Polina habe ich auf Modelmayhem aufgeklaubt.
Eine grossartige Seite, um heisses Eisen fuer Fotoshootings zu bekommen. Im Gegenzug bekam sie natuerlich meine Anwesenheit, eine seltene und aeusserst begehrenswerte Ehre. Es ist Sonntag. Wir haben uns ausgemacht, um 11 aufeinander zu treffen, bei ihr zuhause.

11 Uhr. Ich bin locker ne halbe Stunde von ihr weg, im BestBuy – dem amerikanischen Pondaut zu MediaMarkt und Co.
Kein Akku fuer meine Kamera. Seit einigen Wochen fehlt er nun, aber gerade heute, am Tag des Shootings, musste ich mir nateurlich einbilden, ihn zu kaufen.
“Sorry, we don’t have this one in storage”, sagt das attraktive Blaushirt.
Ich sehe grimmig auf den unhandlichen, grauen Klotz in meiner Hand, der aussieht, als haette man zwei AA-Batterien mit grauem Hartplastik lieblos ueberzogen.
Im Internet kostet ein solcher Kamera-Akku fuer die EOS-Reihe von Canon etwa 10$.

Ich stehe im Shop Circuit City – eine aehnlich laecherliche Konkurrenz zu Bestbuy wie Saturn zu MediaMarkt.
“This one here, sir, yes, that’s the right one!”

Only 59,99 49,99

Toll. Der fuenffache Preis. Und dann kommt noch Mehrwertsteuer dazu – das ist einer der schelchten Witze in Amerika, in Geschaeften ist alles ohne Steuer angeschrieben, von dicken Akkus bis zu duennen Karotten oder saftigen Abfuehrmitteln.

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Ich tauche in einem netten Hood in North Hollywood – noerdlich von den Hollywood Hills, also recht weit weg von dem, was wir als Hollywood vorstellen – auf, parke den Wagen und setze meinen Strohhut auf das Lenkrad – ich werde mich nicht mehr beim Losfahren am Lederueberzug verbrennen.

Mir kommt eine Leiche entgegen, gerade mal eine halbe Stunde auf, winkt mir Polina mit ihren Traenensaecken entgegen. Ich dachte, sie waere blond – nein, sie ist dunkelbruenett. Na spitze, jetzt habe ich eine dunkelhaarige Leiche anstatt einem Model. Aber nach Hause fahren kann ich ja jetzt auch nicht.
Sie hat ein fettes Apartment, eine schoene Nachbarschaft, einen Teppichboden – und einen festen Freund, der vor ein paar Tagen nach New York gezogen ist. Zuerst ist es mir wurst, doch nach ein paar Tassen Kaffee, einer Runde Eyeshadow, einem Hauch Mascara, Foundation und Rouge ist es mir nicht mehr wurst.

Verflucht, ist sie scharf. Und so frech, direkt, eine richtig rotzfreche Goere, die meine Sahnetorten aus ihrem gesicht wischt und zurueck drueckt.

Da verliert ein Mann schnell die Rationalitaet. Ich bringe sie dann zu uns nach Hause, da ich denke, wir haben dort mehr Licht. Vielleicht, wer weiss, aber eines ist klar: Die leeren, zusammengefalteten Burgerboxen von Mac Donalds, die Pommesschachteln von Burgking, die Jack-in-the-Box-Becher und die KFC-Kuebel habe ich nicht umsonst gesammelt.

Fuer die Manager muss es schon etwas seltsam sein, wenn da ein Typ in Flipflops, offenem, kurzaermlichen und knittrigen Hemd und weiten, kurzen Hosen auftaucht und nach ein paar Bechern oder Schachteln fragt.
Und noch seltsamer, wenn dieser Typ gerade von der Arbeit kommt und in engen Anzughosen, Hemd und passender Krawatte um eine Portion Karton bettelt.

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Sharky sitzt auf der Couch und schaut fern.

“Toby, you know what, Mikey, this fucking Salamander, left a used condom in the fucking bathroom!”
“Polina, this is Sharky. And use the other bathroom, I think the other five roommates are not here. Want something to eat or drink?”

Sie nimmt mich beiseite. “Great, now I shall lie around here in lingerie with six horny guys in the apartment?”
“Aw, not that bad. You can wear whatever you want.”

Und waehrend ich an dem Schild bastelte – aus der Schachtel eines unserer unzaehligen Ventilatoren fabriziert – entschliesst sich Polina fuer ein nettes Oberteil und meine Badehose. Sharky und ich deckten sie in Muell ein, und sie genoss es wohl mit so einem unverschaemt gutaussehenden Fotografen aus dem fernen Oesterreich zusammenzuarbeiten.

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An diese Form von Arbeit koennte ich mich gewoehnen…

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