Wir sprechen von letztem Wochenende. Ich war den ganzen Tag damit beschaeftigt, meinen Rausschmiss zu verarbeiten und Alternativen zu suchen, und des Nachts ging es zu ner Hausparty nach Hollywood.

Netter Apartment-Komplex in U-Form und Innenhof, wie man ihn aus den Filmen kennt. Im ersten Stock, ein Typ in einem lila Fell und schraegen Kostuem bittet uns herein. Die Truppe besteht aus Elliot, Mikey und mir, und noch drei kanadischen Couchsurfern, die bei uns uebernachteten. Na dann, hinein mit mir.
Es ist ne Geburtstagsparty, und irgendein Idiot hatte sich ausgedacht, das Partythema “80er Jahre” zu taufen. Haette genauso auch “Bewerft euch mit Fetzen und waelzt euer Gesicht in Jauche” heissen koennen – sowas von trashig angezogene und schrottig geschminkte Ladies habe ich seit langem nicht gesehen.

Ich musste meine Spuernase nutzen, um herauszufinden, welches dieser haesslichen Geschoepfe nach dem Abschminken vielleicht doch noch recht ordentlich aussehen koennte.

Erste Gruppe aus Maedels, ein recht heisses Maedel mit Piercings, n anderes mit nem Irokesen, und das hoefische Gefolge.
“Damn, that’s a cool hairstyle”, sage ich, und fahre ihr durch den Irokesen.
“WHAAAAAT DID YOU JUST TOUCH HER HAIR?!?!”, schreit mich die mit Metall uebersaehte Tussi an.
“Yeah, and I’ll do it again!”
“DARE YOU, OR I WILL PUNCH YOU!”, schreit mich ein anderes Maedel an.
“Where?”
“Somewhere where it hurts!”
Meiner Familienplanung zuliebe entzog ich mich dem Genuss dieser Gruppe.

Den restlichen Abend ging’s so aehnlich weiter, all die guten Maedels waren vergeben und ich erbarmte mich ihrer Boyfriends. Am Ende sass ich herum und tat gar nichts mehr. Sehr untypisch fuer einen Mann, der nur einen Grund hat, zu ner Party zu gehen.

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Ploetzlich kamen zwei Maedels die Tuer rein. Die eine blond, die andere bruenett.
Ja, ich weiss, was ihr denkt. Chubby girl und hot chick.
Nein, diesmal nicht. Diesmal waren beiden verdammt scharf.

Sie gehen in die Mitte des Raums und sind in Sekundenschnelle mit ein paar netten Herren im Gespraech.
Oder um es ehrlicher zu sagen: Sie gehen in die Mitte der Manege, und in Sekudnenschnelle trampeln vier paarungsfreudige Berggorillas um die Weibchen, bruellen, klopfen sich auf die Brust und tanzen in groesster Notgeilheit.

Und wenn ich jetzt dazukaeme, und denselben Mist veranstalte, dann waere ich auch nur einer dieser Affen. Fuer den Rest der Leute sind diese Kerle natuerlich die Koenige, weil sie laut und der Mittelpunkt der Party sind, und alle Maedels anlabern und umarmen und was weiss ich – aber sonst ist da wenig dahinter.
In der Mitte des Raums stand ein gelber, aufblasbarer Punching Bag, unten gefuellt mit Wasser, und die Maennchen schlagen unkontrolliert auf ihn ein, um den Weibchen ihre Staerke und Ueberlebensinstinkte zu demonstrieren.

Es riecht nach Testosteron. Und ich sitze da und schnueffle. Zeit, dass ein Mann die Sache in die Hand nimmt.
Ich pirsche mich von hinten heran, stelle mich in die Gruppe, und sehe das Maedel an.
“You see this punchingbag?”, frage ich sie rhetorisch.
Sie sieht mich verwirrt an. “Yeah?”
“Well, on the last party there was a guy who puked – and now they put him in the bag to punish him for it. So better don’t drink too much.”
“Hahaha! What’s your name?”
“Toby.”
“I’m Meg! High Five!”

Und jetzt kommt der Twist. Ich bin drinnen, habe ihr einen ersten Eindruck geliefert, aber jetzt muss sich die Spirale schnell nach oben drehen, bevor sich ein paar der neidischen Maennchen ueber mich hermachen, und wer weiss, was ihnen einfallen wuerde.

Ich mache den High-Five. Wow, wie erbaermlich schwach sie doch ist.
“That was weak! Do it again, it must clap!”
KLATSCH, und zack, habe ich ihre Hand, verschraenke meine Finger in ihren. Kenne sie vielleicht 20 Sekunden, und beginne Haendchen zu halten. Nach einigen Sekunden lasse ich los. Nehme sie wieder, und der Paarungstanz beginnt.

Sie heisst Meg. Ich sage ihr, ich kann Meg Ryan nicht ausstehen. Sie auch nicht.
Bisschen aelter als ich, etwa die selbe Groesse, ein Gesicht, von dem man gerne Kirschkuchen mit viel Sahne essen wuerde. Sie ist Model, geht in zwei Monaten nach Paris.

5 Minuten. Tobias, Zeit fuer Level zwei. Unsere Haende kleben ja schon foermlich aneinander. Ich sehe mich um, erblicke die leere Tasse in meiner Hand, die einmal eiskaltes Sprite fuer mich bereithielt.
“I think I can balance this cup on top of the blow-up punching thing.”
“Nooo way! It is so much too shaky!”
“Okay, let’s bet.”
“I don’t have any money.”
“We can bet for something else…”
“Okay, let’s bet for a kiss!”
“Hm, okay. If I cando it, you have to kiss me, if I fail, I have to kiss you.”
“Alright!”

Dass die Tasse dann wie ne Eins stand, hatte ich meiner Geschicklichkeit zu verdanken – den Kuss dann wohl eher meiner Dreistheit, fuer die ich drei Tage zuvor schliesslich auch gefeuert wurde.

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Ein ziemlich gutes Gefuehl, haendchenhaltend mit dem Hottie der Party rumzustehen, im Wissen, dass sie Norwegerin ist, mich beim Kuessen in die Hueften kneift und um meine Nummer regelrecht lechzt – und sie als Belohnung selbstverstaendlich bekommt -, waehrend der Rest der Meute ihre Wut an dem armen, ueberdimensionierten gelben Latexpimmel in der Raummitte auslaesst oder sich ein paar verwuestete Mascarazombies zu Eigen macht.

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