11:21, ich sitze in meiner Wohnung am schwarzen Sofa.

9 Stunden frueher:

Ich springe mit Lukas ins Auto, um ihn heimzufahren. Seitdem er den Unfall hatte, muss er sein Auto reparieren lassen. Wir fahren auf den Hollywood Freeway auf, geschafft von einer durchtanzten Nacht im “Avalon”, oder auch “Chinatown”, “Asiaworld”, “Kindergarten”, “25$ Eintritt und meine FakeID losgeworden und mit 18 reingekommen”. Wie auch immer. Der Freeway ist sehr frei. Ich beschleunige.

“Heute gehts ja saugeil zum Fahren hier, schau mal, kaum Autos.”

Jeder faehrt zu schnell, 75 oder 80mph. Autos ueberholen, wir sind in der Mitte der 5 Spuren, ein paar rote Lichter tanzen um uns herum, …

“BREMS!!” schreit Lukas. Vorne eine Menge roter Lichter. Ich springe mit voller Kraft auf das Bremspedal. Das Auto wird ein wenig langsamer. Die vroderen Autos ruecken viel naeher. Die Reifen blockieren. Ich beginne auf dem Eis zu tanzen. Ob die Reifen geraucht haben, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass wir rutschten. Auf einem zehnspurigen Freeway. Fuenf Spuren fuer uns. Wir sind in der mitte. Und wir bremsen nicht, wir gleiten. Ans naechsteAuto heran.

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Und es kommt so nahe, dass jeder noch so banale Autoidiot weiss, dass der Bremsweg zwischen mir und dem Vordermann groesser als unser tatsaechlicher Abstand ist. Ich sehe im Augenwinkel, dass die bahn links frei ist. Reisse das Lenkrad nach links.

Wir drehen ab auf die naechste Spur. Und das Auto dreht sich weiter, beinahe in 90Grad zur Fahrtrichtung. ich reisse das Steuer nach rechts. Rund um mich herum Sekundeneindruecke anderer Autos. Hier Licht. Da Licht. Hier metallenes Heck, dort metallene Front.

“NEIN! NEIN! NEIN!”, schreie ich. Es ist wie in einem Albtraum. Ich sehe schon, wie mein Auto mit Totalschaden in vier andere Waegen kracht. Ich sehe mich eine Milliarde Dollar zahlen fuer den Schaden. (ca. 8 Euro)

Und ich sehe, dass ich abermals fast 90 Grad zur Fahrbahn schlittere. Lichtfetzen ziehen an mir vorbei, als ich das Steuer ein letztes Mal herumreisse. Und dann mache ich bekanntschaft mit dem Heck eines braunen Wagens. BUM.

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Glas splittert. Ich schreie. Lukas schreit. Blech gegen Blech. Irgendwo entweicht eine Wolke. Wir werden sanft gegen den Sitzgurt gedrueckt. Teile fliegen durch die Luft. Es klirrt. Und dann steht die Welt still.

Ich sitze mit Mr.-Bean-aufgerissenen Augen hinter dem Steuer. Buah. Buuuaaaaah. BUAHHH! Der fetteste Adrenalinschub, den man sich vorstellen kann.

Ein Officer kommt zu meinem Wagen gelaufen. Polizei ist schon da. Ich ueberlege fieberhaft, wie ich mich verhalten muss, sage aber die ganze Zeit nur “Buuuaaaah”. Lukas sagt, ich solle ruhig bleiben, es ist alles in Ordnung.

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“DRIVE YOUR CAR TO THE RIGHT SIDE! DRIVE YOUR CAR TO THE RIGHT SIDE! NOW!”, bruellt mir der Officer ins Gesicht, dass sogar die Achselhaare mitwehen, und das gleissende Licht seiner Taschenlampe geht straight into my pupils. Ich bin perplex, der Wagen will nicht fahren. Starte ihn nochmal und er surrt zum Rand. motor ab. Buah. Schluessel raus. vorne die Blaulichter. Vor mir der Unschuldige, der gerade aus dem Wagen steigt und ne finstere Miene zieht. Buah. Schraeg hinter mir auf der Strasse liegt mein Scheinwerfer in tausend Scherben – fantastischerweise strahlt er trotzdem noch die schraege Wand des Freeways an.

Der Policeofficer kommt ein weiteres Mal. “Are you alright?”, fragt er mit der zarten Stimme eines kastrierten Juenglings. “Aeh, yes, thank you, we’re alright.”, sage ich verwirrt. Zwei Feuerwehrmaenner kommen ebenfalls herbei, sich um unser Wohlergehen zu erkundigen. Sie zuenden Leuchtsignale an und verteilen sie rund um die Unfallstelle. Die Staebe brennen mit roter Flamme und einem intensiven, bestimmt gesunden Rauch. Dass Polizei und Feuerwehr bereits anwesend waren, liegt an ein paar geschickten Schmalspurganoven, die sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferten und klaeglich versagten. Zwanzig Minuten spaeter sind wir wieder auf dem Freeway, um einen Zettel reicher:

Name, Adresse, Telefonnnummer und Versicherungsdaten des Vordermanns.

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