Zwei Wohnungen. In einer verlaengerten Mittagspause chauffiert mich und Lukas unsere Chefin. Eine sehr edle Geste; sie fuehlt sich verantwortlich fuer mich und ich kann jeden Rat gebrauchen, meinte sie.

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Apartment 1

Wir parken an einer breiten Einkaufsstrasse. Perfekte Lage, etwas laut, aber zentral und nahe zu allem, was man braucht. Ein paar Stufen hoch, und ich begruesse einen etwa 20-jaehrigen typen, der mir einen recht schlabbrigen Haendedruck gibt, die Arme ueber den kopf reisst und ziemlich nervoes wirkt. Schliesslich habe ich Lukas und meinen Boss mitgebracht, was mehr nach Leibgarde als nach Mietratgeber aussieht. Die Wohnung ist das, was wir in LA hatten, bloss kleiner und billiger: Zwei Stoecke, ein Wohnzimmer mit Ledercouches, die sich um einen Fernseher gesellen, eine offene Kueche und – oh Ueberraschung – mein Zimmer mit vier Waenden und einem Deckenfenster. Ein bisschen Kammerfeeling kommt auf, aber das stoert ja niemanden, denn eine Tuerklinke an meinem Zimmer habe ich schon in LA vermisst. Macht einen netten Eindruck, aber nach meiner verrueckten Zeit in LA moechte ich eher nicht in einer schuechternen Geek-WG wohnen, das koennte etwas langweilig werden.

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Apartment 2

Im Herzen der Gay Village, einen halben Block von Chris’ Haus entfernt (Chris habe ich in New York getroffen, er war am Roadtrip von NYC nach Montreal dabei).
Die Gay Village sieht piekfein und aufgeraeumt aus. Huebsch, und ein riesiger Park ist direkt vor der Tuer. Eine nette Tuer, nette Tuer, nette Tuer … ich suche nach der richtigen Nummer … und schrecke zurueck: Blau-abgeblaetterte Farben, eine wackelige Holztuer, zu der eine rostige Treppe fuehrt. Der Rest des Hauses ist nett, bloss gerade diese eine Tuer sieht schwer nach einem Fall fuer die Abrissbirne aus.
Als ich auf die Klingel druecke, bemerke ich, dass die Tuer offen steht. Immer hereinspaziert, interpretiere ich, trete in den Treppenkorridor und klopfe an die Tuer. Eine Frau um die 28 oeffnet mir. Blitzhellgraue Zaehne und eine Ladung Makeup strahlen mir, gebuendelt von einer Knollnase, ins Gesicht. Aber holla.

Dass sie ein enges, rotes Kleid mit aufwaendigem Halsgehaenge traegt, wundert mich bald nicht mehr. Sie ist Zeichenlehrerin, und gibt Unterrricht bei sich zuhause. In einem engen roten Kleid, versteht sich doch von selbst. Und gerade als ich sie nach der blauen Tuer frage und in das nette, helle Wohnzimmer trete, verziehe ich das Gesicht. Durch das Fenster sehe ich auf einen wunderschoen-rostbraunen Balkon, von dem man eine grandiose Aussicht auf … eine fette, rostige Metallplatte hat, die zwei Stockwerke hoch ist.

Die Kueche, nett, die Abstellkammer voller Muell – unter den Trashbergen hausen sicher ein paar angeknabberte Zeichenschueler.
“And this is the room!” – Rotkleidchen oeffnet die Tuer, und mir schlaegt eine Parfumfaust ins Gesicht. “There is a girl living in there right now.”
Echt. Haette ich nie rausgefunden, die ganzen Plueschkleidchen und der riesige Kleiderstaender sind doch steorotype Maennerutensilien.

“Oh, and in the morning, I have drawing classes here in the living room. So there is no loud noise, or showering, or running around in a towel. I mean, you can say hello. And of course, you can have breakfast in the kitchen.”
Wow, danke. So liebenswuerdig.

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Nichts wie raus hier.

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