Wrrrrrrr…. 75mp/h. 101 Freeway North. Samstag Vormittag.
Lukas sitzt neben mir und spielt GPS-Geraet. Wir fahren nach Burbank, um ein Auto anzusehen.

“Der fahrbar-lose Lukas” werden sie moegen, wenn sie “Die Leiden des jungern Werthers” gemocht haben.

Lukas ist seit drei Monaten mehr oder minder ohne Auto unterwegs. Eine Woche ein Mietauto, drei Tage eine Schrottkarre, und den Rest der Zeit oeffentliche Verkehrsmittel und der beklagenswerte und schlussendlich doch erfolgreiche Versuch, die Schrottkarre jemandem anzudrehen. Und an diesem Samstag ist es dann soweit. Ein roter Kia. Huebsch anzusehen, und da ein Frontscheinwerferlicht kaputt war, fuhren wir zu einem Freund des Verkaeufers, einem Mechaniker aus dem Iran. Starker Typ, und sein 10-Jaeheriger Sohn hat mehr Haare am Arm als ich am Arsch. Amazing!

Waehrenddessen ging ich meinem job als Fotograf nach: Spaziere in Mc Donald’se, Burger Kings, Jack in the Boxes, Pollo Locos, Kentucky Fried Chickens und Subways. Ich gehe zur Theke und frage nach ein paar papiertueten, Burgerschachteln oder Pommesbehaelter. Die Verkaeufer reagieren verschieden, doch allesamt sind sie verwirrt.. was will dieser verflucht gutaussehende Typ da mit Papierschachteln?!

Die Antwort folgt … jetzt:

“Healthy Somnambulism”

A girl, waking up under some rubby big newspaper pages in her underwear. Articles about nutrition and how to keep in shape are lying around everywhere.

Selfmade sketches and notes concerning body shape are scattered on the floor.

But more obvious, there’s a ton of fast food, old MC Donald’s boxes, Taco bell, Burger King etc. etc., stacks of finished junkfood.

The girl is lying on an expesive, beautiful and classy couch/sofa. A measurement band is hanging around her waist.

The message: During the day beautiful girls are counting their calories and checking the waist size every ten minutes, but as soon as they fall asleep,

they walk while sleeping to get all kinds of junkfood…

Und dieses Fotoshooting ist am Sonntag. Mit einem scharfen Maedel aus der Ukraine, das ich von ModelMayhem habe. Das ist der Grund, dass ich von Fastfoodpalast zu Fastfoodpalast torkle und um Verpackungen bettle. Dank meines Charmes beginnt sich der Kofferraum meines Autos mit allerlei lieblichen Boxen zu fuellen.

Kaum Lukas dazu verholfen, den Deal zu schliessen, sitze ich im Auto, mein Ziel: Santa Fe Exit, Arts District.

Ich treffe auf Elliot, meinen baldigen Roomate. Er steht in der Schlaufe eines vom Deckenbalken baumelnden Seils, seine blonden Haare wehen ueber die hohe Stirn, und man sieht die Tatoos – auf den vergleichsweise schmaechtigen Armen – unter den Aermeln seines T-Shirts durchscheinen. Mikey erscheint am Kopfende der Treppe. Gutaussehender Typ mit 3-Tage-Bart, dunklen, kurzen Haaren und himmelblauen Hemd Marke Gentleman.
Ich schubse gerade Elliot am Seil, sodass er ueber den Billiardtisch hinwegschwingt, als wir einen Schrei hoeren.

FUCK MAN! THAT’S SO FUCKED UP! This motherfucker just stole my laptop! FUCK!

Mikey kommt dietreppe heruntergestuerzt. Er zeigte gerade noch zwei Typen das Zimmer, als der eine ungesehen den Laptop schnappte und verschwand. “What’s up man?!”, kommt eine Stimme aus dem Hintergrund. Sharky.
Etwas kleiner als ich, breit gebauter Latino mit weissen Stutzen bis unter die blaue-glaenzende, kurze Sporthose, dem typischen hiphop-Shirt und der Kette um den Hals.

“Man! We gonna scare the shit out of this guy! Ha, we’ll really make him scared dude…”, sagte er, als wir ihm sagten, was gerade passiert war. Mikey fuhr mit dem Auto um die Blocks, konnte aber nichts finden. Zehn Minuten spaeter stehen wir in der Garage, als Joe zu uns stoesst. Etwa meine Groesse, kraeftige Unterarme auf denen sich die Venen einen Territorialsstreit liefern, schwarzes Tanktop, braune, kinnlange Haare und ein Baertchen, typischer Motorradfetischist.

Und waehrend sich Sharky und Joe zusammentun und laecherliche Plaene schmieden, wie sie den Typen doch nicht fertig machen koennen, erzaehlt mir Sharky von seiner Knastvergangenheit. 6 out of 26 Jahre eingebuchtet; aufgewachsen in South Central, war es ganz gewoehnlich, in einer Gang zu sein. Und wer in einer Gang ist, nimmt auch automatisch an den Fights teil. Viermal wurde er getroffen, hat alle Male ueberlebt, zeigt mir die Plaetze, wo die Kugeln steckten. Wurde unter anderem verurteilt, weil er mit einer AK-47 auf Polizisten geschossen hat, und vor drei Jahren realisierte er, dass das Gangleben doch irgendwie aeusserst sinnfrei ist, suchte sich nen Job und hat jetzt ein geregeltes Leben.

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gut, dass ich aus Hollywood, wo gestern eine Schiesserei war, direkt runter in den Arts Distric ziehe, 20 Autominuten vom Capitol des LA-Crimes, South Central, entfernt.

Und dann ruft mich die Pflicht. Nach Pasadena. 40 Minuten und 120km/h spaeter stehe ich vor einer fetten Monsterkirche. Im Nebenhaus, einem Auditorium, gibt es ein Theaterstueck. Und in diesem spielt Alex Demir, mein Arbeitskollege, mit. War grossartig, ihn mal auf dr Buehne zu sehen. Und ueberraschenderweise spielte er diesmal keinen Vergewaltiger oder Moerder – dank seiner tuerkischen Abstammung wird er oft als Mafiosi gecastet – sondern einen Priester.

Und Norah und Kenny treffe ich auch, endlich mal ausserhalb der Arbeit, ohne Anzug und Krawatte. Ein grossartiger Abend.

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ABER TOBIAS, WO ZUM TEUFEL SIND JETZT DIE FOTOS?!

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Well, als ich mich von den Leuten verabschiedete, schwang ich die Kamera in der einen Hand, und mit der anderen winkte ich. Beim Ausparken rummste irgendetwas hinter mir. Kein Auto, ich lerne schliesslich aus Fehlern. Ein Kind oder Liliputaner war es auch nicht, die machen andere Geraeusche… na, egal.

40 Minuten und 130km/h spaeter steige ich aus dem 240SX in der Parkgarage des Murray Hill Condominium aus. Autoschluessel, Wohnungsschluessel, Kamera, Kaugummis.. halt. Halt, nein, nein, NEIN! FUCK! Wo ist die Kamera?!

Da fallen mir die Schuppen aus den Haaren. BONK. Der Parkplatz.
Ich muss die Kamera wohl aufs Dach gestellt haben, und beim Ausparken fiel sie runter. Scheisse.

Ich laufe im Kreis. Morgen frueh ist das Shooting mit dem Model aus der Ukraine. Ich rufe Randyll an, um ihre Kamera zu borgen. Voicemail. Also gut, mir bleibt keine Wahl: Ich fahre zurueck nach Pasadena.

Was passierte wohl mit der Kamera? Hat sie jemand anders beim Ausparken gefunden und zur Verwaltung gebracht? Gestohlen? Mit dem 3-Tonnen-SUV ueberfahren? Ich rufe Alex an und sage ihm, falls er sie morgen bei der naechsten Auffuehrung finden sollte, moege er sie bitte mitnehmen.
Optimismus ist immer gut.

40 Minuten und 1.000.000 km/h spaeter stehe ich auf dem todesleeren Parkplatz der Kirche. Keine flehenden Heiden oder fanatischen glaeubigen vor der Tuer, nur ich und ein leerer Parkplatz. Ich hasse es.

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2 Stunden spaeter bin ich auf einer Privavatparty und raufe mich mit einer Kanadierin. Sie verliert natuerlich.
4 Stunden spaeter schlendern wir Party-isten am Sunset Blvd. entlang. Es ist 2:30, alle Clubs haben bereits zu, die Gehsteige sind aber immer noch voll. Raphael (der Couchsurfer, Partymacher und auch noch Geburtstagskind) und ich challengen uns im Maedels anlabern. Das Ziel:

Approach a girl on the street with: Hey. I really want to kiss you … right now.

Macht einen Heidenspass. Nach etwa 15 Maedels, lauten Kreischern, schuechternem Geschaukel und verheirateten Damen kam eine SMS von Alex. “Call me.”
Die Nachricht war eine Stunde alt, und es ist 2:30… egal, er haelt das aus.

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“Alex, what’s up?”

“Toby. I have your camera.”

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