierte Stofftiere knuddelt: Man ist wieder ein kleines Kind. Das Paradoxe daran ist, dass ich keinen Unterschied zu meinem sonstigen Zeitvertreib feststellen konnte.

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Zuerst geht es auf Robert’s Campus – Robert ist mein Ex-Arbeitskollege (wir haben uns scheiden lassen) und sehr guter Freund aus dem Museum of Tolerance.
Ziel der Fahrt zum Campus: Wir wollen Karten fuer Disneyland zum Studentenmafia-Tarif haben. Und ich will Geld abheben.
Bald darauf stellen wir fest, dass die Ticketstation erst eine Stunde spaeter aufmacht als erwartet, und dass alle Bankomaten im Umfeld von etwa 20.000 Kilometern (aequivalent zu etwa fuenf Liter Milch und zwei belegten Broten) den Geist aufgegeben haben.
Mit leichter Verspaetung realisieren wir, dass wir
1) eine Stunde laenger den Schlaf der Gerechten schlafen haetten koennen
2) Ich nach beilaeufiger Pruefung meiner Geldboerse doch genug Cash in der Geldboerse hatte, nur eine halbe Stund lang zu faul war, nachzusehen – und wir NICHT den halben Campus abrennen haetten muessen.
Denn wie fast ueberall in den USA, sind die Colleges/Universitaets-Campi gigantisch gross, mit weiten Gruenflaechen, tanzenden Tauben und spielenden Kindern mit singenden Maeusen…

Endlich alle Sachen gepackt, Tickets parat und die Eier links und rechts in der Hose – ab gehts. In suedoestliche Richtung, nach Anaheim, California.


Immer hereinspaziert, auf der eigenen Freewayabfahrt und privaten, vierspurigen Bruecke nach Disneyland.


Das Schloss war etwas kleiner als erwartet. Wir sind doch nicht in Minimundus hier, bitte.


Das ist Robert. Robert mag Rockmusik. Robert kennt sogar die geheimen Handzeichen der Rockmusiker.
Im Hintergrund das Matterhorn, ne richtig geile Achterbahn im Inneren des Fake-Berges. Die Liftwaertinnen trugen laecherlich kitschige schweizer Trachten.


Hier bekommt man eine Disneyland Driver License ueberreicht und braust mit ca. 6km/h durch die Landschaft.


Fliehkraft bei Alice im Wunderland


Minni Maus. Geile Schnecke.

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Um Wartezeiten zu verkuerzen, bringt mir Robert ein Spiel bei: Spoonwar. Man hat zwei Plastikloeffel, biegt das Ende des Stiels um 90 Grad und benutzt es als Hacke. Der Gegenspieler haelt seinen Loeffel mit der Schale voraus, und du biegst deine Hacke, um kurz darauf auf den Loeffel einzudreschen. Wer die Loeffel-Schaufel komplett zerstoert hat, hat gewonnen. Einsatz von Handfeuerwaffen gilt als unerlaubter Wettbewerbsvorteil und ist somit untersagt.
Auch in Amerika.

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Der Tourguide war grossartig, hatte sogar ne Pistole dabei, um ein paar mechanisch zuckelnde Eingeborene aus ihrem Urwald zu verscheuchen..


Der wohl beschissenste Job in Disneyland: Sich den ganzen Tag lang an einem Baum festkrallen.


This is the Tower of Terror. Call 911 if you’re scared.
Tower of Terror ist eine Reiterstellungs-Attraktion: Hoch, runter, hoch, runter.


Wir rasen hoch zur Spitze, bleiben kurz stehen und rasen wieder abwaerts. Ich bemerke etwas weisses in meine Augenwinkel: Mein Spoonwar-Plastikloeffel gleitet aus meiner Hemd-Brusttasche und schwebt rotierend wie in Zeitlupe vor meinem Gesicht, komplett schwerelos. Bevor ich ihn zu fassen kriege, bremsen wir ab und er faellt zu Boden. Ich versuche dieses Phaenomen zu reproduzieren und stipse einen anderen Loeffelteil waehrend der naechsten Fallsequenz in die Luft. Anstatt zu schweben, schiesst dieser zur Decke.
Ich bin Astronaut!


Das Feuerwerk hat absolut apokalyptische Ausmasse.
Sollte man mal Al Gore und Greenpeace zeigen.

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