Von Wien habe ich schonmal Abschied genommen. Da hat mir aber meine Mama beim Organisieren geholfen. Kein Grund, diesen Fakt zu leugnen. Geht eh jedem so. Ist ganz normal. Richtig.
Diesmal war keine Mama verfuegbar, zumindest kenne ich keinen Weg, ueber 6000 Meilen Entfernung einen Koffer mitzupacken.
.
Dieser letzte Tag ging sehr schnell vorueber – und die meisten Sachen von Wert konnte ich verkaufen. Robert kaufte mein Auto, da seines ein paar Tage zuvor den Geist aufgegeben hatte.
Zag kaufte mein Bett, und weil ich ihn so doll lieb habe (oder keinen dreiundzwanzigsten Koffer mitnehmen will), habe ich ihm auch noch meine wunderschoene Decke und Poelster geschenkt.
Da klebten noch feuchte Erinnerungen dran… vom Fruehstuecken im Bett bis zum 1-on-1 Kussfleckkampf. Mein Surfboard haben sich Mikey und Matt fuer einen Spottpreis unter den Nagel gerissen, da ich aber schon bald aufbrechen musste, blieb mir wenig anderes ueber.


.
Als ich so halb fertig mit dem Packen war, und auch kein Auto mehr hatte, hielt ein SUV-Truck vor unserer Garage… Josh und Winston kamen all the way from Pepperdine, nur um mir meinen grauen Tirolerhut zurueckzuhaendigen (den ich bei ihnen vergessen hatte, als ich das ehemals vergessene Ladekabel abholte).
Nicht nur das, wir fuhren zu einem Restaurant namens “Roscoes”. Sollte so ein Klassiker sein wie das Pinks, eine beruehmte Wuerstchenbude, die allerlei Promis bedient hat.


Der verraeterische Titel “Roscoes, Chicken and Waffels” sollte mir schon mal den Magen umgedreht haben. Nein, hat er nicht. Was mir viel eher den Magen umdrehte, war, als wir unsere 15$ schweren Gerichte serviert bekamen: Ein halbes Huehnchen, umhuellt von einer zarten, cremeartigen, leichten, 1cm dicken Fettsossenschicht; dazu noch zwei 20-cm-Durchmesser-Riesenwaffeln, mit einem dicken Ball purer Butter oben drauf und zwei kaennchen Sirup zum Runterspuelen.

Mir wurde fast schlecht bei diesem perfekten Portrait von “Mid West America” – der fettleibigen Zone Nummer Eins.
Und dann ging alles ganz schnell: Winston und Josh mussten zurueck nach Pepperdine, und Lorena holte mich ab, in einem suessen blauen Kleid, und mit einer Menge guter Ideen in ihrem Rucksack. Mmmmh.
Nach Hause, fertig gepackt, von Mister Schretter noch einen Besuch abgestatte bekommen und ihm gleich mal meine eine IKEA-Lampe (fuer 10$ Bearbeitungsgebuehr) geschenkt, Robert kam und wir erledigten den Papierkram fuer den Autoverkauf, Umarmung, Umamrmung, Bussi, Bussi – und ich bueckte mich unter dem Garagentor weg. Das waren wunderschoene fuenf Monate in Los Angeles, mit wunderbaren Menschen und wunderbaren Erlebnissen.

.
.
.
Was jetzt? Alles vorbei? Nein, denn wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…
.
.
.
.

Ich sitze gerade an Bord einer 767. Mein Laptop gibt langsam auf. Ich sehe mir nochmal die Fotos an, die ich

von Lorena am Flughafen geschossen habe. Denke zurueck an den Stress, den ich beim Schalter hatte, weil ich meine Reservierungsnummer per email bekam und nicht aufschrieb, und beim Schalter dann kein Internet hatte, um sie herauszufinden. Kein Problem, sagte die Lady, nahm meinen Pass, und eine Minute spaeter hatte ich ein feines Ticket.
Denke zurueck an die Erleichterung, doch noch Tickets bekommen zu haben, die Erleichterung, die sich bald mit Geilheit mischte.
Die Kinderfreundliche Version: Lorena und ich gaben uns eine Umarmung und sagten tschuess.
Nicht lesen, Kinder: Lorena und ich befanden uns etwa drei Levels an Unangebrachtheit und Versautheit – direkt neben einer MILF in einer Ecke des Flughafens auf einem Sessel sitzend – ueber der sozial-kompenteten Akzeptanz des durchschnittlichen Kaliforniers.
Im Flugzeug ueber mir – Gepaeckfach – liegt wohl verwahrt eine CD, die mir Lorena gebrannt hat. Lorena ist ein grossartiges Maedel, die sich um andere kuemmert. Rot ausgemalter Pluspunkt.
“I will never forget you!”, sagt sie. “Ja”, denke ich, waehrend ich ihr einen weiteren Kuss gebe, “ich auch nicht. Das Leben geht weiter, aber das sind echt schoene Erinnerungen an Los Angeles.”

Ich knuddle mich in zwei Decken am Fusse der Economy Class – Fussfrei und Einzelplatz am Fenster -, denke an Lorena und unsere barely-legal-Aktion am Flughafen und starre den im Dunklen wackelnden Hueften der Stewardess hinterher.
.
Nun sitze ich also in einer 767, einem grossen Blechtrum in 10.000 Meter Hoehe, habe Los Angeles verlassen… aber was ist meine Destination, “Wo zum Tuefel fliegt er hin? Montreal? Oesterreich? Balgladesh?”, wird sich der Leser fragen. Well, ich bleibe noch fuer ein paar Tage in den U, S and A. Und es gibt nur eine Stadt in den vereinigten Staaten, die Los Angeles wohl an Trubel, Intensitaet und Imposanz uebertreffen kann.
Ja, richtig geraten.
.
Ich fliege nach New York.

« »