Es gibt einen Platz in Los Angeles,der so etwas wie das schwarze Loch der Superfreaks, der Elektromagnet der Hirnamputierten, das Sammelbecken der Gschmuftler ist: Venice beach. geplant von einem Typen, der ein Faible fuer Venedig hatte, findet sich dort einige Imitationskultur in der Architektur wieder, von den Kanaelen bis hin zu venezianischen Haeusern. Man fuehlt sich wie am Mittelmeer. Mit von der Partie war natuerlich Lukas, und ne deutsche Arbeitskollegin von ihm, Paula. Sie bastelt an der University of Southern California (USC) an ihrer Doktorarbeit. Sie will spaeter mal ganz gescheit werden.

Aber am Wochenende wollte sie nicht gescheiter werden, sondern uns lieber Wassermelonen anbieten, ihren Neighborhood mal eben zeigen, und uns dann ihre Fahrradschleichwege zeigen. Dumm nur, dass sie sich mit dem weiblichen Stereotyp der Desorientation identifizierte, was uns immer tiefer ins Labyrinth der Nebenstrassen und Sackgassen brachte. Zuletzt war sie dann doch vernuenftig, sprang aus dem Wagen und hielt die Kette hoch, die die Strasse enden liess. Das Auto passte durch, leider haben wir Paula nicht an der Kette vergessen. Sie haette sich bestimmt gefreut – und verdient haette sie es natuerlich auch πŸ˜‰

Noch ein paar Impressionen von Venice und den Menschen dort, inklusive einem Akademiker (sicher Harvard-Abgaenger in Jus und Medizin), der zuerst von Schaulustigen die letzten Ecken der Geldbeutel vom mueden Dollar befreite, um sich dann zur kollektiven Bestuerzung mit den blanken Fusssohlen in einen Glasscherbenhaufen stuerzte. Dann sprang er noch von einem Stuhl in den Scherbenhaufen.

Beneidenswert, dieser Mut – besonders bei dem Gesundheitssystem, bei dem jeder Krankenhausaufenthalt ein Einfamilienhaeuschen kostet. Ein einzigartiges Geschaeftsmodell.

Es folgte der Abschied vom Mietauto. Ein echtes 2008er-Auto: Sparsam, familienfreundlich, leise, silbern, sicher, smooth, rungelutscht, aerodynamisch, verlaesslich.

Jungfernfahrt meines neuen Autos. Benzinschleuder, tiefgelegte Racingsitze, ungezogen laut, schwarz, fahrbare Sicherheitsgurte, Klappscheinwerfer, eckig, flach und overdriven.

176000 Meilen auf dem Buckel. Jetzt ist es das Auto eines Ehemaligen:

  1. Ehemaliger Autoverkenner und lieber-mit-Barbiepuppen-spieler
  2. Ehemaliger Rosa-als-Lieblingsfarbe-haber
  3. Ehemaliger Unkontrollierte-Verkahrswutausbruch-Verachter
  4. Ehemaliger Familienautobefuerworter
  5. Und nicht zuletzt: Ehemaliger Fussgaenger.

Scheiss auf Gehen! Ich fahr zum Essen ne Runde um den Block und leere dabei den halben Tank! Ich fahre aus meinem Zimmer runter in die Lobby zum Fruehstuecken! Ich fahre von der Couch zum Klo und zurueck! Yes! Und da erscheint es auch gar nicht mehr absurd, dass ich um 3 am Nachmittag in einer Tankstelle einkehre, fuer laecherliche 10 Dollar tanke und dann die folgenden 60 minuten den Fensterputz-Schrubber fuer mich in Anspruch nehme und damit das komplette Auto wasche. Von oben bis unten, bis es blitzt. Da kommt auch schon ne etwas aeltere schwarze Lady auf mich zu.. “It is fast, isn’t it? Haha, this is a good car!” Ich schwaerme von dem Solariumsgetoasteten Motorstartgeraeusch und dem Oversize-Auspuff. Alles inklusive, fuer 1750$ (ca. 1,35 Euro).

« »