Am 4. Juli 1778 hatte George Washington einen guten Tag, und genehmigte seinen Soldaten eine doppelte Portion leckeren Rums, auf dass ihre Moral gestaerkt und sie sich freizuegig uebergeben konnten.
Und wieso?
Weil zwei Jahre zuvor, am 4. Juli 1776, die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhaengigkeitserklaerung verabschiedeten, und sich von der feisten Koenigin von England lossagten.
Und alle Jahre wieder zelebrieren die Amerikaner dieses Freudenfest, am 4. Juli, und dann gibt es Barbecues, und es gibt Amerikaflaggen, und es gibt Baseballspiele, Saufgelage, Familientreffen, es gibt hopsende Kinder, und jeder wuenscht sich gegenseitig Happy 4th of July.

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Auch wenn ich dieser Tradition ideologisch wenig abgewinnen, die Ursachen nicht tief drinnen fuehlen kann, so bleiben mir immer noch die Symptome. Und diese waren diesmal eine Beachparty.

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Ich fahre, Mikey und Lenn, die sich zuhause noch mal eben eingepufft und anschliessend einen Kasten Bier gekauft haben, spielen meine Beifahrer.

Mikey ist der mit dem Hut, ein gschmuftiger Kerl der bei Paramount arbeitet und mein Loftmate ist, Lenn ist der Dude mit Sonnenbrille, ein Freund von Mikey, beide seusse 24 (wer will sie haben?).
Im 240SX wird es etwas eng. Wir nehmen eine ausgezeichnete Route hinunter nach Hermosa Beach. Hermosa Beach ist das, was man sich aus den Filmen in Kalifornien vorstellt: Eine Kleistadt am Strand, und eine Strandvilla reiht sich an die andere. Sie sind allesamt nicht sonderlich gross, aber gemuetlich und so richtig kitschig amerikanisch.

Wir kommen zu einer zweispurigen Strasse mit einer Allee als Mittelstreifen, gesaeumt von SUVs und Strandhaeusern. Das Haus war der absolute amerikanische Traum – eine Terasse, eine lange Treppe nach oben, Pingpongtisch im Hinterhof und eine Kueche voller Alkohol.


Da ich der Driver war, und mit Maedels viel besser kann wenn ich nuechtern bin, habe ich nichts alkoholisches getrunken.
Alkohol im Ueberfluss macht mich lahm und langweilig – also ein nicht-nicht zum Aufreissen.

Die Party war geil, die Maedels maessig bis OK – aber allesamt hatten sie seltsamerweise ne ziemlich schlechte Haut (?!) – denen haette ich Ciscutan weiterempfehlen koennen. Danke fuer die Komplimente, ichweiss, die Schleichwerbung war sehr gefinkelt gesetzt…

Was natuerlich mandatory war: Der Gang zum Strand. Wir gingen eine Fussgaengerzone hinab, auf beiden Seiten Haeuser, in derern Vorgaerten Parties fuer jung und alt stattfanden.
Blau-Weiss-Rot dominierte mit Abstand das Landschaftsbild, echt krass – wo die Amerikaner wohl die ganzen Flaggen her haben moegen? Eine Flagge groesser als die andere, Teenager, die sich mit Holztecken und amerikanischen Flaggen gegenseitig den Ruecken rotschnalzen … ja, da fuehlt man so richtig den Unabghaengigkeitsflair.

Am Strand traf ich ne nette Blondine namens Lisa, und sie hatte nette Datteln. Und sie war auf derselben Party wie ich.
Langsam habe ich den Dreh beim Bodysurfen raus: Man wartet auf die Welle, widerstrebt dem Sog um Weg zu gewinnen, und in dem Moment, wo der Fuss der Welle einen erreicht, paddelt man wie verrueckt, streckt den koerper, gewinnt Geschwindigkeit. Hat man alles richtig gemacht, bricht die Welle hinter einem, und man rast auf den Strand zu, indem man im Wellensog auf- und abgleitet und dabei die Haende schraeg nach oben haelt, um nicht unterzutauchen.

Ein paar Stunden spaeter fand ich heraus, dass Lisa einen Boyfriend hatte, und der die ganze Zeit auf der Party war. Der Beziehungskrach ist natuerlich bereits auf dem Kalender eingetragen.

Die absolute Draufgabe war dann, als ich gerade in der Kueche stand, ein Maedel umdie Ecke kam und ich sie anhielt, sie gerade mal 30cm vor meinem Gesicht stehenblieb, und wir uns haendchenhaltend ueber ihren deutschen Schaeferhund unterhielten, der sie in ihr GEsicht biss. So eine romantische Geschichte, da kamen mir beinahe die Traenen … 20cm … 10cm … AH, MEIN BOYFRIEND IST EIGENTLICH GERADE DA, und sie springt dem Gastgeber um den Hals, der sie reflexartig fest drueckt.
Was fuer eine Kuechenschabe. WHat doch keine Ahnung, dass sie zu nervoes wurde, und obwohl er sich schon den ganzen Tag an ihr versucht, hat er sie noch nicht gekriegt – und jetzt wirft sie sich in seine starken Arme.

COCKBLOCK!

Der gesittete Junggeselle wuerde jetzt verlautbaren: What the Fuck?!

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So sind sie halt, die Frauen. Mir wurds zu bunt auf dieser Party, alle netten Girls vergeben, alle haesslichen wollt ich nicht haben. Mikey war uebelst besoffen, Lenn – Plan B: Ein Maedel schrieb mir eine textmessage, dass ihre Freundin mich schrecklich gerne kennen lernen wuerde. Okay, ab gehts… im naechsten Post.

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