WICHTIGE ANFUEGUNG ZUM VOR-VORIGEN POST: Dieser war leicht zu missinterpretieren, und ich mag Ernie nichts unterstellen, was nicht wahr ist, nur wiedergeben, was ich an besagtem Abend hoerte: Ernie hat nichts gegen Juden gesagt, lediglich Vorurteile wie zB “Juden arbeiten alle zusammen” “Die Juden beschuetzen ihre Mitarbeiter” sowie “Die Filmindustrie ist voller Juden” benutzt. Respekt vor Simon Wiesenthal hat er mit Nachdruck als einzigen Grund genannt, mich ueberhaupt einziehen zu lassen. SIE, die Boesen, sind irgendein Zusammengestoepsel aus Landlords, Immobilienmaklern, Richtern, der Polizei, NSA, FBI oder was auch immer.

Von “den Juden” haette sich Ernie Schutz vor den Boesen erwartet, aber anscheinend nicht bekommen.

Nach dem Ausflug in Ernies erleuchtete Gehirnwindungen wollte ich Sebastien natuerlich mitteilen, was Ernie ueber ihn dachte. Ich war mir nicht sicher, wie viel er im Halbschlaf mitbekam, aber er sollte definitiv alles wissen, was ich von dieser Reality-Show mitbekam.

Bei der Arbeit erzaehlte ich ein paar Kolleginnen, dass ich rausgeschmissen wurde, samt einer Kurzfassung des Streits. Sie rasteten voellig aus und meinten ich sollte Hals ueber Kopf so schnell wie moeglich aus dem Big-Brother-Apartment verschwinden, bevor mich Ernie lyncht.

Ihre Angst um mich, das “Baby des Museums” (euch versohl ich nochmal den Hintern fuer diese Aeusserung) hat kurz meine Analyse, dass Ernie einfach nur sehr verwirrt und paranoid sein koennte, kurz ueber den Haufen geworfen, und in meinem Kopf das Bild eines paranoiden Verbrechers wachsen lassen, der mich liebend gern im Schlaf mit dem im Mondlicht glitzernden Kuechenmesser massakrieren wuerde.

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Ich rufe Sebastien mit dem Handy an, waehrend ich den Pico Boulevard mit 30mp/h – umgerechnete 4km/h – im Halbschlaf entlangbrause. Wir sind beide nicht zuhause, also koennen wir frei ueber Ernie sprechen.
Als ich erwaehne, dass Ernie ihn ernsthaft beschuldigt, seine Kamera gestohlen zu haben, aendert Sebastien seinen Tonfall.
“Come to my Music School, Toby”. Nichts lieber als das, mein Freund aus dem fernen Quebec.

Ich treffe ihn an der Strassenecke wartend an. Das folgende Gespraech – inmitten von vorbeirauschenden Autos, aus- und eingehenden Punks, Alternativen, Rockern, Surferdudes und jeder anders erdenklichen Gattung von Musikern – war gleichsam eine Darmspiegelung wie auch eine Erweiterung meines Horizonts. Es ist wie ein Adventuregame, bei dem man Stueck fuer Stueck der Story zusammensetzt, indem man mit verschiedenen Leuten redet.

Um das zu verstehen, was unser kanadische Gitarrist sagte, muss ich fuer euch etwas weiter ausholen:

Als ich das erste Mal das Zimmer ansehen kam, war noch ein huebsches Bett drinnen, als ich drei Tage spaeter einzog, war es weg. Dieses Bett gehoerte Michael, einem Schauspieler, der fuer 2 Monate dort wohnte. Nach und nach erzaehlte mir Ernie, dass Michael schwul war und Ernie einmal drum angebettelt hat, ihm eine Umarmung zu geben. Ernie dachte, dass Michael ihn anmachen will, und lehnte entschieden ab, woraufhin Michael wild wurde und ihm boese Dinge androhte, dann seinen Boyfriend anrief, einen muskuloesen, schwulen Kerl, der Ernie weiter drohte. Ernie hatte das ganze auf seiner Kamera gecaptured, hoerte sich alles sehr echt und nicht fein an, als er es mir vor einigen Monden einmal vorspielte.

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Sebastien kommentierte die Akte Michael damit, dass Ernie jenen jungen Herrn aehnlich wie mich raushaute, weil er irgendeinen Diebstahl/Einbruch vermutete – und Michael holte eben seinen Freund zu Hilfe, anstatt wie ich in den Pussy-Diagnose-Modus zu wechseln und nach Gruenden zu suchen. Leider habe ich Michaels Nummer nicht, um mehr ueber die Umstaende zu erfahren, Sebastien hat nur einmal ganz kurz mit ihm geredet. Tobias Holmes wird in diesem Fall jedochnicht weiter nachforschen, da es ausser hohlen Birnen wenig zu holen gibt.

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Mein Roomie erzaehlte mir dann weiter, dass er schon laengst von den Ueberwachungskameras wusste, und von den vermeintlichen Diebstaehlen. Ernie kam eines Morgens heraus und war ausser sich, dass sein Handy gestohlen wurde. Sebastien half ihm suchen, fand beim ersten Durchlauf nichts, und als er sich beim zweiten Durchlauf bueckte, sah er es unter dem Bett liegen…

Ernie wuerde mit mir dasselbe tun wie mit Michael, eine Rauswurfaktion nach knapp zwei Monaten. Fuer ihn ist das wohl so etwas wie Unterhosen wechseln (die er hoffentlich dann doch oefter austauscht..). Weiter fuhr der Kanadier fort, dass es Ernie nicht um mich und meine Unreifheit ginge, sondern um das Geld. Sobald er mich raus hat, kann er den Masterbedroom vermieten und in meinem Zimmer schlafen; und unser Freund aus Quebec denkt ebenfalls, dass er sich viel von der Paranoia und den Diebstahlsvorwuerfen ausdenken wuerde, damit er einen Grund hat, mich rauszuwerfen.

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Mein armer Roommate ist dank eines einseitigen Vertrags ein Jahr an sein Zimmer gebunden, solange Ernie ihn nicht rauswirft, darf er nicht gehen (oder muss n paar tausend Dollar Schadenersatz blechen). Meiner Einschaetzung nach wird Ernie ihn aber auch bald rauswerfen, damit er das Apartment dann an einen besser zahlenden Mieter vermieten kann, der die Wohnung dann weiter untervermietet. 3000$ sollten da schon drin sein, anstatt meinen 675 und Sebastiens rund 750$ (er hat ein groesseres Zimmer).

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Lange Rede, kurzer Sinn:

Gut, dass mich die Juden weiterhin beschuetzen…
(ja, das war Sarkasmus, werte Damen und Herren)

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